Fachartikel aus PROTECTOR 1-2/2011, S. 16 bis 18
Brandschutz beim Volkswagen-Konzern
Überlebenswichtige Investition
Selten gewähren Autobauer Einsicht in ihre Sicherheitsvorkehrungen. PROTECTOR hat es im Zusammenspiel mit dem VdS geschafft, die Brandschutzverantwortlichen im VW-Konzern zu einem ausführlichen Interview zu bewegen. Wir sprachen mit Joachim Hardt, Teamleiter Facility Management – Gebäudemechanik bei VW, und Dieter Maske, Labor-Ingenieur für RWA bei VdS über die Bedeutung des Brandschutzes in Industrieanlagen allgemein und bei VW insbesondere.
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| (Bild: Volkswagen) |
PROTECTOR: Herr Hardt, Herr Maske, warum ist Brandschutz für die Industrie ein so wichtiges Thema?
Joachim Hardt: „Brände, die nicht sofort effektiv bekämpft werden, sei es durch Technik oder gut geschulte Mitarbeiter, entfachen sehr schnell eine enorme Zerstörungskraft. Werden Brände in Industrieanlagen nicht schnellstens eingedämmt, zerstören sie fast immer die Technik vor Ort und bewirken so einen Produktionsausfall. Meist können dann Lieferversprechen nicht mehr eingehalten werden. Das führt schnell zur Abwanderung von Kunden. Und vor allem: Brände gefährden Menschenleben.
Dieter Maske: Es brennt sehr viel öfter, als man denkt. Laut unseren Partnern vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gab es im Jahr 2009 50.000 Fälle von Feuerschäden im gewerblichen Bereich. Die Gesamtkosten lagen fast bei einer halben Milliarde Euro. Und gefährdet sind keinesfalls nur Anlagen der chemischen Industrie oder der Holzverarbeitung – ein ganz typischer Auslöser sind Defekte in der Elektrik, vom Computer bis zur Fertigungsmaschine. Investitionen in den Brandschutz sind also nicht nur eine wichtige, sondern für viele Betriebe ganz sicher eine überlebenswichtige Investition.
PROTECTOR: Herr Hardt, was sind Ihre Aufgaben in der Volkswagen Service Factory?
Hardt: In der Volkswagen Service Factory bin ich beim Facility Management für die Gebäudemechanik verantwortlich und hier unter anderem für den Bereich RWA für die Planung, Prüfung und Wartung sowie die Instandsetzung der Entrauchungstechnik. Kern all unserer Aufgaben und entscheidend ist für uns in der Service Factory auch immer, bei allen Mitarbeitern, vom Lagerarbeiter bis zum Geschäftsführer, ein Bewusstsein für existierende Gefahren und die Techniken zu ihrer Vermeidung zu schaffen.
Maske: Gerade bei dieser wichtigen Aufgabe unterstützen wir Sicherheitsverantwortliche gerne mit Informationen, Studien und Praxiserfahrungen zu allen aktuellen Gefährdungslagen. Durch unsere eigenen Laboratorien und durch die Mitgliedschaft von VdS in allen relevanten nationalen wie internationalen normensetzenden Gremien sind wir immer auf dem aktuellen Stand der Brandschutztechnik. Natürlich unterstützen wir mit diesem Wissen unsere Kunden.
PROTECTOR: Und Herr Maske, was sind Ihre zentralen Aufgaben bei VdS?
Maske: Bei Europas Nummer Eins für Zertifizierungen von Sicherheitstechnik bin ich zuständig für Prüfaufträge sowie Zertifizierungstätigkeiten nach europäischen Normen und VdS-Richtlinien im Bereich Rauchfreihaltung. Das sind im wesentlichen Aufgaben im Rahmen unseres Status als DIBT-notifizierte Prüf-, Überwachungs- und Zertifizierungsstelle nach dem Bauproduktengesetz. Weiter bin ich natürlich auch zuständig für den Informationsaustausch mit Kunden und Fachkreisen.
Zusätzlich gibt es als Dienstleister für Volkswagen noch unsere Kollegen von der Technischen Prüfstelle, Europas größter Sachverständigen-Organisation für Brandschutz. Diese überprüfen in Deutschland alle Brandschutzanlagen des Volkswagen-Konzerns und unterstützen auch Projekte im Rahmen der Planungsphase. Mit Volkswagen gibt es zusätzlich zum Beispiel einen turnusmäßigen Workshop mit den Sicherheitsexperten des Unternehmens, unseren Leuten und Vertretern von Versicherungen. Das stellt einen kontinuierlichen Erfahrungsaustausch über alle neuen Problemlösungen sicher.
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