Fachartikel aus PROTECTOR 9/2014, S. 20 bis 22

Organisation eines Businesscenters Mensch & Technik

Große Bürogebäude erfahren in ihrem Lebenszyklus oft eine Umwidmung in ihrer Nutzung. So beispielsweise auch der Ruhrturm in Essen, der heute als modernes Businesscenter genutzt wird. Mit entsprechenden Anforderungen seiner Nutzer an die Sicherheit.

Bild: Fakt Ruhrturm GmbH
Der imposante Essener Ruhrturm hat eine Höhe von über 53 Meter. (Bild: Fakt Ruhrturm GmbH)

Der Begriff Struktur-wandel ist eng mit dem Ruhrgebiet verbunden. Wo früher Schlote rauchten und Stahl produziert wurde, entstehen heute moderne Dienst-leistungszentren sowie viele kleine und mittelständische Industrieunter-nehmen. Nach wie vor haben etliche Energie- und Montanunternehmen im Ruhrgebiet, also dort, wo sie groß wurden, ihre Konzernzentralen. Doch es sind auch namhafte Unternehmen verschwunden oder mit anderen fusioniert. So die frühere Ruhrgas AG, die Anfang der 1970er Jahre den Ruhrturm als repräsentative Verwaltungszentrale errichtete. Heute wird der Ruhrturm als modernes Businesscenter genutzt.

Neue Nutzung

Nach dem Zusammenschluss mit E.ON zog die Ruhrgas 2010 aus ihrer damaligen Zentrale aus und das Gebäude stand leer. Für eine Metropole wie Essen keine schöne Situation, denn ein leer stehendes Hochhaus mit insgesamt 40.000 Quadratmetern Nutzfläche ist nicht unbedingt förderlich für einen modernen Wirtschaftsstandort.

2012 schließlich erwarb die Fakt AG die Immobilie. Die Fakt AG ist ein Unternehmen von Hubert Schulte-Kemper, dem Gründer und früheren Chef der Essener Hypothekenbank. Schulte-Kemper hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Ruhrturm einer neuen Nutzung zuzuführen. Heute ist aus der ehemaligen Konzernzentrale ein Businesscenter mit vielen attraktiven Büros, 13 voll ausgestatteten Konferenzräumen mit Platz für bis zu 600 Personen sowie einem angeschlossenen Hotel mit 129 Zimmern entstanden. Etliche Firmen mit zusammen knapp 1.700 Beschäftigten werden als Mieter und Nutzer im Ruhrturm angesiedelt. „Wir gehen davon aus, bis Ende de s Jahres sämtliche noch freien Büros über die dafür zuständige Servicegesellschaft vermietet zu haben“, sagt Jürgen Graw, geschäftsführender Gesellschafter der Hausmaxx Bauen und Technik GmbH, einem Dienstleister, der unter anderem für das Facility-Management des Ruhrturms zuständig ist.

Gute Basis für die Sicherheit

Bei der kompletten Sicherheitstechnik inklusive des Brandschutzes konnte man auf eine perfekte Basis bauen. Von Beginn an hatte Ruhrgas Meldesysteme von Siemens installiert. Eine Herausforderung war, dass die unteren Etagen durch einen neu geschaffenen Gastronomiebereich und ein vielseitiges Veranstaltungsangebot heute komplett für die Öffentlichkeit zugänglich sind. Um hier eine gewisse Kontrolle zu haben, gibt es im Erdgeschoss einen rund um die Uhr besetzten Empfangsbereich. Wenn ein Büromieter Besucher erwartet, informiert er den Empfang. Dort melden sich die Besucher an und werden dann von den entsprechenden Firmen oder Mitarbeitern abgeholt. Auch die Hotelgäste können am Empfang rund um die Uhr einchecken. Somit lässt sich ausschließen, dass Besucher unberechtigt ins Gebäude gelangen.

Darüber hinaus gibt es im Erdgeschoss eine Notrufzentrale, die ebenfalls 24 Stunden besetzt ist. Insgesamt vier Mitarbeiter stehen hier zur Verfügung, die sich um alle technischen Arbeiten kümmern und auch im Notfall – beispielsweise bei einem Einbruch oder bei Feuer – die Organisation übernehmen.

Dreh- und Angelpunkt der Zugangskontrolle sind die Aufzüge, die sich nur von den Büromitarbeitern und den Hausmaxx-Angestellten mittels Karten steuern lassen. Hotelgäste erhalten ebenfalls Karten. Sie gelangen allerdings nur zu den Etagen mit den Zimmern. Externe Besucher erhalten grundsätzlich keine Berechtigung, die Aufzüge zu bedienen. Als weitere Sicherung befinden sich auf den Etagen elektronisch gesicherte Zwischentüren, damit wirklich niemand unbemerkt in die dahinter liegenden Büros gelangt. „Dieses kombinierte System aus Mensch und Technik funktioniert ausgesprochen gut, denn es verhindert, dass Unbefugte in Bereiche eindringen können, die nicht für sie bestimmt sind“, so Helmut Neuhoff, Objektleiter bei der Hausmaxx GmbH.

