Fachartikel aus PROTECTOR 4/2011, S. 20 bis 21
Sicherheit im Grimm-Zentrum Berlin
Einfach märchenhaft
Mit 2,5 Millionen Bänden ist die 2009 in Betrieb gegangene Zentralbibliothek, das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt Universität zu Berlin, die größte Präsenzbibliothek im deutschsprachigen Raum. Ob Diebstahl, Brandschutz, Vandalismus, Datenschutz: In Bibliotheken ist die ganze Palette von Gefährdungen gebündelt. Schließlich müssen hohe Werte geschützt werden und viele Menschen sicher ihren Studien nachgehen können.
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| Lesesaal im Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum der Humboldt Universität zu Berlin. (Bild: Heike Zappe und Matthias Heyde) |
Nach vier Jahren Bauzeit wurde das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum im Oktober 2009 seiner Bestimmung übergeben. Schon der rechteckige Grundriss, nördlich der S-Bahn in unmittelbarer Nachbarschaft von Staatsbibliothek, Humboldt-Universität und Museumsinsel, stellt einen Bezug zur Buchform her. Der Bau selbst nimmt die rechteckige Form in den schmalen hohen, unterschiedlich breiten Fenstern, die im Raster der Buchregale liegen, wieder auf. Dem Schweizer Architekten Max Dudler ist es gelungen, Ästhetik und hohen Nutzwert ideal zu verbinden. Überdies hat er es geschafft, dass die Gesamtkosten den Kostenvoranschlag von 75,5 Millionen Euro nicht überstiegen.
Mehrere Meter dicke Betonwanne
Das gesamte Bauwerk wurde in eine mehrere Meter dicke Betonwanne gesetzt und gilt daher, obwohl es in der Nähe der Spree im problematischen Berliner Untergrund steht, als sicher. In unmittelbarer Nähe werden auch keine neuen U-Bahnen gebaut. Lüftungsanlagen mit einem stündlichen Volumenstrom von 180.000 Kubikmetern und eine Betonkernaktivierung durch Luftleitungen in den Geschossdecken sorgen für angenehmes Raumklima, ein Kraft/Wärme- Blockheizkraftwerk für Wärme.
Drei Haupteingänge erschließen ein großes, sich über die volle Länge des Gebäudes erstreckendes Foyer, von dem aus die eigentliche Bibliothek, Garderoben und Cafeteria zugänglich sind. In neun Geschossen mit über 20.000 Quadratmetern Hauptnutzfläche befinden sich derzeit 2,5 Millionen Bände, davon 1,5 Millionen in systematischer Freihandaufstellung. Außerdem gibt es Videokonferenzräume, ein Multimedia-Lehr- und Lernzentrum, eine Diathek und Mediathek, eine Zeitschriftenlese-Lounge sowie einen Eltern-Kind-Arbeitsbereich und ein Auditorium mit etwa 180 Plätzen.
Der große Saal
Der auf vier Terrassen angelegte Lesesaal von 70 Metern Länge, einer Breite von zwölf Metern und der beachtlichen Höhe von 20 Metern ist das Herzstück der Bibliothek. Er nimmt die rechteckige Formensprache des Äußeren wieder auf und vermittelt mit seiner Kombination aus Glas und warmen Holztönen eine angenehme Arbeitsatmosphäre.
Vier Ebenen, die jeweils durch vier Türen entfluchtet werden können, bieten hier rund 260 Studierenden Arbeitsplätze, insgesamt stehen im gesamten Gebäude 1.250 Plätze zur Verfügung. Fünfhundert davon sind mit Computern ausgestattet. Drei der vier Leseterrassen des großen Saales sind für die Studierenden der Humboldt–Universität reserviert. Das Wachpersonal prüft von Zeit zu Zeit die Einhaltung dieser Maßgabe.
Die wichtigen Bereiche des Hauses sind mit Netzwerkkameras ausgestattet. Im Leitstand der Aufsichtskräfte wird das Geschehen in der Bibliothek ständig beobachtet. Die Aufzeichnungen werden nach 48 bis 72 Stunden gelöscht.
Ausleihen ein Kinderspiel
Jedermann hat Zutritt zum Buchbestand. Das Ausleihen von Büchern und anderen Medien ist kostenlos und einfach: Man lässt sich einen Bibliotheksausweis ausstellen, wozu die Vorlage eines gültigen Personalausweises genügt. Und schon kann man sich die Bücher, die man haben will, ausleihen. Hat man sie sich nicht vorher über das Internet herausgesucht und den entsprechenden Stellplatz gefunden, helfen einem freundliche Bibliotheksangestellte.
Will man Bücher mit nach Hause nehmen, bucht man sie in den Selbstbuchungsterminals mit Hilfe des Ausweises ein und erhält eine Quittung, auf der das späteste Rückgabedatum ausgedruckt ist. Über Sicherheitstore am Ausgang wird überprüft, ob die mitgenommenen Medien korrekt verbucht sind. Die Rückgabe erfolgt über Rückgabeterminals, die mit Bücherförderanlagen bestückt sind.