Fachartikel aus PROTECTOR 11/2015, S. 22 bis 24

Sicherheit in Parkhäusern Ein gutes Gefühl

Schlechte Beleuchtung, unübersichtliche Beschilderung – dies sind zu nur zwei von mehreren Faktoren, die über das subjektive Sicherheitsempfinden in Parkhäusern entscheiden. Von diesem hängt allerdings entscheidend die Akzeptanz der Nutzer ab. Ziel der Betreiber sollte daher sein, eine optimale Infrastruktur zu schaffen, die Sicherheit vermittelt und im Ereignisfall rasche Hilfe garantiert.

Bild: Wikipedia/Kolossos
In automatischen Parkhäusern ist das Risiko eines Vollbrandes besonders hoch. (Bild: Wikipedia/Kolossos)

Parkhäuser und insbesondere Tiefgeragen sind für viele Menschen Angsträume, da etwa bei letzteren im Regelfall kein natürliches Tageslicht die Parkräume erhellt. Die subjektiv als bedrohlich empfundene Umgebung kann Stressreaktionen hervorrufen, die durch Geräusche wie von Schritten oder Türen noch verstärkt werden können.

Die Frage der Beleuchtung und Ausleuchtung spielt dabei eine wichtige Rolle, da dunkle, schlecht ausgeleuchtete Stellen zusätzlich bedrohlich wirken können. Frauen und Männer reagieren unterschiedlich auf diese Szenarien, was bei ersteren zu einem höheren Anspruch in puncto Sicherheit führt als bei Männern. Diese Faktoren müssen bei der Planung und Konzeptionierung von Parkhäusern und Tiefgeragen berücksichtigt werden, damit solche Anlagen auch entsprechend genutzt werden und damit wirtschaftlich tragfähig sind.

Orientierung

Bild: Lehmann
Notausgänge müssen klar beschildert und erleuchtet sein. (Bild: Lehmann)

Personen sollten sich in Parkhäusern schnell und problemlos räumlich zurechtfinden können. Tote Räume und Winkel, Sackgassen und Sichthindernisse sollten vermieden werden, optimal sind gerade Sichtachsen, da parkende Fahrzeuge in Reihen zusätzlich Sichthindernisse bilden können. Daher müssen Notausgänge und Auf- und Zugänge zu Treppenhäusern entsprechend deutlich erkennbar sein, der Weg dorthin klar markiert und beschildert.

Das Wichtigste ist in diesem Zusammenhang die ausreichende Beleuchtung der Parkräume im Sinne der Normen DIN EN13201 und DIN EN12665 sowie der jeweils geltenden Garagenverordnung. Gemäß dieser ist unter anderem an Stellen der Nutzfläche eine Beleuchtungsstärke von mindestens 20 Lux zu erreichen. Sie kann zudem in zwei Stufen schaltbar sein, wobei dann in der ersten Stufe an allen Stellen sogar nur eine Beleuchtungsstärke von einem Lux erreicht werden muss. Das hierdurch erzeugte Licht ist aber oftmals nicht so hell, wie es aus sicherheitstechnischer Sicht wünschenswert wäre.

Bild: Lehmann
Kameras überwachen stark frequentierte Bereiche. (Bild: Lehmann)

Abhilfe können hier etwa LED-Leuchten schaffen, die stromsparend sind und per Bewegungsmelder oder ähnliche Technik angesteuert werden. So wurde das Parkhaus „Jakobsmarkt“ in Nürnberg mit 180.000 LED-Chips von Osram Opto Semiconductors in knapp 300 IPL-Leuchten ausgestattet. Jede Leuchte verfügt über zwei Radarsensoren, die bewegte Objekte erkennen und die Leuchte aus einem gedimmten Zustand „aufwecken. Diese Technologie spart nicht nur Strom, sondern sorgt für hell ausgeleuchtete Flächen im Bedarfsfall.

