Fachartikel aus PROTECTOR 6/2016, S. 46 bis 47

Sicherheitskonzept im Casino St. Gallen Kein Chip fällt durchs Raster

Das Swiss Casinos St. Gallen betreibt 176 Glücksspielautomaten und 10 Spieltische auf etwa1200 Quadratmetern. Der Bruttospielertrag belief sich Ende 2014 auf über 32 Millionen Schweizer Franken. Wachsamkeit ist oberstes Gebot. PROTECTOR & WIK sprach mit Rolf Padrutt, Mitglied der Geschäftsführung und verantwortlich für die Sicherheit und Technik des Casinos.

Bild: Swiss Casinos Gruppe
Sicherheitsanlagen fallen in der Bar des Swiss Casinos St. Gallen kaum auf. (Bild: Swiss Casinos Gruppe)

PROTECTOR & WIK: Herr Padrutt, Tag für Tag geht es in Ihrem Casino um sehr viel Geld. So wünschen sich das Betreiber und Gäste natürlich. Aber können Sie uns erklären, weshalb laut Statistik mehr Banken als Casinos überfallen werden?

Rolf Padrutt: Sicherheit in einem Casino ist von komplexer Natur und stützt sich auf einem sehr hohen Niveau. In einem Casino befinden sich viele Gäste und Mitarbeitende. In einer Bank geht es überschaubarer zu. Und im Casino ist grundsätzlich Sicherheitspersonal anwesend.

Um welche Sicherheit geht es genau?

Es geht um die Security, Surveillance, Casino-Technik, IT und Facility und um den Empfang unserer Gäste. Basierend auf einem hochmodern pulsierenden Sicherheitskonzept koordinieren wir, gleichen ab und reagieren operativ oder geplant. Es ist sozusagen unser Cockpit, aus dem alle Kompetenzen im Falle eines Überfalls, eines Betruges oder einer technischen Störung abrufbar sind, wobei die Massnahmen primär den Besuchern, den Mitarbeitern und dem Unternehmen dienen. Das ist die Aufgabe.

Und wie sorgen Sie angesichts der umfassenden Sicherheitsvorkehrungen täglich für eine unbeschwerte Spielatmosphäre, die ja wichtig ist?

Mit sehr viel hochwertiger Technik und exklusiv ausgebildeten Mitarbeitenden. Nur so kann Service Excellence und Sicherheit unter einen Hut gebracht werden. In der Schweiz überwacht eine Aufsichtsbehörde, die Eidgenössische Spielbanken Kommission (ESBK), ob sich die Spielbanken an die gesetzlichen Auflagen halten. Unter anderem gewährleisten wir für die lückenlose und konsequente Videoaufzeichnung sowie die Speicherung der Daten während eines gesamten Monats. Das betrifft das gesamte Casino flächenmäßig sowie den Geldfluss. Die Geldspielgeräte haben mechanische wie auch elektronische Zähler und sind an einem elektronischen Abrechnungssystem zusätzlich angeschlossen. Jeder Zähler muss mit den anderen beiden übereinstimmen. Ist dies nicht der Fall, muss das der ESBK erklärt werden. Die Kontrolle ist monatlich der ESBK zu senden. Dazu kommt, dass jedes Geldspielgerät zertifiziert ist und vor Ort von der ESBK freigegeben wird.

Also Sicherheit durch Kontrolle?

Ja. Im Mittelpunkt steht das Einhalten von festen, fast stoischen Abläufen, die im Ernstfall ein Höchstmass an Flexibilität und kürzesten Reaktionszeiten garantieren. Geregelt wird das über unser Qualitätsmanagement. Die Surveillance kontrolliert die Einhaltung der Prozesse.

Wie garantieren Sie die Qualität der Live-Anzeigen?

Die Videoüberwachungstechnik ist ein zentrales Sicherheitselement. Jeder Zentimeter des Spielbereiches und aller Sicherheitszonen wie Spielsäle, Büros und Parkplätze ist überwacht. Wie bereits erwähnt, muss die Aufzeichnung für mindestens einen Monat in Echtzeit gewährleistet sein. Die Qualität der Bilder wird regelmässig durch die Behörde vor Ort kontrolliert. Die CCCT – Anlage liefert die Live-Anzeigen. So können verschiedene Szenen von einer Position aus gesehen werden. Unser CCTV - Equipment kommt von der Securiton AG, mit der wir eng zusammenarbeiten. Im Bereich der Kameras setzen wir beispielsweise auf die Hersteller Panasonic und JVC. Jede Kamera ist Teil eines homogenen Gesamtkonzeptes. Zudem setzen wir auf hochmoderne Datenübertragung und eine flexible Speicherlösung.

Sie überwachen minutiös. Die Kameras haben ein wachsames Auge auf das Eingangsfoyer, genauso wie auf die Spieltische. Müssen Gäste zu jedem Moment das Gefühl haben, dass alles zu 100 Prozent sicher ist?

Unsere Besucherzahlen können sich sehen lassen. Der logistisch optimale Standort im Dreiländer-Eck und das vielgelobte Interieur unseres Casinos ziehen Gäste jedes Jahr von überall her an. Für sie unternehmen sehr viel dafür, dass sie Sicherheit erfahren, ohne davon erdrückt zu werden. Unsere Mitarbeitenden werden dafür kontinuierlich ausgebildet. Kaum ein Arbeitgeber investiert in die Ausbildung so viel, wie es in Casinos üblich ist. Alle Mitarbeitenden, wir haben am Ort St. Gallen 80 Vollzeitstellen, davon 24 für die Sicherheit, die jährlich Ausbildungen, zum Teil mehrmals jährlich oder alle zwei bis drei Jahre absolvieren und auch bestehen müssen. Die wichtigsten sind Erste Hilfe, Rechtskunde, Incident-Trainings, Brandbekämpfung, Evakuation, Überfall, Körpersprache, Ausweiskenntnisse, Verhalten gegenüber Gästen. Und es kommen weitere Ausbildungen hinzu, die teilweise gesetzlich vorgeschrieben sind. Das erfordert Einsatz, physisch und psychologisch und wirft einen Blick auf die Persönlichkeiten, die sich bei uns in ihrem Job engagieren.

Wie hoch sind jährlich die Investitionen der Swiss Casinos St. Gallen für den Bereich Sicherheit?

Diese sind nicht jedes Jahr gleich. In diesem Jahr werden Brand- und Einbruchmeldeanlagen sowie Videotechnik erneuert und auf den neuesten Stand gebracht. Die Investitionen belaufen sich auf über 750 Tausend Schweizer Franken.

Folgendes Szenario: Schutz gegen Feuer, Wasser und Strom, heißt: Schleusen auf! Ein Überfall dagegen, Randalieren oder Betrug, verlangt nach dem Gegenteil: Schleusen zu. In der Kombination wird es komplex. Der Überfallende löst zuerst Feuer aus. Also Schleusen auf und zu? Gleichzeitig?

Bei einem Ereignis, bei dem Personen gefährdet sind, müssen diese jederzeit ein Gebäude, einen Raum über die dafür geplanten Flucht- und Rettungswege verlassen können. Der Schutz von Personen steht immer vor Sachwerten. Dies bedeutet aber nicht, dass Türen in jedem Fall offen sind beziehungsweise der Zugang zu geschützten Räumen nicht mehr sicher ist. Deshalb ist bei uns zwar das Verlassen im Gefahrfall jederzeit möglich, löst aber auch eine Alarmierung aus. Man kann zwar flüchten, aber die sicherheitsrelevanten Räume bleiben gesichert.

Marlies Dyk