Fachartikel vom 04/13/2011

Versiert Sicherheit für Großveranstaltungen und ÖPNV

Wenn es um Großveranstaltungen geht, erinnern sich viele an die traurigen Ereignisse bei der Duisburger Loveparade oder aktuell an die verletzten Teenager bei der Casting-Autogrammstunde in Oberhausen. Großveranstaltungen finden immer häufiger statt und stellen die Verantwortlichen oft vor immense Herausforderungen.

Bild: BMBF
Das Projekt Versiert soll die Sicherheit im öffentlichen Peronennahverkehr für Besucher von Großveranstaltungen erhöhen. (Bild: BMBF)

Eine besondere Bedeutung kommt bei diesen Ereignissen dem Öffentlichen Personennahverkehr, ÖPNV, zu, denn bei den Events sind in der Regel immer große Personenströme schnell in sichere Bahnen zu lenken. Um die Sicherheit für Besucher von Großveranstaltungen im ÖPNV zu erhöhen, ist vor drei Jahren das mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungsprojekt "Versiert" ins Leben gerufen worden. Die Abkürzung steht für „Vernetzung von Nahverkehrsgesellschaften, Einsatzkräften, Veranstaltern und Fahrgästen für Sicherheit im Öffentlichen Personennahverkehr“. Ziel des Projekts ist durch eine optimale Vernetzung aller Beteiligten und dadurch mögliche schnelle und richtige Entscheidungen die Sicherheit von Fahrgästen deutlich zu erhöhen.

Als Pilotort wurde Köln ausgewählt. Neben dem Ministerium, der Stadt, den angeschlossenen Nahverkehrsbetrieben, den beiden Universitäten Stuttgart und Wuppertal waren auch die Vitacom AG sowie das Airport Research Center in das Projekt eingebunden.

Am 6. April 2011 wurden die Ergebnisse der dreijährigen Forschungsarbeit der Öffentlichkeit präsentiert. Mittels intensiver Videoüberwachung sind im Kölner Hauptbahnhof und an weiteren ausgewählten Haltestellen über drei Jahre lang gezielt Besucherströme gemessen und analysiert und daraus Bewegungsmuster ermittelt worden. Auf Basis dieser gewonnenen Daten lassen sich nun Simulationsmodelle erstellen, die bei bestimmten Gegebenheiten mögliche Verläufe und Situationen realistisch vorausberechnen. Eine auf zuverlässige Daten basierende Lageeinschätzung wird somit möglich.

Bild: Fischer
Sie stellten die Ergebnisse des Projekts Versiert vor (von links): Peter Hofmann, Vorstand Kölner Verkehrs-Betriebe AG, Jürgen Roters, Oberbürgermeister der Stadt Köln, Dr. Norbert Reinkober, Geschäftsführer Nahverkehr Rheinland GmbH, Dr. Wolf Engelbach, Universität Stuttgart sowie Dr. Wolf Junker, Leiter Referat Sicherheitsforschung beim BMBF. (Bild: Fischer)

Mit dem jetzt zur Verfügung stehenden Informations- und Kooperationsportal haben die Verantwortlichen in den Leitzentralen ein Instrument zur zeitnahen Prognose-Erstellung an der Hand. Aus diesen Prognosen lassen sich wiederum kurzfristig Handlungen und Maßnahmen ableiten. Oft reichen schon fünf Minuten aus, um richtige Entscheidungen zu treffen und damit eine Situation nicht eskalieren zu lassen. Beispielsweise indem bestimmte Zugänge kurzfristig geöffnet werden, um den Personenfluss schneller abfließen zu lassen. Oder Zugänge bleiben geschlossen, um das weitere unkontrollierte Eindringen von Personen zu verhindern und damit die Gefahr einer Panik zu minimieren.

In Köln sind alle verantwortlichen Akteure gleichberechtigt in das Portal eingebunden, denn nur diese intensive Vernetzung ist ein Garant für den reibungslosen Ablauf. Die in das Informations- und Kooperationsportal eingeflossenen Kölner Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auch auf alle anderen größeren Städte übertragen.

Matthias Fischer

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