Fachartikel aus PROTECTOR 1-2/2014, S. 32 bis 33

I.G.T.-Forum HD-Videosysteme Expertenwissen in HD

In Frankfurt am Main fand das erste Forum „Hochauflösende Videosysteme“ statt. Auf Einladung der I.G.T.-Sicherheitsmedien PROTECTOR und Sicherheit.info informierten sich die Teilnehmer über Grundlagen von HD-Systemen sowie neueste Entwicklungen.

Bild: Gückel
Dirk Lüders stellte auf dem I.G.T-Forum Dallmeiers Multifokal-Sensorsysteme vor. (Bild: Gückel)

Auf dem Programm des zweitägigen Forums standen hochkarätige Vorträge aus den Bereichen Planung, Technologie und praktische Anwendung. Sie gaben unter anderem Einblicke, was sich hinter Schlagworten wie Megapixel, HD, Panoramakamera, Videoanalyse oder Multisensortechnik verbirgt und welche Anforderungen solche Systeme stellen. Ebenfalls im Fokus standen die Belange von Anwendern, Integratoren und Errichtern. Dabei gaben die Referenten auch Antworten auf die Frage, wie man mit der immer schneller werdenden technischen Entwicklung Schritt halten und sie gewinnbringend für sich nutzen kann.

Grundlagen und Anforderungen

Der erste Forumstag war zunächst der Gundlagenvermittlung gewidmet. Dirk Ostermann von DOI – Video Security Business schilderte aus Sicht eines Videofachplaners und Beraters die Kriterien, die bei der Auswahl von Videosystemen eine Rolle spielen. Hierbei machte er deutlich, wo heute die Unterschiede und Eigenheiten von standard- sowie hochauflösenden Systemen liegen. Daran schloss inhaltlich beinahe nahtlos der Vortrag von Markus Groben, Geschäftsführer der Groben Ingenieure GmbH, an. Er referierte über die Bedeutung der Infrastruktur in HD-Videoanlagen. Dabei ging er neben den grundsätzlichen Anforderungen auch auf mögliche Problemstellen ein und skizzierte, wie sie sich unter Abwägung aller Kriterien mit der technischen Leistungsfähigkeit in Einklang bringen lassen.

Einen weiteren in der Praxis extrem wichtigen Aspekt griff Stephan Beckmann von American Dynamics/Tyco auf: die Migration von PAL zu HD. Da nur in den seltensten Fällen Systeme sofort und vollständig umgestellt beziehungsweise ausgetauscht werden, ging er auf sinnvolle und praktikable Migrationswege ein. Dabei erläuterte er auch, wie sich clevere Konzepte zur Umrüstung auch in Form von Kostenvorteilen niederschlagen können. Die potenzielle Ausweitung von Schutzzielen im Rahmen der Migration war ebenfalls Thema.

Risiken und Methoden

Im weiteren Verlauf der ersten Tages lösten sich die Vorträge von den Grundlagen und stiegen tiefer und spezieller in die Thematiken ein. So etwa Torsten Anstädt von Mobotix, der sich inhaltlich mit den Vorzügen von dezentralen Videosystemen auseinandersetzte. Der Ansatz, möglichst viel Funktionalität und Intelligenz in die verteilten Kameras auszulagern, stand hierbei im Zentrum des Vortrags. Anstädt betonte vor allem die Vorteile hinsichtlich Kosteneffizienz und Zuverlässigkeit.

Einen beachtenswerten Gegenpol zu den eher techniklastigen Vorträgen zuvor bildete dann das Referat von Dr. Rudolf Kreutzer, Leiter des Zentrums für systemisches Denken. Er regte unter der Überschrift „Wie ändern sich Risiken und wie reagieren wir darauf?“ zum Nachdenken an. Dabei ging es weniger um den konkreten Einsatz von Videosystemen, sondern mehr um die grundsätzlichen Bedrohungen, denen ein Unternehmen ausgesetzt ist. Ein Fazit des weitsichtigen Vortrags war, dass nicht unbedingt die augenscheinlichsten Risiken die gefährlichsten sein müssen.

