Fachartikel aus PROTECTOR 03/2011, S. 43

Sicherheitssysteme für Schmuckhandel Gold und Silber lieb ich sehr

Nicht immer sind sie so spektakulär wie im Fall der Christ-Filiale im Berliner Kadewe, doch Einbrüche in und Überfälle auf Juweliergeschäfte gehören für die Polizei zur täglichen Routine. Und es werden immer mehr. Grund genug für Juweliere und Uhrenhändler, gemeinsam mit ihren Versicherern ihre Sicherheitssysteme einer gründlichen Prüfung zu unterziehen.

Bild: Bosch Sicherheitssysteme
Im Jahr 2010 verzeichnete der internationale Juwelier-Warndienst allein in Deutschland rund 600 Straftaten im Bereich des Schmuck- und Uhrenhandels. (Bild: Bosch Sicherheitssysteme)

Die Saison begann im Jahr 2010 am 4. Januar mit einem so genannten Rififi-Einbruch in Frankfurt und endete erst kurz nach Mittag an Silvester mit einem Raub in Bremerhaven: Zwischen diesen beiden Ereignissen verzeichnete der internationale Juwelier-Warndienst allein in Deutschland weitere 595 Straftaten im Bereich des Schmuck- und Uhrenhandels. Neben einfachen Diebstählen, auch als „Greifen und Rennen“ bezeichnet, führen Einbrüche, Schaufenstereinbrüche und Raub die Hitliste an.

Zwölf Mal wurden dabei PKW benutzt, um Türen oder Fenster einzudrücken; einen Juwelier in Oberhausen hatten die Täter mit dieser Masche schon zum zweiten Mal im Visier. Auch Trickdiebstähle sind häufig; eher selten kam es dagegen zu Überfällen auf Boten. Bei Betrügereien blieb es dank der Fachkenntnisse und der Aufmerksamkeit der Mitarbeiter fast immer beim Versuch, aber ansonsten konnten sich die Verbrecher an einer hohen Quote erfreuen: Etwa fünf von sechs Einbrüchen, Überfällen und Diebstählen wurden erfolgreich durchgeführt.

Anstieg der Deliktzahlen

Für jeden Juwelier erschreckend muss dabei vor allem die Tendenz sein: 2010 wurden um über 50 Prozent mehr Raub-, Einbruch- und Diebstahlsdelikte registriert als noch drei Jahre zuvor. Im Jahr 2007 hatte der Warndienst 369 einschlägige Straftaten verzeichnet, im Jahr darauf bereits 496, und anno 2009 waren es 504 gewesen. Und es spricht wenig dafür, dass der Anstieg dieser Zahlen in absehbarer Zeit enden könnte.

Dabei sind längst nicht mehr nur die gehobenen Juweliere in den Zentren der Großstädte das Ziel von Ganoven. Weit mehr als die Hälfte aller Raub- und Einbruchsdelikte findet mittlerweile in kleineren und Mittelstädten statt, und auch Nebenlagen in den Großstädten sind offensichtlich attraktiv geworden. Daher empfiehlt es sich heute unabhängig von Lage und Preisniveau für jeden Schmuck- und Uhrenhändler, sein Sicherheitskonzept auf den Prüfstand zu stellen und gegebenenfalls anzupassen.

Massiv und diskret

Wirklich entschlossene Täter von einer Straftat abzuhalten, ist nicht einfach, selbst wenn es sich nicht um Profis handelt. Aber gerade Gelegenheitstäter suchen sich nach Möglichkeit ein leichtes Ziel, auch wenn die Beute nicht so vielversprechend ist. Eine massive mechanische Außenhautsicherung in Verbindung mit einer Einbruchmeldeanlage kann hier schon genügen, um Einbruchversuche von vornherein zu verhindern.

Eine deutlich erkennbare Videoüberwachung signalisiert dem potentiellen Einbrecher wie auch dem Dieb oder dem Räuber zudem eine hohe Gefahr, nach der Tat identifiziert und gefasst zu werden. Insbesondere in Geschäften der gehobenen Kategorie ist dies allerdings nicht immer erwünscht, da die Kundschaft hier in der Regel der Diskretion einen hohen Stellenwert zumisst. In solchen Umgebungen kann trotzdem nicht auf die Videoüberwachung verzichtet werden; sie sollte aber so unaufdringlich wie möglich erfolgen.

Direkte Schaltung zur Polizei

In größeren Geschäften mit mehreren Zonen sollte das Einbruchmeldesystem so ausgelegt werden, dass es nicht nur die Außenhaut, sondern auch einzelne Bereiche innerhalb des Geschäftes sichert, etwa unterschiedliche Verkaufsbereiche oder den Tresorraum. Solche Bereiche können darüber hinaus durch ein Zutrittskontrollsystem mit Schleusenfunktion gesichert werden, so dass der Zutritt nur mit einer Smartcard und einer PIN erfolgen kann.

Ein solches System eignet sich auch für einen eventuell vorhandenen Mitarbeiter- und Lieferanteneingang. Lässt sich ein Einbrecher von Außenhautsicherung und Videoüberwachung nicht abschrecken, ist es wichtig, dass das Einbruchmeldesystem über eine direkte Schaltung zur Polizei verfügt, so dass diese schnell reagieren kann. Zudem ist dieses System idealerweise eng mit der Videoüberwachung gekoppelt, so dass schwenkbare Kameras den Eindringling jederzeit im Visier haben.

Mit modernen digitalen Kamerasystemen ist es heute kein Problem mehr, auch diese Bilder in Echtzeit direkt zur Polizei zu übertragen. Damit können nach versuchten wie nach erfolgreichen Einbrüchen, Diebstählen und Überfällen die aufgezeichneten Videobilder sehr schnell und akkurat analysiert werden, was sowohl die Aufklärung als auch die Strafverfolgung vereinfacht.

Norbert Salamon, Manager bei der Bosch Sicherheitssysteme GmbH

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