Videoüberwachung

Sofern es die rechtlichen Vorgaben wie die Einhaltung datenschutzrechtlicher Bestimmungen erlauben, können Videoüberwachungsanlagen ein hohes Maß an gefühlter wie tatsächlicher Sicherheit beitragen. Die Aufzeichnung der möglichst qualitativ hochwertigen Aufnahmen für eine Zeitspanne von bis zu mehreren Tagen zur späteren Ermittlung der Täter ist zu empfehlen. Die Speicherdauer richtet sich nach den landesspezifischen datenschutzrechtlichen Bestimmungen. Die Messe Frankfurt nutzt etwa die Videoüberwachung in ausgewählten Bereichen. Sie verfügt außerhalb ihres Geländes über ein Parkhaus. Im Parkhaus Rebstock gibt es 5.400 Stellplätze. Die Videoüberwachung ist eine präventive Maßnahme, die auch zur Abschreckung dient. Sollte es zu Vorfällen kommen, lassen sich diese dank Überwachung schneller klären.

„Überwacht werden bestimmte Areale innerhalb des Parkhauses, die Ein- und Ausfahrten, Kassenautomaten, aber auch das direkt anschließende Busterminal sowie die Bushaltestelle“, erklärt Frank Richard, Leiter Operation and Security Center (OSC) der Messe Frankfurt GmbH. Die Bilder laufen in der Leitstelle des OSC zusammen, sodass von hier Sicherheitspersonal oder Rettungskräfte zum Ort des Geschehens entsandt werden können. Hersteller wie Securiton bieten darüber hinaus eine intelligente Videoüberwachung mit Ereigniserkennung an. Dank Analyse- und Management-Software, die unerwünschte Ereignisse automatisiert detektiert, müssen Monitorplätze nicht mehr besetzt sein, und der Zugriff auf Videobilder ist auch vom Smartphone oder Tablet aus möglich.

Auszug aus der hessischen Garagenverordnung – GaVO (21.11.2012)
§ 12 Rauchabschnitte, Brandabschnitte
(1) Geschlossene Garagen, ausgenommen automatische Garagen, müssen durch mindestens feuerhemmende Wände (F 30-A) in Rauchabschnitte unterteilt sein. Die Nutzfläche eines Rauchabschnittes darf
1. in oberirdischen geschlossenen Garagen höchstens 5.000 m2,
2. in sonstigen geschlossenen Garagen höchstens 2.500 m2 betragen; sie darf höchstens doppelt so groß sein, wenn die Garagen Sprinkleranlagen haben. Für Großgaragen, deren unterste Ebene nicht unter dem zweiten Untergeschoss liegt, können anstelle von Sprinkleranlagen Rauch- und Wärmeabzugsanlagen nach § 17 Abs. 3 eingebaut werden. Rauch- und Wärmeabzugsanlagen sind so anzuordnen, dass eine gesundheitliche Gefährdung von Personen in Aufenthaltsräumen ausgeschlossen wird. Ein Rauchabschnitt darf sich auch über mehrere Geschosse erstrecken.
§ 15 Beleuchtung
(1) In Mittel- und Großgaragen musseine allgemeine elektrische Beleuchtung vorhanden sein. Sie muss so beschaffen und mindestens in zwei Stufen derartig schaltbar sein, dass an allen Stellen der Nutzflächen und Rettungswege in der ersten Stufe eine Beleuchtungsstärke von mindestens einem Lux und in der zweiten Stufe von mindestens 20 Lux erreicht wird.

Brandschutz

Parkhäuser und Tiefgeragen stellen aufgrund ihrer Konstruktion besondere Anforderungen an den Brandschutz. Es gibt natürliche vertikale und horizontale Schächte, in denen sich ein Brand ausbreiten kann, und die PKW sowie die verbauten Materialien stellen die Hauptbrandlast dar. Dicht nebeneinander abgestellte Fahrzeuge lassen ein Feuer sich rasch ausbreiten, und der entstehende dichte, schwarze und giftige Rauch stellt die größte Bedrohung für Personen dar. Daher gilt es im Brandfall, diese schnell aus dem Gefahrenbereich zu evakuieren. Im Falle der Parkhäuser der Messe Frankfurt setzt man auf Früherkennung und rasche Lokalisierung des Brandherds. Im Falle eines Brandes erfolgt die Detektion entweder über automatische Brandmelder oder über Handfeuermelder (Druckknopfmelder). In allen Etagen sind ferner Wandhydranten installiert, und in Teilbereichen, wie Kassen, Restaurant und Leitwarte, sind die Räumlichkeiten mit einer automatischen Brandmeldeanlage ausgestattet.