Chips, Sensoren, Apps

Der Nachmittag war geprägt von neuen Entwicklungen und Trends der hochauflösenden Videotechnik. So sprach Dirk Lüders, Sales Manager bei Dallmeier Electronic, über eine „Neue Dimension der Videosicherheitstechnik“ und meinte damit Multifokal-Sensorsysteme, die eine Vielzahl an Sensoren und Objektiven zu einer Kameraeinheit kombinieren. Die Vorteile zeigen sich in Form von reduzierter Kameraanzahl und größtmöglichem Überblick, da die Überwachungsbilder extreme Reserven bezüglich Ausschnittswahl und Auflösung besitzen. So seien die Modelle vor allem für weitläufige Außenbereich wie Flughäfen, Parkplätze oder Stadien prädestiniert.

Uwe Kühlewind von Bosch Sicherheitssysteme griff anschließend in seinem Vortrag einen Knackpunkt von HD- und Megapixel-Systemen auf: die Lichtempfindlichkeit. Mit steigender Pixeldichte und Miniaturisierung von Sensoren war dieser bei der Überwachung oft entscheidende Punkt zunächst zur Schwachstelle geworden. Kühlewind zeigte anschaulich, wie sich dieses einstige Manko durch fortwährende Weiterentwicklung heute sogar zu einer Stärke von HD-Kameras gemausert hat und welche Vorteile sich nun daraus ergeben.

Den inhaltlichen Abschluss bildete das Referat von Albert Unterberger von IPS Securiton. Sein Thema war „Videoanalyse als App“. Dabei ging er detailliert auf Vorteile, Einsatzgebiete und Funktionsweise solcher Konzepte ein. Er stellte auch heraus, wo die Unterschiede und Grenzen eines solchen auf IP-Kameras laufenden Systems im Gegensatz zu zentraler Server-basierter Videoanalyse liegen. Abseits der Vorträge bot das Rahmenprogramm und die Abendveranstaltung am ersten Tag im ansprechenden Ambiente des Metropolitan-Hotels viel Raum für fachliche Gespräche und für Networking unter Teilnehmern und Referenten.

Planung und Praxis

Der zweite Tag legte den Schwerpunkt stärker auf Planung und Praxis. Zu Beginn widmete sich Klaus Behling, Sicherheitsberater der Von zur Mühlen'schen GmbH, dem Potenzial von hochauflösenden Videosystemen aus Beratersicht. Dabei ging es ihm vor allem darum, mögliche Fehler und Mythen, aber auch Möglichkeiten aufzuzeigen. Sein durchaus polarisierender Vortrag stellte HD-Technik als Allheilmittel für alle Anwendungen deutlich in Frage und sorgte so für Diskussionspotenzial.

Mehr auf Sicherheit.info

Anschließend stieg Prof. Dr.-Ing. Uwe Handmann von der Hochschule Ruhr West in die Thematik der intelligenten Videosysteme ein. Er skizzierte Konzepte zur kameraübergreifenden Objekterkennung und -identifizierung. Er machte deutlich, welchen Sicherheitsgewinn eine solche Technik gerade bei der Überwachung im öffentlichen Raum – insbesondere zur Abwehr von Terror und Anschlägen – bringen kann.

Den Abschluss des Forums bildete eine Exkursion zum Frankfurter Flughafen, wo vollends die Praxis im Mittelpunkt stand. Manfred Reinhard, verantwortlich für Flugbetriebs- und Terminalmanagement sowie Unternehmenssicherheit bei der Fraport AG, gab einführend einen Überblick über die Videoanwendungen am Frankfurter Flughafen und die besonderen Herausforderungen, vor denen ein großer Airport in Sachen Sicherheit steht. Highlight war dann die exklusive Führung durch die integrierte Leitstelle des Flughafens, wo man live und hautnah erleben konnte, welche enorme Rolle ein Videogroßsystem hinsichtlich Sicherheit und Effizienz spielt.

Diese ausgewogene Kombination aus Fachvorträgen und konkreten praktischen Beispielen machten das Expertenforum „Hochauflösende Videosysteme“ zur idealen Möglichkeit für Sicherheitsverantwortliche, Facherrichter, Integratoren sowie Planer, um sich intensiv zu informieren und miteinander auszutauschen.

Michael Gückel

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