Fachartikel aus PROTECTOR 4/2017, S. 71

Daktyloskopie Der digitale Pinsel

Die Kriminalarbeit am Tatort wird revolutioniert – das Einpinseln der Fingerspuren am Tatort kann durch einen High-Tech-Laser ersetzt und dadurch das Sichtbarmachen von Fingerspuren modernisiert werden. Der Scanner löst das analoge, zeitaufwendige und gesundheitsschädliche Verfahren durch eine digitale, schnelle und ungiftige Scanmethode ab.

Bild: Paul Rieth
Spuren finden, sichtbar machen und sichern – die Fingerspuren auf dem Kugelschreiber werden gescannt. (Bild: Paul Rieth)

Jürgen Marx, Erfinder und Geschäftsführer des 2015 gegründeten Startup- Unternehmens Scanovis, hat sich darauf spezialisiert, Fingerspuren vom Tatort mit einem Laserscanner berührungslos sichtbar zu machen. Zehn Jahre Entwicklungsarbeit, langjährige Expertise im Bereich der Qualitätskontrolle und ein engagiertes Team aus Ingenieuren und Softwarespezialisten haben nun einen Scanner ermöglicht, der mit extremer Genauigkeit misst. Patentgeschützt Das Verfahren, das in Deutschland patentgeschützt und in weiteren Ländern bereits zum Patent angemeldet ist, kann die Forensik weltweit verändern. Denn bei der Tatortarbeit wird heutzutage immer noch auf traditionelle Methoden gesetzt. Diese sind dem Laserverfahren deutlich unterlegen, was die Schnelligkeit angeht. 65 Prozent aller Asservate am Tatort werden erst nach Stunden im Labor untersucht, sofern die Spur überhaupt entdeckt wird. Der Scanner von Scanovis ermöglicht es, Spuren sichtbar zu machen, ohne schädliche Chemikalien dabei einzusetzen. Durch die berührungslose Laserscanmethode werden die Spuren zudem nicht geschädigt oder zerstört.

Zeitvorteil

Ein sehr wichtiger Aspekt ist die Zeitersparnis, die das Verfahren des Scanners mitsichbringt. Durch den schnellen und unkomplizierten Einsatz kann die Untersuchungszeit von bis zu 36 Stunden für einen Tatort auf unter eine Minute reduziert werden. Diese enorme Weiterentwicklung kann einen großen Beitrag zur Polizeiarbeit leisten, die dadurch Täter schneller dingfest machen kann. Im Labor werden Asservate unterschiedlichster Größen untersucht. Durch das Angebot von drei unterschiedlich großen Scannern können selbst sperrige Objekte untersucht werden. Die kleinste Laborversion des Scanners soll in einen Koffer verpackt auch transportabel sein. Zusammen mit dem Bundeskriminalamt, der Hochschule Mannheim und dem Fraunhofer Institut für Messtechnik hat das Unternehmen in einer Entwicklungsphase eine Produktserie entwickelt, die all diese Kriterien vereint. Im ersten Schritt der Entwicklungsphase wird die Fingerspur durch einen Laser im Labor untersucht. Dies geschieht berührungslos,

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die Spur wird nicht verändert, und es werden keine Chemikalien oder Rußpulver benötigt. Der Prototyp, mit dem bereits erste Versuchsreihen durchgeführt wurden, liefert hervorragende dreidimensionale Scanergebnisse. Aufgrund von Tests, die an diesem Prototyp durchgeführt wurden, wird das Ergebnis momentan weiterentwickelt. Im zweiten Schritt wird der Scanner modifiziert, um weitere Substanzen scannen zu können. Dazu können unter anderem Blut, Drogen oder Sperma gehören. Die dritte Entwicklungsstufe sieht die Fertigstellung des Handscanners vor, der direkt am Tatort scannt, auswertet und die Spur per WLAN mit dem Datennetz der Polizei abgleicht. So wird eine Täterzuordnung bereits am Tatort möglich. Der Handscanner würde es möglich machen, ohne lange Wartezeiten auf die Ergebnisse aus dem Labor eine Fahndung zu starten. Somit könnte sich die Chance, die Täter zu fassen, drastisch erhöhen.

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