Fachartikel aus W&S 2/2009, S. 16 bis 17
Geistiges Eigentum
Innovationen gegen Produktpiraterie
Nicht nur Turnschuhe, T-Shirts und Uhren, sondern auch ganze Produktionsmaschinen fallen Fälschern und Plagiatoren zum Opfer. 68 Prozent der im vergangenen Jahr befragten VDMA-Mitgliedsunternehmen gaben an, selbst betroffen zu sein.
Der Schaden, der den deutschen Maschinen- und Anlagenbauern pro Jahr entsteht, wird auf rund sieben Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommen der Imageschaden und mögliche Probleme bei Haftungsfragen. Produktpiraterie ist somit eine große Bedrohung für die Wettbewerbsfähigkeit der Investitionsgüterindustrie. Juristische Regelungen allein sind nicht ausreichend, um sich gegen Produktpiraterie zu wehren. Ein umfassender Schutz ist nur durch eine Integration von konstruktiven, produktionsbezogenen und IT-basierten Ansätzen zu erreichen.
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| Nicht nur Produkte wie das Multifunktionswerkzeug Leatherman Wave (links das Original), sondern auch Produktionsmaschinen und Software werden kopiert und gefälscht. (Bild: Aktion Plagiarius e.V.) |
Der VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau) hat angeregt, die Erforschung und Entwicklungen von Konzepten und Produkten zum technologischen Plagiatschutz zu verstärken. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat dies aufgegriffen und einen Forschungswettbewerb "Innovationen gegen Produktpiraterie" ausgeschrieben. Seit Januar 2008 werden neun Verbundprojekte und die Begleitmaßnahme Conimit - Contra Imitatio (Kommunikationsplattform für präventiven Schutz vor Produktpiraterie) gefördert.
Piraterie bedroht Wettbewerb
„Produktpiraterie bedroht die Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie“, erklärt Oliver Köster vom Heinz Nixdorf Institut. „Daher ist es erforderlich, wirkungsvolle Mechanismen für den präventiven Schutz zu schaffen.“ Der ungehinderte Zugang zu Produkt- und Prozesswissen ist oftmals Ausgangspunkt von Plagiaten. Daher erarbeiten die Projekte Piratpro, Protactive und Pro-Protect Konzepte zur pirateriesicheren Gestaltung von Produkten sowie von Produktentstehungs- und Vertriebsprozessen. Diese Konzepte beinhalten die Zusammenführung der Produkt- und Prozessgestaltung zu einer unkopierbaren Einheit, die Erhöhung des Kopieraufwandes, die Minimierung von Know-how-Abflüssen und den Schutz durch Software.
Pro-Protect
Pro-Protect ist eins der zehn Projekte der BMBF-Ausschreibung "Innovation gegen Produktpiraterie", das von Wibu-Systems koordiniert wird. Die Ziele von Pro-Protect sind:
1. Entwicklung einer nicht manipulier- und kopierbaren Schutzhardware für industrielle Schnittstellen und Betriebsbedingungen. Dies erschwert den Nachbau von kompletten Maschinen und Anlagen durch wirkungsvollen Schutz der embedded Software.
2. Durchgängiger Schutz von Produktionsdaten vom Design bis zur Maschine, um unkontrollierte Produktion von Graumarktprodukten durch Fertigungszulieferer zu verhindern.
3. Einführung eines "Digitalen Maschinentagebuchs" zum Schutz der Servicedokumente, die viel Know-how enthalten.
Der Schwerpunkt der BMBF-geförderten Projekte EZ-Pharm, Mobilauthent und O-PUR ist die Entwicklung von Verfahren, mit denen Produkte und Systeme mittels fälschungssicherer Kennzeichnung über den gesamten Produktlebenszyklus entlang der Wertschöpfungskette verfolgt werden können. In diesen Verfahren kommen modernste Kennzeichnungstechnologien wie RFID (Radiofrequenz-Identifikation), stochastischer EpiCode oder Produkt-Authentifizierungsservices zum Einsatz. So entstehen Verfahren, mit denen die Originalität eines Produktes, einer Komponente oder eines Ersatzteils über die gesamte Versorgungskette verfolgt werden kann.
Produktsicherheit garantieren
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| Eine nicht manipulierbare Schutzhardware für industrielle Schnittstellen gehört zu den Zielen von Pro-Protect. (Bild: Wibu-Systems) |
"In Deutschland wurden in 2008 embedded Systems im Wert von über 18 Milliarden Euro entwickelt“, erklärt Stephan Ziegler, Bereichsleiter Software beim Bitkom (Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V.). „Funktionsumfang und Leistungsfähigkeit von Maschinen oder Fahrzeugen hängen heute unmittelbar von den verbauten eingebetteten Systemen und der darin implementierten Software ab. Aus Sicht der Hersteller ist daher die Absicherung dieser Technologien gegen unbefugten Zugriff ein zentrales Thema, um einerseits die Produktsicherheit dauerhaft zu gewährleisten und andererseits Produktpiraterie wirksam einzudämmen.
Als Ergänzung zu den Forschungsprojekten wurde die Innovationsplattform Conimit (Contra Imitatio) gestartet. Conimit ist ein Querschnittsprozess und eine Transfermaßnahme für die zehn Forschungsprojekte. Ziel ist, die Stoßkraft und die Breitenwirkung der Forschungsprojekte zu erhöhen und den Transfer der in diesen Projekten erarbeiteten Prozesse und Maßnahmen in die betrachtete Industrie zu fördern. Das Spektrum umfasst präventive Schutzmaßnahmen in der Gestaltung und Kennzeichnung von Produkten und die Entwicklung integrierter Schutzkonzepte für komplexe Produkte. In Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft werden Maßnahmen, die einen wirksamen Schutz vor Produktpiraterie bieten, entwickelt und erprobt.
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