Fachartikel aus PROTECTOR 3/2017, S. 32 bis 33

Industrie 4.0 Human Mitarbeiter bleiben entscheidend

Dass Digitalisierung keine Option, sondern ein Muss ist, gehört mittlerweile zu den Gemeinplätzen in den Medien. Denn Industrie 4.0 ist deutlich mehr als ein Marketingbegriff.

Bild: Shutterstock/ Jakub Krechowicz & Tatiana Shepeleva
Industrie 4.0 bedeutet nicht, dass Menschen durch Maschinen ersetzt werden. (Bild: Shutterstock/ Jakub Krechowicz & Tatiana Shepeleva)

Es ist vielmehr ein extrem großer Umbruch für die Maschinenbau- und Fertigungsbranche in Deutschland. Um in der heutigen, sich enorm schnell wandelnden Zeit weiterhin erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen lernen, welche Herausforderungen – aber auch welche großen Chancen – Industrie 4.0 mit sich bringt. Schließlich ist Industrie 4.0 längst im vollen Gange, auch im nicht-industriellen Bereich.

IT-Entwicklungen nutzen

Klar ist, Industrie 4.0 wird durch Software vorangetrieben und ermöglicht. Erst durch Anwendungen sind Unternehmen in der Lage, ihre Prozesse schlanker und damit agiler zu gestalten. Eine zentrale Herausforderung bei der Digitalisierung und Industrie 4.0 besteht darin, neue Entwicklungen und Technologien aus der IT wie Cloud Computing, Big Data, Apps, Virtual Reality, Smart Devices oder das Internet of Things gezielt zu nutzen, um darauf aufbauend smarte Produkte und innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Im Unterschied zur klassischen Digitalisierung von Unternehmensprozessen oder Produkten erfordert dies das Verstehen und Denken in der neuen, internetbasierten Welt. Der Bereich Human Resources steht ebenso vor neuen Herausforderungen: Kernaufgabe der modernen Personalabteilung wird es sein, die Beschäftigten in die Arbeitswelt von morgen zu überführen – und hier geht es in erster Linie um den Bereich der Aus- und Weiterbildung. Bei vielen Beschäftigten wird in absehbarer Zeit ein weitaus größeres Verständnis für Technik und IT vonnöten sein als bisher. Passgenaue Bildungskonzepte sind deshalb erforderlich. Auch die Menschen müssen sich analog zur Technik weiterentwickeln.

Mensch und Maschine

Bild: Catrin Moritz
GFOS-Geschäftsführer Burkhard Röhrig. (Bild: Catrin Moritz)

Dennoch lohnt sich der Aufwand. Denn Industrie 4.0 birgt große Chancen für die deutsche Wirtschaft. Wichtig dabei ist: Industrie 4.0 heißt nicht, dass Maschinen Menschen ersetzen. Die Produktionsarbeit der Menschen wird sogar aufgewertet. GFOS spricht deshalb von „Industrie 4.0 Human”. Wir glauben, dass eine klare Vision und aktive Gestaltung der „humanen” Seite von Industrie 4.0 notwendig ist, bei der die Interessen von Unternehmen und Mitarbeitern so abgestimmt werden, dass Mitarbeiter zum Erfolgsgaranten für Industrie 4.0 werden und zugleich vom Wandel profitieren statt Opfer der Revolution zu sein. Die Aufgaben von Personalverantwortlichen werden zukünftig also noch komplexer. Die Motivation und die Zufriedenheit der Mitarbeiter werden noch stärker zum Schlüsselfaktor für unternehmerischen Erfolg, weshalb eine gute, transparente, bedarfsoptimierte und gerechte Planung unerlässlich sein wird. Und auch die Kosten dürfen bei aller Humanzentrierung nicht „aus dem Ruder laufen“, da Unternehmen nicht Selbstzweck sind, sondern Entwicklungen wie Industrie 4.0 natürlich nutzen wollen, um wettbewerbsstark zu sein und zu bleiben. Daher wird auch in der Fertigung Personaleinsatzplanung ein Schlüsselthema. Hier gilt es gerade in Zeiten der Humanzentrierung der Industrie 4.0 Personaleinsatzplanung und die Steuerung der Produktion durch ein Manufacturing Execution System aufeinander abzustimmen.

Personaleinsatz optimal planen

Immer den richtigen Mitarbeiter mit der richtigen Qualifikation zur richtigen Zeit am richtigen Ort – und die Kosten dabei fest im Blick: Durch den Einsatz von smarten Workforce Mangement Lösungen ist es möglich, basierend auf Faktoren wie voraussichtlichem Arbeitsaufkommen, saisonalen Schwankungen, erlaubten Personalkosten sowie krankheitsbedingten Ausfällen den optimalen Personalbedarf und -einsatz zu ermitteln. Hierbei werden sowohl vergangenheitsbezogene Daten ausgewertet als auch Ereignisse berücksichtigt, die einen unmittelbaren Einfluss auf die Umsatzzahlen haben können. Ein automatischer Personaleinsatzplanungsvorschlag für das Personal wird unter Berücksichtigung von geplanten Fehlzeiten, Pausenregeln, Bedarf, gesetzlichen und tariflichen Regelungen geplant.

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Der Ausgleich von Überbeziehungsweise Unterdeckungen erfolgt auf Basis historischer, aktueller und zukünftiger Daten. Neben den gesetzlichen und tariflichen Regelungen werden auch die individuell mit dem einzelnen Arbeitnehmer vereinbarten sowie die Qualifikationen, Zeitsalden und die Mitarbeiterwünsche berücksichtigt. Ziel dabei muss immer eine gerechte, kostenoptimierte Planung zur Steigerung der Produktivität und Motivation von Mitarbeitern sein. Bei aller Dezentralität, die Teil des Industrie 4.0-Konzepts ist, ist es dennoch sinnvoll, eine zentrale Instanz zur Koordinierung und Synchronisation einzurichten. So können MES (Manufacturing Execution Systeme) bereits heute eine Brücke in die Zukunft bauen und als virtuelle Ebene zum Teil schon jetzt Konzepte vorwegnehmen, die essentiell für Industrie 4.0 sein werden. Sie bieten synergetisch die Unterstützung der Produktionssteuerung, die notwendig ist, um in der Produktion Flexibilität sicherzustellen. Ideal ist eine Kombination aus beidem, so dass die Flexibilität von Produktion und Workforce harmonisch gesteuert wird.

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