Fachartikel vom 04/03/2009

HiTech-Diebstahlsicherung Bodyguards für Baumaschinen

Abgestellte Baufahrzeuge stehen immer häufiger im Visier von organisierten Diebesbanden. Nach Polizeiangaben hat die Zahl der Diebstähle im vergangenen Jahr 2008 drastisch zugenommen. Viele der in Deutschland oder in anderen westeuropäischen Ländern gestohlenen Maschinen tauchen auf Baustellen in Osteuropa wieder auf. Es sind aber auch sind Fälle bekannt, in denen Maschinen in Häfen außerhalb Deutschlands in afrikanische Länder verschifft wurden.

Bild: Markus Schipke
Wer anderen beruflich Gruben gräbt, sollte sich vor Reinfällen schützen. (Bild: Markus Schipke)

Einfache Sicherheitstechnik wirkungslos

Die Täter kommen nachts, an Wochenenden oder Feiertagen und profitieren von nachlässig gesicherten Baustellen. Tore werden aufgebrochen und Bauzäune durchtrennt. In jüngster Zeit haben es Diebe nicht mehr nur auf kleinere Arbeitsgeräte abgesehen, wie Rüttelmaschinen, Minibagger oder Betonmischer. Sie bringen Tieflader und Sattelauflieger mit, um ganze Radlader, Straßenwalzen und Autokräne abzutransportieren.

Baumaschinen sind teurer als PKW und meist schlechter geschützt. Oft sind sie nur mit einer elektronischen Alarmanlage oder einer Wegfahrsperre ausgestattet. Eine Alarmanlage bewirkt nichts, wenn nur die Fahrzeugbatterie abklemmt werden muss, eine Wegfahrsperre ist nutzlos, wenn das Diebesgut auf einen Tieflader verfrachtet wird.

Stopp dem Baumaschinenklau

Die Sicherheitsindustrie reagiert auf die neue Forderung mit unterschiedlichen Schutzmaßnahmen und technischen Ausrüstungen. Ein einfacher aber wirksamer Schutz sind „Mighty Dots“. Auf winzigen runden Plastikscheibchen von etwa einem Millimeter Durchmesser, sind per Laser Fahrzeugdaten eingebrannt, etwa die Fahrgestellnummer. Die winzigen Pünktchen schwimmen in einer Spezial-Klebstofflösung und werden mittels Sprühpistole zu zehntausenden auf nicht sichtbare Stellen am Fahrzeug versprüht. Die Sprühstellen werden unter UV-Licht sichtbar, und die Plättchen können mit einem Handmikroskop gelesen werden. Der Anbieter setzt darauf, dass es unmöglich ist, alle Sprüh- beziehungsweise Klebestellen an einem Fahrzeug oder einer Maschine restlos zu entfernen.

Diebstahlschutz durch Hochtechnologie

Satellitengestützte Standortbestimmung per GPS mit Kommunikation über Mobilfunknetze oder Flotten- und Logistik-Managementsysteme, ermöglichen eine Echtzeitortung in ganz Europa. Über spezielle Visualisierungssoftware (digitale Landkarte), aber auch über die Ankopplung beispielsweise an Google Earth, kann der über GPS der jeweilige Standort ausfindig gemacht werden.

Geofence (virtueller Zaun) ist ein Kunstwort aus Geografie und dem englischen Wort fence für Zaun. Entwickelt wurde das System zur Standortbestimmung von Fahrzeugen, eignet sich aber aufgrund seiner Funktion auch als Diebstahlsicherung. Im Fahrzeug befindet sich ein GPS-Überwachungsmodul (Telematikbox). Der Standort wird auf einer digitalen Landkarte abgebildet. Ein Kreis um diesen Standort definiert den „virtueller Zaun“ zum Beispiel mit einem Radius von zehn Kilometern. Verlässt ein Fahrzeug den erlaubten Bereich, erzeugt die Box Alarmmeldungen, die per SMS oder e-Mail abgesetzt werden. Die Box kann jederzeit über Funk angesprochen werden und ihren aktuellen Standort an eine Überwachungszentrale senden.

Michael Orth