Fachartikel aus PROTECTOR 4/2017, S. 36 bis 37

Vernetzte Videosysteme erhöhen Sicherheitsempfinden Smarte Prävention

Weltweit setzen Städte zum besseren Schutz ihrer Bürger auf zentralisierte Managementsysteme. Auch in Deutschland wird die Diskussion um das Thema Videoüberwachung wieder aufgerollt. Doch wie kann eine intelligente Videoüberwachung Städte konkret sicherer machen?

Bild: Milestone Systems
Moderne Videomanagementsoftware ist auf vielfältigen Endgeräten stationär und mobil nutzbar. (Bild: Milestone Systems)

Videokameras im öffentlichen Raum sind längst keine Zukunftsvision mehr. Auch heute schon kommen sie in Großstädten immer mehr zum Einsatz. Und das zu Recht: Umfragen belegen, dass sich die Mehrheit der Menschen sicherer fühlt, wenn Kameras das Geschehen auf den Straßen mitverfolgen. In dem Schweizer Kanton Genf beispielsweise werden seit 2014 in einem Problemviertel insgesamt 15 Straßen von 29 Kameras überwacht. Bei einer Meinungsumfrage der Universität Neuenburg gab rund ein Drittel der befragten Personen an, sich seitdem nachts im überwachten Gebiet sicherer zu fühlen. Über die Hälfte der Befragten äußerte sich außerdem positiv gegenüber einer Ausweitung der Videoüberwachung. Auch Politiker in Deutschland setzen zunehmend auf Kameras im urbanen Raum. In öffentlichen Verkehrsmitteln wird die Videoüberwachung schon seit einigen Jahren immer weiter ausgebaut, um den Passagieren eine sichere Umgebung zu bieten oder um etwa bei der Zuordnung von Fundsachen zu helfen. Aber auch in deutschen Innenstädten wird das Interesse an Videoüberwachung größer. Die Stadt Hanau entschied sich erst jüngst für die Montage von Kameras an mehreren Plätzen in der Innenstadt, um das Sicherheitsempfinden der Bürger zu steigern.

Entlastung der Polizei

Bild: Milestone Systems
Ein effizientes Alarmhandling und die Einbeziehung von Lageplänen und Standorten sorgen für Übersicht in Sicherheitsalltag. (Bild: Milestone Systems)

Allerdings führen Kameras in Städten nicht nur dazu, dass sich die Bürger sicherer fühlen, sondern sie helfen auch bei der Aufklärung von Straftaten. Viele Delikte können nicht geahndet werden, weil keine Beweise existieren. Diesem Problem könnte mit Videokameras und intelligenter Videomanagementsoftware Abhilfe geschaffen werden – zum Beispiel durch die Möglichkeit der Gesichtserkennung. Die von der Software erkannten Gesichter können etwa mit den Einträgen in einer Datenbank abgeglichen und Straftäter so schneller überführt werden. Eine intelligente Videomanagementsoftware mit einer zentralen Verwaltungsschnittstelle kann außerdem dazu verwendet werden, ein großes Netz von IP- Kameras mit mehreren Aufzeichnungsservern als ein einheitliches System zu verwalten. Die einzelnen Systeme sind dabei sicher miteinander vernetzt, was auch die Analyse erleichtert. Die Videos hunderter oder sogar tausender über eine Stadt verteilter IP-Kameras können so von der Software live gesichtet und ausgewertet werden. Bei Auffälligkeiten schlägt diese unmittelbar Alarm. Neben einer ausgereiften Alarmverarbeitung bietet ein IP-basiertes Videomanagementsystem auch mehrschichtige Karten und einen Kamera-Navigator für die Verfolgung sich bewegender Objekte. Durch den Einsatz einer modernen VMS wird die Polizei somit entlastet. Folglich kann sie mehr Präsenz auf den Straßen zeigen und in kritischen Situationen schnell und an der richtigen Stelle einsatzbereit sein. Ein weiterer positiver Effekt ist, dass den Bürgern auch durch die sichtbare Polizeipräsenz ein sichereres Gefühl gegeben und Straftätern der Nährboden für Kriminalität genommen wird.

