Fachartikel aus PROTECTOR 6/2017, S. 64 bis 65

Risikomanagement Professionalisiert

Die Themen Risikomanagement und Compliance bleiben auch in diesem Jahr in Bewegung. Die Risk Management Association e.V. (RMA) setzt sich schon seit Jahren für die Weiterentwicklung des Risikomanagements ein, nun verstärkt durch Patrick Hofmann, den neuen Geschäftsführer. PROTECTOR & WIK befragte ihn zu seinen Aufgaben und Zielen.

Bild: Rainer Sturm/Pixelio
Eine ständige Weiterbildung ist für Risikomanager elementar. (Bild: Rainer Sturm/Pixelio)

PROTECTOR & WIK: Warum setzt die RMA nun mit Ihnen erstmals einen Geschäftsführer ein? Was sind die damit verbundenen Ziele?

Patrick Hofmann: Die RMA ist die unabhängige Interessenvertretung für das Thema Risikomanagement im deutschsprachigen Raum. Als Kompetenzpartner und Impulsgeber ist sie erster Ansprechpartner für Informationen, den unternehmensübergreifenden Dialog sowie die Weiterentwicklung des Risikomanagements.

Durch die große Nachfrage nach einem professionellen Netzwerk aus Experten und Vordenkern im Risikomanagementumfeld hat die RMA inzwischen eine Größe erreicht, die den ehrenamtlich tätigen Vorstand vor gewisse Herausforderungen stellt. Der Vorstand hat sich deshalb für die Unterstützung durch einen Geschäftsführer entschieden. Das stetige Wachstum soll so abgesichert und der Service für die Mitglieder weiter professionalisiert werden.

Und welche Erwartungen richtet man an Sie?

Im Wesentlichen wird von mir erwartet, dass ich durch geeignete Maßnahmen einerseits die Mitgliederbindung weiter erhöhe und andererseits das stetige Mitgliederwachstum absichere beziehungsweise weiter ausbaue. Da ich mich mein ganzes bisheriges Berufsleben in Theorie und Praxis mit dem Management von Unternehmensrisiken befasst habe, kenne ich die Herausforderungen sehr gut, denen unsere Mitglieder im Risikomanagementumfeld ausgesetzt sind.

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Die stetig steigenden Anforderungen an Risikomanagement-verantwortliche machen beispielsweise einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch und eine laufende Weiterbildung unerlässlich.

Die RMA kann hier einen wichtigen Beitrag leisten, auch durch die sehr enge Verzahnung mit der Wissenschaft und Forschung. Der Ausbau des Weiterbildungsangebots der RMA steht auch vor diesem Hintergrund weit vorne auf meiner Agenda.

Sie wollen einen unabhängigen „Marktplatz für Beratungs- und Softwarelösungen“ aufbauen, wie zu lesen war. Existieren solche Plattformen nicht schon zu genüge?

Aufgrund der Nachfrage von unseren Mitgliedern und den Anfragen von Interessenten wissen wir, dass es einen konkreten Bedarf für einen unabhängigen Marktplatz für risikomanagementrelevante Beratungs- und Softwarelösungen gibt. Wir wollen die Nachfrage unserer Mitglieder befriedigen und ihnen einen unabhängigen und transparenten Marktplatz anbieten.

Es ist derzeit geplant, dass dort nur Anbieter Zugang haben, die selbst Mitglied der RMA sind. Es ist noch offen, ob wir auf der Nachfrageseite möglicherweise auch nur Mitglieder zulassen. Aufgrund unserer Größe wäre diese Vorgehensweise zumindest eine Option.

Was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Veränderungen im Risikomanagementumfeld in den letzten Jahren und wie müssen Unternehmen darauf reagieren?

Das regulatorische Umfeld verändert und verschärft sich ständig. Risikoverantwortliche werden auf Unternehmensseite zusätzlich immer öfter in strategische Entscheidungen, Controlling-Prozesse und die Unternehmensplanung eingebunden. Es gibt kaum noch Großprojekte ohne eine signifikante Beteiligung von Verantwortlichen für Risikomanagement.

Der Risikoverantwortliche wird zunehmend als Berater wahrgenommen, der im Auftrag der Unternehmensleitung die Unternehmenseinheiten proaktiv und ganzheitlich beim Management aller Unternehmensrisiken unterstützt und damit das herausfordernde Entscheiden und Handeln unter Unsicherheit erleichtert. Wenn man Risiko vereinfachend als Möglichkeit einer Abweichung von einem Plan- oder Erwartungswert begreift, was Chancen und Gefahren beinhaltet, werden Planabweichungen ergänzend nicht nur bei börsennotierten Unternehmen immer härter abgestraft.