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Die Brandmeldeanlage auf dem Messegelände und auch die des Parkhauses sind direkt auf die Leitstelle der Branddirektion der Stadt Frankfurt/Main aufgeschaltet, zeitgleich erhält das OSC der Messe Frankfurt die Alarmmeldung. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr erfolgt eine erste Lagesichtung durch das Sicherheitspersonal. Über eine elektroakustische Anlage (ELA-System) wird von der Leitwarte des Parkhauses aus informiert. Während der Öffnungszeiten ist die Leitwarte des Parkhauses durchweg personell besetzt. „Die Messe Frankfurt arbeitet seit Jahren eng mit der Branddirektion Frankfurt zusammen. Durch unsere Brandschutzbeauftragte besteht ein intensiver Kontakt zwischen der Messe Frankfurt und der Feuerwehr. Die verschiedensten Themen, die uns in der Veranstaltungsbranche begegnen, werden bei Bedarf gemeinsam abgestimmt“, erläutert Richard. Zusätzlich klärt ein Notfallkoordinator der Messe Frankfurt vor Ort das weitere Vorgehen mit den Sicherheitsorganisationen.

Sprinkler als Option

In Parkhäusern kommen auch immer häufiger Sprinkleranlagen zum Einsatz. In Tiefgeragen sind sie, wenn der Fußboden der Geschosse mehr als vier Meter unter der Geländeoberfläche liegt und das Gebäude nicht allein der Garagennutzung dient, vorgeschrieben. Eine Sprinkleranlage erkennt automatisch einen Brand, lokalisiert ihn und bekämpft ihn gezielt bereits im Anfangsstadium. Dadurch werden Hitze-, Rauch- und Flammenentwicklung minimiert. Gerade bei den heutzutage verbauten Materialien in Fahrzeugen, die eine hohe Hitze beim Verbrennen produzieren, wirken Sprinkleranlagen kühlend, die Größe des Feuers wird reduziert und kontrolliert.

Bild: Lehmann
Dome-Kameras geben auch außerhalb der Parkflächen einen Überblick. (Bild: Lehmann)

Vor allem in automatischen Parkhäusern ist das Risiko eines Vollbrandes besonders hoch, denn hier stehen die geparkten Fahrzeuge noch dichter aneinander und werden sowohl vertikal als auch horizontal „gestapelt“. Das Feuer breitet sich also nicht nur horizontal, sondern auch vertikal und somit noch rascher aus. Falls ein Brand nicht schnell erkannt und kontrolliert wird, erhöhen sich auch die Temperaturen exponentiell und beschädigen sogar die Stahlkonstruktion des Gebäudes. Daher müssen unter anderem in Deutschland automatische Parkhäuser, die mehr als 20 Parkplätze haben, mit Sprinkleranlagen ausgestattet sein.

Der Bau von Tiefgaragen und Parkhäusern ist vielerorts angesichts der steigenden Anzahl an Kraftfahrzeugen pro Haushalt eine Notwendigkeit, um die Mobilität der Menschen zu gewährleisten. Häufig wird bei solchen Projekten dem kriminalpräventiven Aspekt, im Gegensatz zum brandschutztechnischen, zunächst keine größere Bedeutung zugemessen. Dabei entscheidet aber das subjektive Sicherheitsgefühl über die Akzeptanz und damit letztlich auch über den kommerziellen Erfolg bei öffentlichen Parkräumen. Insofern sollten Betreiber hier investieren, um präventiv Risiken – gleich welcher Art – für die Nutzer solcher Anlagen zu minimieren.