Die Organisation der Tiefgarage sowie des Parkplatzes wurde an einen externen Dienstleister, die Mülheimer Vollmergruppe Dienstleistung, vergeben. Somit verfügen die Beschäftigten im Ruhrturm über eine zweite Karte, mit der sie zu ihrem Pkw-Stellplatz gelangen. „Für uns war dies die beste und auch kostengünstigste Variante“, sagt Jürgen Graw.

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Zuständigkeit liegt bei den Nutzern

Die gesamte Zutrittsorganisation auf den Etagen obliegt den jeweiligen Büromietern. Hausmaxx kümmert sich dann um die Hardware. Dabei sind die meisten der rund 800 Innentüren zu den Büros und Besprechungsräumen auf den Etagen mit mechanischen Schließzylindern ausgestattet. Viele davon sind als dezentrale Schließanlagen ausgelegt. „Natürlich sind wir davon abhängig, dass uns die Mieter informieren, wenn ein Mitarbeiter einen Schlüssel verloren hat. Oder jemand ist ausgeschieden und hat seinen Schlüssel vielleicht nicht abgegeben. Bei den Karten für den Aufzug oder für die Zwischentüren ist das kein Problem. Diese werden von uns einfach gesperrt. Wenn es um Türen zu sensiblen Bereichen geht, tauschen wir meist den Zylinder aus. Problematisch wird es nur, wenn es sich um einen Schließanlagenschlüssel handelt, mit dem sich mehrere Türen schließen lassen. In dem Fall bekommen dann direkt mehrere Mitarbeiter neue Schlüssel“, berichtet Neuhoff.

Bei der Schlüsselverwaltung vertraut man bei Hausmaxx auf die Kompetenz von Dellbrügger & Klingen, heute D + K, einem alteingesessenen Essener Fachhandel für Bau- und Sicherheitstechnik. Schon zu Ruhrgaszeiten hat der Schlüsseldienst die gesamte Schließtechnik der Zentrale organisiert.

Auf dieses Know-how greift man heute gerne zurück. Sämtliche Außentüren im Erdgeschoss sind als Fluchttüren ausgelegt und von außen erst gar nicht zu öffnen. Durch die elektronische Überwachung dieser Türen registriert die Notrufzentrale natürlich sofort, wenn eine solche Tür einmal versehentlich offen gelassen wurde oder wenn es Manipulationsversuche gibt. Zugang zum Gebäude gibt es nur über die Karusselltüren im Foyer sowie durch die Tiefgarage. Immer gelangen Besucher und Hotelgäste aber zuerst zum Empfang.

Sollte außerhalb der üblichen Arbeitszeiten jemand sein Büro aufsuchen oder Besucher empfangen wollen, ist er angehalten, dies in der Notrufzentrale anzumelden. „Hier bauen wir natürlich auch auf die Büromieter, die uns möglichst im Vorfeld darüber informieren, wenn Büros abends oder an den Wochenenden genutzt werden. Dann lässt sich auch ausschließen, dass es Konflikte mit dem von uns gestellten Wachpersonal gibt, das außerhalb der Beschäftigungszeiten im Gebäude regelmäßig seine Runden dreht“, beschreibt Jürgen Graw.

Mieter entscheiden

Für die Überwachung der Außenhaut vertraut man auf moderne Videotechnik. Auch in manchen Büros wurden von den Mietern in Eigenregie Videokameras oder Bewegungsmelder installiert. Gerade Unternehmen, die sensible Daten verarbeiten, sind oft entsprechend abgesichert. „In dem Fall ist es natürlich wichtig, dass wir und unsere vier Techniker über die entsprechenden Maßnahmen informiert sind“, sagt Helmut Neuhoff.

Ähnlich ist übrigens auch das Thema Reinigungskräfte geregelt. Hausmaxx bietet zwar einen entsprechenden Service an, doch die Mieter entscheiden selbst, ob sie diesen Service nutzen möchten. Manchesetzen auf Dienstleister, mit denen sie früher schon gut zusammen gearbeitet haben. Auch hier ist wieder entscheidend, dass es eine entsprechende Information gibt, wann Dienstleister mit wie vielen Personen in die jeweiligen Büros müssen. „In der Regel ist dies kein Problem, denn die Reinigungskräfte kommen immer zu festen Zeiten – und sie müssen sich in der Zentrale autorisieren“, so Jürgen Graw weiter.

Seit der Umnutzung kam es nur ein einziges Mal zu einem Zwischenfall. Jemand versuchte in die Küche desGastronomiebereiches einzudringen, um dort Spirituosen zu entwenden. Der Täter wurde jedoch schnell erwischt. Jürgen Graw und Helmut Neuhoff wissen aber, dass bei so vielen Menschen, die täglich den Ruhrturm aufsuchen, durchaus auch ungebetene Besucher dabei sein können. Doch allein die Tatsache, dass ein Foyer und eine Notrufzentrale rund um die Uhr besetzt sind, schreckt ihrer Überzeugung nach mögliche Eindringlinge wirkungsvoll ab.