Fachartikel aus W&S 2/2010, S. 7
Cebit 2010
Auf dem Weg zum elektronischen Personalausweis
Frau Mustermann erlebte auf der Cebit 2010 ein Revival. Der neue Personalausweis mit elektronischer Signatur- und Identitätsfunktion, der ab dem 1. November 2010 von der Bundesdruckerei hergestellt und ausgegeben wird, war einer der Publikumsmagneten der IT-Fachmesse in Hannover.
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| Der neue elektronische Personalausweis wird ab November 2010 ausgegeben. (Bild: Kalscheuer) |
„Viele Menschen nutzen immer das gleiche Passwort im Internet, das ist einfach zu knacken“, begründete Tom Köhler (Microsoft), warum Identity Metasysteme und eine Claim-Based Authentisierung heute unumgänglich sind. Die Microsoft-Lösung zur Verwaltung digitaler Identitäten U-Prove knüpft an diesem Ansatz an, und wird auch beim neuen elektronischen Personalausweis genutzt: Hier sollen keine Eingaben von Informationen mehr per Hand notwendig sein, da die im Personalausweis gespeicherten Daten automatisch über ein Lesegerät ausgelesen werden können.
Kompakter Identitätsnachweis
Denn der neue Ausweis im Scheckkarten-Format und mit integriertem kontaktlosen RFID-Chip soll nicht nur die Grenzkontrollen mit Name, Bild und Fingerabdruck erleichtern und eine digitale Signatur erlauben, sondern auch als elektronischer Identitätsnachweis im Internet dienen. Diensteanbieter können ihre Kunden im Internet mit U-Prove zweifelsfrei identifizieren, während gleichzeitig die Identität bestmöglich geschützt bleibt, da nur die unbedingt notwendigen Daten übermittelt werden. Dabei sind die Identitätsdaten kryptografisch verschlüsselt hinterlegt.
Großen Wert legte dabei Dr. Marian Margraf vom Bundesministerium des Innern auf den Datenschutz beim neuen Personalausweis: „Es dürfen nur die wirklich benötigten Daten ausgelesen werden und ich weiß immer, wer meine Daten erhält.“ Um den Zigarettenautomaten zu nutzen oder Videos im Internet zu bestellen, wäre nur die Information nötig, dass der Kunde volljährig ist, nicht aber sein Alter oder seine Adresse. Damit Ämter und Unternehmen Zugang zu den Daten auf dem elektronischen Personalausweis erhalten, müssen sie ein zeitlich begrenztes Berechtigungszertifikat von einer hoheitlichen Stelle zugeteilt bekommen, dass sie nur bei regelmäßig nachgewiesener Notwendigkeit erhalten.
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| Eugene Kaspersky gründete 1997 Kaspersky Lab, das Antiviren- und Sicherheitssoftware anbietet. |
Nutzung nur mit sechsstelliger PIN
Jens Fromm vom Fraunhofer Fokus, das zusammen mit dem SIT das Test- und Dokumentationszentrum neuer Personalausweis bildet, erklärte, wie die vielen Identitäten eines Bürgers unter der einheitlichen elektronischen Identität (eID) zusammengeführt werden können. Kryptografisch abgesicherte Protokolle sollen die codierten Daten auch bei der Übertragung schützen. Damit Unbefugte den Personalausweis einer anderen Person nicht nutzen können, muss der Ausweisinhaber mit einer sechsstelligen PIN bestätigen, wem er seine Daten freischalten möchte. Als Generalunternehmer für das Projekt Bürgerclient und eID-Service ist Siemens IT Solutions and Services zuständig, und wird bei der Software für elektronische Signaturen und Identitäten von der Firma Openlimit Signcubes AG unterstützt.
Software as a Service
Um das Thema IT-Sicherheit drehte sich auf der Cebit auch alles am Stand von Trend Micro: Hier wurden sowohl Saas-Lösungen (Software as a Service) für den Mittelstand, als auch der Schutz von Cloud-basierten Servern sowie die „Threat Management Services“ - ein Dienst, der Bedrohungen in Unternehmensnetzwerken und Rechenzentren aufspürt und eindämmt. Eugene Kaspersky, Gründer des gleichnamigen Antivirus-Unternehmens, kam zwar ohne seinen Koffer vom Flughafen, aber dafür mit der Frage im Gepäck: „Abgesehen vielleicht von den über 80-Jährigen – wie viele Menschen kennen Sie, die keine Online-Services nutzen?“. Aufgrund der hohen Zahl der Online-Nutzer sei der Cybercrime eine Industrie, die selbst in Krisenzeiten boomt.
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| Oliver Winzenried, CEO von Wibu Systems, zeigte Softwareschutz vom Mobiltelefon bis zum Cloud Computing. |
Wie man Software schützen kann, stellte auch Oliver Winzenried, CEO von Wibu Systems auf der Cebit vor: über den Schutz von PC-Software, digitales Rechtemanagement und die sichere Anwendung von Software as a Service auf mobilen Anwendungen lassen sich Informationen vor Raubkopien und fremden Zugriff schützen.
Backup-Rechenzentrum in sechs Wochen
Rittal zeigte auf der Cebit sein Life Data Center, in dem mehr als 50 Server stehen, und den Data Center Container, der in sechs Wochen aufgestellt werden und als Backup-Rechenzentrum dienen kann. Ein weiterer Schwerpunkt war das Thema Energieeffizienz von der Analyse des Energieverbrauchs bis hin zur Vermeidung von Hotspots sowie der direkten Kühlung mit Außenluft.
Ein neues, intuitiv bedienbares Zeiterfassungsterminal zeigte die Firma Kaba auf der Cebit: Das B-web 93 40 soll dem Nutzer über eine Lichtführung zeigen, welche Bedienfelder für ihn aktiviert sind.
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| Thomas Hertling präsentierte das neue Kaba-Zeiterfassungsterminal. |
„Der Nutzer muss intuitiv sehen, was er wie tun soll“, erklärte Thomas Hertling das Guide-by-Light-Konzept des Terminals, bei dem nur die Funktionstasten beleuchtet sind, die auch gedrückt werden können. „Heute ist ein Zeiterfassungsterminal auch nicht mehr nur ein Terminal, sondern die Summe aus Terminal und Service“, sagte Hertling. Neben der Bedienerfreundlichkeit sei deshalb auch ein effiziente Inbetriebnahme mit Hilfe einer Docking-Station, eine hohe Verfügbarkeit durch schnelle Fehlerauffindung und Reparatur im Ernstfall sowie die Anpassung an individuelle Kundenbedürfnisse.
Und während in den Cebit-Hallen elektronische Zigaretten, HD-Flatscreens und am Fraunhofer-Stand Fernsehen in der dritten Dimension vorgestellt wurden, wünschten sich die Besucher am Hauptbahnhof Hannover am zweiten Messetag eine einfache Leuchtanzeige zurück: Hier waren nämlich sämtliche Zugzielanzeigen im Bahnhofsgebäude und an den Bahnsteigen ausgefallen.
Britta Kalscheuer
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