Verkehrsüberwachung

Ein weiterer Anwendungsbereich für Videokameras im urbanen Raum bietet die Verkehrsüberwachung. Um in Unfallsituationen den Ort des Geschehens schnell lokalisieren und Hilfe holen zu können, wird die Verkehrsüberwachung künftig nahezu unerlässlich. Hier könnte zum Beispiel die Möglichkeit der Kennzeichenerkennung durch intelligente Videomanagementsoftware helfen. Mit ihr wäre es möglich, das Unfallgeschehen nachzuvollziehen und die Strafverfolgung erheblich zu beschleunigen. Zudem kann die Videoaufzeichnung auch zur Analyse von Verkehrsmustern dienen und schließlich für Straßenplanungsmaßnahmen zu Rate gezogen werden. So können etwa Fahrtwege für Einsatzfahrzeuge angemessen geplant und Geschwindigkeitsbegrenzungen festgelegt werden. Außerdem kann so Sicherheitsrisiken wie Verkehrsstaus oder Baustellenbereichen vorbeugend entgegen gewirkt werden.

Parkraummanagement

Auch große Parkhäuser in Städten sind öffentliche Räume, die entsprechende Sicherheitsrisiken bergen. Ein intelligentes Parkraummanagement, das mit IP-basierter Videotechnik realisierbar ist, ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich im öffentlichen Raum mit hochmoderner Technologie der Anspruch an ein hohes Sicherheitslevel mit dem Wunsch nach Kundenorientiertheit ideal verbinden lässt. So kann mit einem Videosignal einerseits Kundenkomfort geschaffen werden, indem eine Anzeige Auskunft über den Status der Parkplätze gibt. Zusätzlich kann die Kennzeichenerkennung einen sogenannten Car-Finder unterstützen, der es den Kunden ermöglicht, ihr Auto schnell und ohne langes Suchen wiederzufinden. Gleichzeitig sorgen IP-Kameras, verbunden über entsprechende Videomanagementsysteme, auch in Parkräumen für ein erhöhtes Sicherheitsniveau. Denn eine lückenlose Videoüberwachung zwischen parkenden Fahrzeugen, auf der Fahrspur und an Kassenautomaten wirkt auf potenzielle Straftäter abschreckend und liefert im Ernstfall die notwendigen Bilder zur Aufklärung. Auch die Kennzeichenerkennung kann für die Strafverfolgung eingesetzt werden. Denn es ist zum Beispiel möglich, einen Alarm auslösen zu lassen, sobald das Kennzeichen eines gestohlenen Fahrzeugs erkannt wird.

Zukunftsvision

Darüber hinaus kann Videoüberwachung auch für eine bessere und schnellere Zugangskontrolle verwendet werden und somit Teil eines durchdachten Sicherheitskonzepts in großen Gebäudekomplexen sein. Dieser Anwendungsbereich wird vor allem in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen. So zum Beispiel in Tiefgaragen, in denen sich die Zufahrtsschranke nur dann öffnet, wenn das Kennzeichen eines autorisierten Fahrzeugs mittels IP-basiertem Videomanagementsystem erkannt wird. Ist das Fahrzeug noch nicht registriert, wird das Bild an den zuständigen Sicherheitsmanager geschickt, welcher dann entscheidet, ob das Auto passieren darf oder nicht. Auch in großen Apartmenthäusern oder Bürogebäuden wäre für ein höheres Sicherheitsempfinden künftig an den Einsatz intelligenter Videomanagementsysteme zu denken. Diese können zum Beispiel verwendet werden, um einen guten Überblick über die überwachten Bereiche sowie die Kamerastandorte zu haben, indem diese auf interaktiven Karten bereitgestellt werden. Ereignet sich ein Vorfall, kann mithilfe von Such-Tools das Geschehen schnell lokalisiert und eine entsprechende Handlung veranlasst werden.

Sicherheitsniveau garantieren

Wie die angeführten Beispiele zeigen, trägt Videoüberwachung in Kombination mit intelligenter Software erheblich zur Verbesserung der Sicherheit im öffentlichen Raum bei. Sie verkürzt Reaktionszeiten auf Übergriffe, sodass in Notfällen effektiv und schnell gehandelt werden kann. Außerdem bietet sie Behörden eine sinnvolle, entlastende Möglichkeit zur Strafverfolgung. Da die Sicherheitsanforderungen mit dem Wachstum der Städte höher werden und auf Sicherheitsbeauftragte neue Problematiken zukommen werden, ist der Einsatz von intelligenter Videoüberwachung aus den Städten der Zukunft kaum mehr wegzudenken. Denn Ziel muss es sein, auch bei zunehmendem Pensum und neuen Aufgaben, den Überblick über die Geschehnisse zu behalten und ein hohes Sicherheitslevel in den Städten garantieren zu können.

Christian Ringler, Geschäftsführer, Milestone Systems Deutschland

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