Bild: RMA
Patrick Hofmann. (Bild: RMA)
Patrick Hofmann ist Geschäftsführer der Risk Management Association e.V., München.
Telefon: +49(0)1801-762 835
E-Mail: patrick.hofmann@rma-ev.org

Hatte der Risikoverantwortliche diese Möglichkeit und die zugrundeliegenden Faktoren nicht auf seinem Plan, wird es sehr schnell herausfordernd. Die schlichte Notwendigkeit, Risikomanagement weiter und besser mit der Unternehmensstrategie, der Planung und dem Controlling zu verweben, erfordert eine stetige Weiterentwicklung.

So halten im Controlling immer häufiger Risiken in Form von Wahrscheinlichkeitsverteilungen Einzug. Dieses oft als Bandbreitenplanung bezeichnete Konzept ist eine Weiterentwicklung der klassischen einwertigen Planung, bei der Risiken – wenn überhaupt – nur stark pauschalisiert in die Planung eingehen.

Eine möglichst qualifizierte Ermittlung des Gesamtrisikos eines Unternehmens sollte ergänzend nicht nur erfolgen, um den Eigenkapitalbedarf zu kennen und den Einfluss auf das Unternehmensrating, sondern auch, um einzelne strategische Entscheidungen oder Projekte anhand ihres Einflusses auf dieses Gesamtrisiko besser abschätzen zu können.

Insgesamt steigen die fachlichen und persönlichen Anforderungen an den Risikoverantwortlichen zunehmend. Eine ständige Weiterentwicklung und Weiterbildung ist hier erforderlich.

Aus meiner Sicht gehen zum Glück die Zeiten langsam dem Ende zu, in denen ein Risikoverantwortlicher, dessen Aktivitäten bestenfalls wenig mit den sonstigen Managementsystemen verzahnt waren, ohne besondere Beachtung der Geschäftsleitung seinen Quartalsbericht mit einem Risikoinventar abliefern konnte – bei vermeintlich voller KonTraG-Konformität – um dann für einige Zeit wieder unter dem Radar der Unternehmensführung zu verschwinden, damit er dann in entscheidende strategische Unternehmensveränderungen eingebunden wird, wenn es schon längst zu brennen begonnen hat.

Sie erwähnen die Weiterbildung: Welche Entwicklung nimmt Ihr Weiterbildungsprogramm zum Enterprise Risk Manager,das die RMA seit einigen Jahren gemeinsam mit der Universität Würzburg durchführt?

Die fachlichen und persönlichen Anforderungen an Verantwortliche im Risikomanagement sind, wie bereits angesprochen, in den letzten Jahren massiv gestiegen und werden weiter steigen. Die RMA sieht sich als Berufsverband der Risikomanager. Dementsprechend ist die RMA bestrebt, für ihre Mitglieder und für Interessenten ein sehr gutes Aus- und Weiterbildungsangebot anzubieten.

Die Ausbildung zum Enterprise Risk Manger (Univ.) ist ein wichtiger Teil davon. Einzigartig bei diesem Programm ist die enge Kooperation zwischen zwei starken Partnern aus Wissenschaft und Praxis, die für hohe Qualität und Kontinuität stehen: das Forschungszentrum Risikomanagement als renommierte wissenschaftliche Institution im Bereich der interdisziplinären Grundlagen- und anwendungsorientierten Forschung auf dem Gebiet des Chancenund Risikomanagements, und die RMA mit Mitgliedern aus internationalen Konzernen, mittelständischen Unternehmen und dem öffentlichen Sektor.

Aufgrund der aktuell hohen Nachfrage, die dazu geführt hat, dass unser Programm für 2017 sehr schnell ausgebucht war, denken wir gerade über eine Ausweitung des Programms nach. Ergänzend sind wir in der Planung für weitere Webinar- und Seminarangebote. Denn auch hier wollen wir die Nachfrage unserer Mitglieder und die von Interessenten bedienen.

Blicken wir nach vorne. Im Oktober findet die kommende Jahreskonferenz statt. Was erwartet die Teilnehmer in diesem Jahr an Themen und Trends?

Auf unserer 12. Jahreskonferenz am 16./17. Oktober in Nürnberg werden wir wieder ein sehr breites Programm aus Wissenschaft und Praxis anbieten. Prof. Dr. Gleißner wird beispielsweise in seiner einleitenden Keynote aktuelle Themen ansprechen. Referenten großer Unternehmen werden Einblicke in ihre Praxis geben. Schwerpunktthemen werden Entscheidung unter Unsicherheit, neue Risikomanagement-Standards, Human Risk Factors und Cyber Risk Management sein. ASL

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