Fachartikel aus PROTECTOR Special Zutrittskontrolle 2017, S. 30 bis 31

Vernetzung von Zutrittskontrolle und Videoüberwachung Trend zur Offenheit

Proprietäre Schnittstellen blockierten bisher die Integration unterschiedlicher Zutrittskontroll- und Videosysteme. Mit der zunehmenden Standardisierung bricht jetzt aber ein neues Zeitalter an: Es verspricht hohe Sicherheit, niedrige Kosten und minimalen Administrationsaufwand.

Bild: HID Global
Mobile Access: Zutrittskontrolle mit Smartphone und Lesegerät. (Bild: HID Global )

Konvergenz und Vernetzung durch Standards wie Onvif (Open Network Video Interface Forum), OSDP (Open Supervised Device Protocol), Bacnet (Building Automation and Control Networks) oder auch OPC (OLE for Process Control) sind zentrale Trends in der Gebäude-automation und Sicherheitstechnik.

Die Standardisierung ermöglicht eine Vernetzung bisher strikt getrennter und autark betriebener Systeme. Gegenwärtig betrifft diese Vernetzung vor allem die Bereiche Zutrittskontrolle und Videoüberwachung. Basis für die Vernetzung sind offene Plattformen, standardisierte Protokolle und IPbasierte Sicherheitsprodukte. Im Bereich Video zeigt sich diese Entwicklung deutlich. Onvif hat sich hier als der De-facto-Standard etabliert, den mittlerweile die Mehrheit aller wichtigen Anbieter von Videoprodukten unterstützt. Die Onvif-Schnittstelle stellt eine herstellerneutrale Lösungskompatibilität sicher, die zum Beispiel den Anschluss einer Videokamera an ein Überwachungssystem ermöglicht.

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Und auch der IP-Siegeszug zeigt sich hier: IP-Kameras dominieren inzwischen den Markt. Eine ähnliche Entwicklung vollzieht momentan der Bereich Zutrittskontrolle: Stichwort OSDP. In der Vergangenheit dominierten bei Zutrittskontrollsystemen hinsichtlich der Kommunikationsprotokolle proprietäre herstellerabhängige RS-485-, Wiegand- und Clock/Data-Schnittstellen. Sie sind aber von mehreren Einschränkungen gekennzeichnet. So müssen alle Kartenleser entweder über Punkt-zu-Punkt- Verbindungen einzeln angeschlossen werden und die maximale Kabelanschlusslänge liegt bei 150 Metern oder Unternehmen müssen sich bei der proprietären RS-485-Variante auf einen Hersteller festlegen. Zudem wird nur eine serielle unidirektionale Kommunikation unterstützt.

Bidirektionale Kommunikation

OSDP hingegen basiert auf einer standardisierten RS-485-Schnittstelle und unterstützt auch eine bidirektionale Kommunikation, das heißt, es ist im Unterschied zu unidirektionalen Verbindungen auch eine Überwachung der Lesegeräte oder die Durchführung automatischer Firmware-Updates möglich. Zudem können die Leser in einer Entfernung von bis zu 1.200 Metern angeschlossen werden und es ist möglich, Reihenschaltungen umzusetzen.

Alles spricht deshalb für einen OSDP-Siegeszug, das heißt, RS-485-OSDP wird als herstellerunabhängige Kommunikationsschnittstelle mit einer sicheren AES- 128-Verschlüsselung der neue Standard in der Zutrittskontrollindustrie. OSDP ist allerdings ebenfalls nur ein weiterer Entwicklungsschritt. Der OSDP-Endausbau heißt IP. Nicht nur im Video-, sondern auch im Zutrittskontrollumfeld geht die Entwicklung momentan also in Richtung Standardisierung – und damit ist auch die elementare Voraussetzung für die Verknüpfung der beiden Bereiche geschaffen.

Vorteile an allen Fronten

Die Vorteile einer Verknüpfung von Zutrittskontroll- und Videoüberwachungssystemen sind vielfältig. Ein zentraler Nutzen ist der deutlich reduzierte Administrationsaufwand sowohl bei der Implementierung als auch bei Konfigurationsänderungen, da beide Lösungen über eine zentrale Oberfläche verwaltet werden können.

Die Minimierung des Verwaltungsaufwandes, die Vereinfachung und Harmonisierung der Infrastruktur und die Nutzung integrierter Lösungen sind für ein Unternehmen in letzter Konsequenz immer auch mit einer Kostenreduzierung verbunden. Aber die Vorteile reichen noch weiter – und viel wichtiger – sie betreffen den Bereich Sicherheit.

So werden durch die Verknüpfung von Zutritt und Video auch Nachteile klassischer Einbruch- oder Brandmeldeanlagen aufgehoben. Dass in diesen Bereichen eine hohe Anzahl an Fehlalarmen an der Tagesordnung ist, wird kaum jemand bestreiten. Das große Sicherheitsplus, das die Verknüpfung von Zutrittskontrolle und Videosystem bietet, ist die Visualisierung.

Das heißt, es können eventbezogene Live- Videobilder genutzt werden. Im Falle eines potentiellen Brandes kann dann zum Beispiel mittels Videobildern ein Fehlalarm ausgeschlossen werden. Und falls in der Tat ein Brand vorliegt, kann dann durch einen direkten Zugriff auf die Daten des Zutrittskontrollsystems schnell und problemlos ermittelt werden, welche Personen sich gerade in einem bestimmten Brandabschnitt aufhalten.

Vernetzungstrend greift weiter

Mit der Vernetzung von Video und Zutritt muss aber noch lange nicht Schluss sein. Basieren Sicherheitslösungen wie Zutrittskontrollsysteme oder Kameras auf einer offenen Plattform mit dokumentierten APIs (Application Programming Interfaces, Programmierschnittstellen) können sie auch zusätzlich in ein Überwachungssystem integriert werden.

Der Trend zur Offenheit und Standardisierung zeichnet sich ohnehin nicht nur auf der Feldebene ab, das heißt etwa bei Videokameras und Lesegeräten mit Onvif beziehungsweise OSDP. Auch auf der Automationsebene mit Controllern und Steuerungselementen sowie der Management- und Leitsystemebene mit Softwarelösungen zur Administration und Überwachung dominiert inzwischen die Nutzung standardisierter Kommunikationsprotokolle und offener Plattformen. Wie in der IT sind auch in der Gebäudeund Sicherheitstechnik Vernetzung und Konvergenz die beherrschenden Themen der nahen Zukunft.

Unternehmen, die diese Entwicklung nicht frühzeitig aufgreifen, werden schon bald nicht mehr auf dem Stand der Technik sein – und noch gravierender: Sie werden dann auch hinsichtlich maximaler Security nicht mehr zeitgemäß aufgestellt sein.

Markus Baba, Area Sales Manager D-A-CH, HID Global GmbH

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