Fachartikel aus PROTECTOR 5/2017, S. 15

Hekatron Brandschutz neu denken

„Brandschutz 4.0 oder das sichere Gebäude der Zukunft“ – mit diesem Impulsvortrag forderte Hekatron-Geschäftsführer Peter Ohmberger als Keynote-Speaker auf dem Feuertrutz-
Brandschutzkongress die Sicherheitsbranche angesichts der rasant voranschreitenden Digitalisierung zum radikalen Umdenken auf.

Bild: Hekatron
Während seines Impulsvortrags stellte Peter Ohmberger die Trendstudie „Das sichere Gebäude der Zukunft“ vor, die Hekatron mit dem Zukunftsforschungsinstitut 2b Ahead Thinktank und dem Berliner Sicherheitsfacherrichter Schlentzek & Kühn erarbeitete. (Bild: Hekatron)

In seinen vom Fachpublikum mit starkem Interesse verfolgten Ausführungen zeigte Peter Ohmberger, welche Chancen und welche Herausforderungen diese exponentiell fortschreitende Entwicklung für die Branche mit sich bringt. Aufgrund der großen Relevanz des Themas erhielten erstmals neben den Kongressteilnehmern auch die Besucher der Feuertrutz-Messe die Möglichkeit, den Keynote-Vortrag zu besuchen. „Wenn wir heute über die Digitalisierung und darüber sprechen, wie das sichere Gebäude und allgemein die Arbeits und Lebenswelten in zehn Jahren aussehen werden, muss uns klar sein, dass wir uns schon mittendrin im digitalen Transformationsprozess befinden und dass dieser mit jedem Tag immer schneller voranschreitet“, betonte Peter Ohmberger einleitend. „Mehr und mehr werden unsere Smartphones zu intelligenten Assistenten, Systeme werden in vielen Bereichen zunehmend die Funktion von klassischen menschlichen Leistungen übernehmen. Der Verlust klassischer Berufe und klassischen Expertentums wird damit unabwendbar.“ Bereits absehbar sei, dass sich mit diesem rasanten Wandel ganz zwangsläufig auch die Welt in den Gebäuden verändern werde.

Weg vom Brandschutz 1.0.

„Aber ganz offen gefragt: Arbeiten wir in vielen Bereichen des anlagentechnischen Brandschutzes nicht noch wie im Jahr 1990?“, provozierte Ohmberger seine Zuhörer. „Ich nenne das gerne Brandschutz 1.0.“ Beispiele dafür seien die jährliche Melderprüfung nach VDE 0833 vor Ort mittels Prüfstange und Prüfaerosol, Vielfachdatenhaltung mit den unterschiedlichsten Datenformaten in den verschiedenen Phasen von Planung und Umsetzung sowie die Tatsache, dass auf wenigen Quadratmetern innerhalb eines Gebäudes oft technisch verwandte Brandschutzgewerke wie Rauch-Wärme-Abzugsanlagen, Feststellanlagen und Brandmeldeanlagen pa rallel nebeneinander existieren, als ob sie nichts miteinander zu tun hätten. „Ich glaube definitiv nicht, dass solche ineffizienten Prozesse und Datengräber, dass solches Silodenken in einer technologischen und vernetzten Welt der Zukunft akzeptiert werden“, führte Ohmberger aus. Vor dem Hintergrund des stetig voranschreitenden technologischen Wandels, der bedingt durch die Digitalisierung schon lange nicht mehr linear, sondern exponentiell ablaufe, sei immer mehr Leistungsfähigkeit und insbesondere auch Rechnerleistung zu immer geringeren Kosten machbar. So werde es möglich, Rechnerleistung in praktisch jedes Bauteil eines Gebäudes zu integrieren, es mit einer Vielzahl von Aktoren und Sensoren auszurüsten und im Gebäude der Zukunft alle Gewerke über inter operable Netzwerke miteinander zu verbinden. „In diesem Umfeld werden ganz neue Geschäftsmodelle entstehen, bei denen das Produkt Mittel zum Zweck wird, und daraus resultierend werden ganze Wertschöpfungsketten und Wertschöpfungscluster einfach verschwinden“, so Ohmberger. „So wird es den Prozess der Instandhaltung, wie wir ihn heute kennen, in einigen Jahren garantiert nicht mehr geben.“

Hauptbotschaften für den Erfolg

In diesem Sinne gab Peter Ohmberger dem Fachpublikum drei Hauptbotschaften und Strategien für die Zukunft im Kontext von Sicherheit 4.0 und Brandschutz 4.0 mit auf den Weg: „Erstens: Denken Sie Brandschutz und Sicherheit neu. Wir dürfen nicht bei der Funktion der Gefahrenabwehr stehenbleiben.“ Als zweite Hauptbotschaft appellierte er an seine Zuhörer: „Werden Sie zum Brandschutz- und Sicherheitsmanager Ihrer Kunden. Wer in der Sicherheitsbranche im Spiel bleiben will, muss sich zum Anbieter von Komplettlösungen, Dienstleistungen und Wissensverkauf entwickeln.“ Drittens gelte es, das Thema „Kooperation und Kollaboration“ neu zu denken: „Wir müssen uns einerseits spezialisieren und andererseits kooperieren. Wir müssen modular und anschlussfähig denken und uns insbesondere gegenüber den Anbietern öffnen, die schon Zutritt ins Gebäude besitzen“, führte Ohmberger aus. Die leidenschaftlich geführte Diskussion im Anschluss an den Vortrag bestätigte das große Interesse der Sicherheitsbranche an dem Thema Brandschutz 4.0. AA

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