Fachartikel aus PROTECTOR 1-2/09, S. 16 bis 17

7. Frankfurter Sicherheitstag Nur wer sich an Regeln hält, gewinnt!

Dicht gedrängt waren die Reihen im Sitzungssaal der IHK in Frankfurt am Main - dicht auch die Liste der Themen auf dem „Frankfurter Sicherheitstag 2008“. Um „Compliance“ ging es und dabei insbesondere um den „Wettbewerbsvorteil durch verantwortliche Unternehmensführung“.

Bild: Fotolia/Helder Almeida
Fazit des Frankfurter Sicherheitstages: Firmen, bei denen korruptes Verhalten auf absolutes Nein stösst, werden am Schluss auch in der globalisierten Welt die Gewinner sein. (Bild: Fotolia/Helder Almeida)

Der Begriff und das Thema wurden von allen Seiten ausgeleuchtet. Hans-Joachim Tonnellier, Präsident der IHK Frankfurt am Main, erinnerte zur Einleitung an das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns, das in Compliance eine zeitnahe Antwort auf die gegenwärtigen Krisen biete.

Compliance kommt vom englischen Verb „to comply“ und heißt wörtlich übersetzt „sich an etwas halten“. Für das gesellschaftliche und wirtschaftliche Miteinander wird Compliance daher verstanden als „Handeln im Einklang mit geltenden Regeln“. Während die meisten Redner ihre Überzeugung vortrugen, dass dieses Handeln im Einklang mit geltenden Regeln überall und immer (zumindest theoretisch) möglich ist, überwog in den Pausengesprächen eher die Skepsis: „Schön und gut, wenn alle sich daran halten würden ...“ oder „Die USA sind doch immer noch die größten Sünder bei Compliance und zugleich die stärksten Befürworter – bei anderen“.

Valide Vertrauenskultur

Dr. Stefan Heißner, im ersten Leben Polizist und derzeit Partner bei Ernst & Young, sagte zwar, dass es sicherlich Länder gibt, in denen es ohne Schmieren nicht geht, dass aber gerade aus solchen Ländern Vermittler vermelden, es gehe nicht ohne Schmieren - dies aber nur vorgeben. Für den Mittelstand unterstrich Heißner, dass sich auch hier ein Compliance-System lohnt – zwar nicht in der für Großkonzerne nötigen Feingliedrigkeit, aber doch als „valide Vertrauenskultur“. Er warnte vor der Überlegung, „formale Compliance“ reiche bereits aus. Das „Handeln im Einklang mit geltenden Regeln“ muss „auf allen Ebenen vorgelebt“ werden. Bei risikobehafteten Vorgängen sei es „besser, im Zweifel ein Geschäft nicht einzugehen“.

Mit ganz besonderer Aufmerksamkeit wurde das Referat von Dr. Andreas Pohlmann begleitet, der als „Chief Compliance Officer“ der Siemens AG in einer Keynote genannten Darlegung über die internen Aufklärungsarbeiten im zwei Jahre dauernden „signifikanten Veränderungsprozess“ auf allen Ebenen des von Korruption erschütterten Konzerns berichtete. In den drei Wellen Notfall, Maßnahmen aufholen, Standards setzen habe man sich den Problemen genähert. Heute agieren im Siemens-Bereich 600 Vollzeit Compliance-Mitarbeiter. Auch für die neue Konzernleitung, so Pohlmann, habe „das saubere Geschäft Priorität Nummer 1“. Erfolgreich seien die Aktionen „Ask us“ und „Tell us“, in denen verantwortliche und geschulte Compliance-Mitarbeiter auf zweifelnde Anfragen die nötigen korrekten Ratschläge erteilen (bei bis zu 1.100 Anrufen im Quartal) oder Mitarbeiter auf unkorrekte oder verdächtige Vorgänge hinweisen (über 500 Hinweise in einem Monat).

Im Mittelstand unterschätzt

Auf die Bedeutung solcher Hinweise aus dem Kreis der Mitarbeiter verwies Kai Leisering vom Vorstand der Business Keeper AG in seinem Referat über „Internes whistle blowing als Instrument des Risikomanagements“. Dies dürfe nicht als „Verpfeifen“ diffamiert werden. Wichtig sei bei diesem Programm, dass jeder in der Firma über die Möglichkeiten solcher Mitteilungen auch informiert ist. Immerhin wurden in Hessen in den vergangenen zwei Jahren 60 Prozent der in der IHK registrierten Unternehmen Opfer von Betrug, Korruption, Unterschlagung oder anderer Formen von Wirtschaftskriminalität. Gleichzeitig aber meinten 80 Prozent der befragten Unternehmen, sie verfügten über eine „ausreichende Prävention“ gegen solche Schäden.

Steffen Salvenmoser, Staatsanwalt a.D. und Partner der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers AG, warnte in seinem Referat vor „falscher Zufriedenheit“ darüber, wenn im eigenen Unternehmen keine Wirtschaftskriminalität erkennbar sei. Meist sei dies nur eine Folge davon, „dass nicht kontrolliert wird“. Oft seien es gerade die langjährigen Firmenangehörigen, die Vertrauen geniessen und dieses dann ausnutzen. Die von Salvenmoser „dolorosen Handlungen“ genannten kriminellen Vorgänge beträfen nicht den Bleistiftklau, aber das Korruptionsrisiko werde gerade im Mittelstand „überall unterschätzt“. Gerade wenn „lange nichts vorgekommen“ sei, müsse ein Mittelständler mit Bösem rechnen. Und: „Wenn einer schädigt, ist es meist einer, der sich gut auskennt“. Zu den Folgeschäden zählen dann nicht nur die Kosten, sondern auch der damit einher gehende Reputationsverlust.

Das Ansehen leidet

Wenn Compliance sich allgemein durchzusetzen vermöchte, so der einhellige Tenor vom Podest der Redner, dann würden alle die, die sich nicht compliant verhalten, nicht nur in ihrem Ansehen leiden, sondern auch von der Auftragsvergabe ausgeschlossen. Dr. Dirk Scherp, Chief Compliance Officer bei der Dresdner Bank AG, wies schließlich auch auf die Bedeutung von gutem Risikomanagement für die Kreditvergabe hin. Daher folgerte auch er: „Gute Compliance hat eine Chance, sich auszuzahlen“.

In der Schlussdiskussion waren sich die Podiums-Teilnehmer einig: „Aufträge, die durch Korruption entstanden sind, machen meist wenig Freude - wegen der Folgen“. Und: „Wenn korruptes Verhalten publik wird, kommt ein Unternehmen schnell auf die schwarze Liste“. Ebenso gelte: „Saubere Geschäfte sprechen sich rum“, und Firmen, bei denen korruptes Verhalten auf absolutes Nein stösst, würden am Schluss auch in der globalisierten Welt die Gewinner sein. GU