Interview aus PROTECTOR 7-8/09, S. 22

Familienunternehmen in der Dienstleisterbranche Langfristige Partnerschaften

Die Kötter Unternehmensgruppe feiert in diesem Jahr ihr 75-jähriges Bestehen. PROTECTOR sprach mit Friedrich P. Kötter, Geschäftsführer von Kötter Security, über Veränderungen in der Sicherheitsbranche in den letzten Jahrzehnten, das Wesen von Familienunternehmen und Kötter Services in Zukunft.

Bild: Kötter
Friedrich P. Kötter: „Wir lassen uns nicht von den Verlockungen eines möglichst schnellen Wachstums blenden, sondern setzen auf langfristige Partnerschaften mit unseren Kunden.“ (Bild: Kötter)

PROTECTOR: Nach 75 Jahren in der Sicherheitsbranche: Was waren Ihrer Meinung nach die wichtigsten externen Ereignisse, die Ihre Geschäftstätigkeit maßgeblich beeinflusst haben?

Friedrich P. Kötter: Zentrale Faktoren waren sicherlich der Wirtschaftsboom in den 50er und 60er Jahren, der die erste Basis für das Wachstum und die Struktur auch unseres Unternehmens bildete, und die 1990 erfolgte Wiedervereinigung Deutschlands, die im Anschluss ebenfalls einen starken Wirtschaftsaufschwung mit sich brachte. Aus Sicht unserer Unternehmensgruppe waren zudem die gesetzlichen Regelungen der Zeitarbeitsbranche von großer Bedeutung.

PROTECTOR: Wie haben diese Ereignisse das Unternehmen verändert?

Kötter: Ein gesundes Wirtschaftswachstum ist, damals genauso wie heute, Grundlage für den eigenen Erfolg. So sorgte der Aufschwung der 50er und 60er Jahre dafür, dass auch der Bedarf an Sicherheitsdienstleistungen stieg. Deutlich wird diese Entwicklung an den Mitarbeiterzahlen des damaligen Westdeutschen Wach- und Schutzdienstes Fritz Kötter: Hatte das Unternehmen 1957, als es in zweiter Generation von meinem Vater Fritz Kötter übernommen wurde, rund 120 Mitarbeiter, waren es Mitte der 60er Jahre bereits rund 800 Beschäftigte.

Stichwort Wiedervereinigung: Im Zuge der Wiedervereinigung haben wir allein im Jahr 1990 insgesamt 16 neue Niederlassungen in den so genannten Neuen Bundesländern eröffnet und sind auch heute dort umfassend präsent. Stichwort Zeitarbeit: Betrachtet man die Zeitarbeit, so haben gerade die in den letzten Jahren neu geschaffenen Regelungen für den Arbeitsmarkt wichtige Weichen für die Entwicklung unserer Sparte Personal Service gestellt, die unter anderem Zeitarbeit für gewerbliche und kaufmännische Berufe bietet.

PROTECTOR: Wie hat sich die Sicherheitsbranche organisatorisch und technologisch aus Ihrer Sicht verändert?

Kötter: Was die Qualitätsanbieter wie Kötter Security betrifft, hat die Sicherheitsbranche in den vergangenen Jahrzehnten eine erhebliche Professionalisierung erfahren. Ein gutes Beispiel ist das Thema Ausbildung. Hier wurden - neben den firmeninternen Ausbildungen zum Beispiel zur Fachkraft im Bewachungsgewerbe, zur geprüften Schutz- und Sicherheitskraft, zur NSL-Fachkraft oder auch zum Brandschutz- und Ersthelfer - mit der „Fachkraft für Schutz und Sicherheit (dreijährige Ausbildung) beziehungsweise „Servicekraft für Schutz und Sicherheit“ (zweijährige Ausbildung) wichtige neue Ausbildungsberufe geschaffen.

Parallel dazu sind auch die Anforderungen im Bereich der Sicherheitstechnik gestiegen. Viele – gerade international agierende – Unternehmen verlangen heute nach integrierten Sicherheitslösungen. Diese bieten zahlreiche Vorteile: Sie ermöglichen die Vernetzung unterschiedlichster Systeme aus der Sicherheits- und Gebäudetechnik auf einer technischen Plattform. Dabei wird gleichzeitig die Bedienung für den zuständigen Mitarbeiter deutlich erleichtert, da alle Meldungen auf einem Bildschirm auflaufen und zudem im System Handlungsanweisungen für bestimmte Situationen hinterlegt sind. Zudem lassen sich Standorte im Ausland genauso auf die Zentrale in Deutschland aufschalten wie nationale Niederlassungen.

PROTECTOR: Wie bewerten Sie das?

Kötter: Die Professionalisierung in Sachen Sicherheit durch unsere Branche, aber auch auf Kundenseite ist in jedem Fall positiv zu bewerten. Allerdings liegt in beiden Fällen noch viel Arbeit vor uns. Stichwort Sicherheitsbranche: Die Standards, denen sich die Qualitätsdienstleister verpflichtet sehen, werden bei weitem nicht von allen am Markt tätigen Sicherheitsunternehmen umgesetzt. Nicht zuletzt hieraus resultiert auch das nach wie vor bestehende Imageproblem der Branche.

Stichwort Auftraggeber: Es gibt noch immer zu viele Unternehmen, in denen das Thema Sicherheit nicht den erforderlichen Stellenwert hat. Sicherheit muss grundsätzlich Chefsache sein, die Verantwortung für die Sicherheit also immer auf der obersten Führungsebene liegen. Denn erst in diesem Kontext wird Sicherheit langfristig betrachtet und nicht nach kurzfristigen Kostenaspekten beurteilt.

PROTECTOR: Es gibt nur verhältnismäßig wenige Firmen, die überhaupt 75 Jahre alt werden. Welche Rolle messen Sie in diesem Zusammenhang dem Fakt bei, dass Kötter Services seit der Gründung ein Familienunternehmen ist?

Kötter: Dies spielt eine ganz erhebliche Rolle. Die Strategie von Familienunternehmen orientiert sich nicht an kurz- und mittelfristigen Trends, sondern ist vielmehr langfristig ausgerichtet. Aus diesem Grund lassen wir uns auch nicht von den Verlockungen eines möglichst schnellen Wachstums blenden, sondern setzen auf langfristige Partnerschaften mit unseren Kunden.

PROTECTOR: Erklärt sich daraus das vielfältige Engagement in Verbänden und Gremien?

Kötter: Die Verbandsarbeit hat für uns einen erheblichen Stellenwert. Nur im Verbund mit anderen Unternehmen können wir unsere Bemühungen um hohe und möglichst einheitliche Qualitätsstandards erfolgreich vorantreiben. Zudem müssen wir als Dienstleister unsere Interessen bündeln. Nur so können wir uns gerade im politischen Raum eine Stimme verschaffen. Aktuelles Beispiel ist der Mindestlohn für das Sicherheitsgewerbe.


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