Fachartikel aus W&S 11/2008, S. 18 bis 19

Wie Compliance-Richtlinien eingehalten werden können Vorschriften als Herausforderung

Die Schmiergeld- und Datenskandale großer deutscher Unternehmen haben die Debatte um die zuverlässige Einhaltung vorgeschriebener Compliance-Richtlinien wieder in Gang gebracht. Nachdem bereits in den USA Betrugsskandale zu scharfen Reglementierungen wie dem Sarbanes-Oxley-Act geführt haben, wird nun auch in Europa wieder verstärkt über die Einhaltung rechtlicher Vorschriften und die Selbstverpflichtung der Unternehmen diskutiert.

Bild: aboutpixel.de/Pieruschek
Die weltweit 10.000 geltenden Compliance-Richtlinien rund um SOX, EuroSOX und Basel II sorgen für die Einhaltung rechtlicher Vorschriften und müssen von global operierenden Unternehmen beachtet werden. (Bild: aboutpixel.de/Pieruschek)

Im Unternehmensbereich bedeutet Compliance die Sicherstellung und Überwachung der Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben ebenso wie die Selbstverpflichtung der Unternehmen, eigene Regeln einzuhalten. Durch sie soll der Missbrauch von vertraulichen Daten und daraus folgende mögliche Schadensersatzklagen ebenso wie ein Imageschaden des Unternehmens abgewehrt werden. Die meisten Großunternehmen haben heute eigene Abteilungen und Compliance Manager, die die Einhaltung aller Vorgaben überwachen. Soweit die Theorie.
Dass Konzerne solche Selbstverpflichtungen zwar eingegangen sind, sie aber zum Teil nicht eingehalten haben, zeigten vor allem die Bilanzskandale der amerikanischen Großunternehmen Enron und Worldcom vor einigen Jahren. Hier reagierte die US-Justiz 2002 mit dem Sarbanes-Oxley-Act (kurz: SOX), der die wahrheitsgetreue Berichterstattung der Unternehmen garantieren sollte. Die Geschäftsführung haftet seit Inkrafttreten persönlich für fehlerhafte oder geschönte Bilanzen. Ziel dieser Verordnungen ist es, das Vertrauen der Anleger und der Öffentlichkeit in die Richtigkeit der veröffentlichten Finanzdaten zu stärken.

Kontrolle und Risikoanalyse

Auch in Europa wurden Finanzunternehmen in den letzten Jahren mit juristischen Mitteln verstärkt unter Druck gesetzt. Das Mammut-Regelwerk Basel II gilt seit letztem Jahr für alle Finanzdienstleister. Es setzt neben einer Mindestanforderung an Eigenkapital auf den bankenaufsichtlichen Überwachungsprozess und eine Erweiterung der Offenlegung. Bei der Erfassung von Risiken muss dabei auch das operative Risiko der Banken durch interne Verfahren, Mitarbeiter, Systeme oder bankinterne Ereignisse einbezogen werden. (...)

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