Kommentar aus PROTECTOR 7-8/2017, S. 3

Editorial Boom hält an

Als der BDSW im letzten Jahr die Umsatzzahlen für 2015 vorstellte, ging die Branche der Sicherheitsdienstleister noch von einem Sondereffekt aus. Das Umsatzwachstum von über 15 Prozent wurde mit dem Zuzug der Flüchtlinge und der daraus resultierenden stark steigenden Nachfrage nach Bewachung von Flüchtlingsunterkünften erklärt.

Annabelle Schott-Lung. 

Für 2016 prognostizierten Experten wieder ein moderateres Wachstum. In diesem Jahr allerdings fallen die Zahlen noch phänomenaler aus. Der Umsatz der privaten Sicherheitsdienste wuchs im vergangenen Jahr um stolze 23,8 Prozent! Der Sondereffekt Flüchtlingsunterkunftsbewachung kann dafür nicht mehr verantwortlich gemacht werden.

Es ist vielmehr zu bemerken, dass sich das Sicherheitsgefühl – auch bedingt durch die zahlreichen Terrorakte – in der ganzen Gesellschaft allmählich verändert. Das führt dazu, dass Unternehmen, die schon früher auf die Unterstützung Externer gesetzt haben, ihre Sicherheitskonzepte hinterfragen und deren Aufgaben noch weiter ausbauen. Auch im öffentlichen Bereich sind beispielsweise Veranstalter von Großevents gezwungen, dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis Rechnung zu tragen und verstärkt Bewachungspersonal einzusetzen. Die hohe Zahl der Wohnungseinbrüche führt außerdem dazu, dass auch Privathaushalte zunehmend Überachungs- und Alarmsysteme einsetzen, die auf Sicherheitszentralen aufgeschaltet werden.

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Eine steigende Nachfrage ist für die Sicherheitsdienstleister zwar erst einmal positiv. War es aber in den vergangenen Jahren schon schwierig, zuverlässige und qualifizierte Mitarbeiter zu gewinnnen – auch ohne die Flüchtlingssituation –, hat sich die Situation heute eher noch verschärft. Damit das Bewachungsgewerbe als Arbeitgeber attraktiver wird, muss an verschiedenen „Schräubchen“ gedreht werden. Eines davon war sicher die Einführung des Mindestlohns. Viele Unternehmen strengen sich zudem intensiv an, Auszubildende zu gewinnen und investieren in die Weiterbildung der Mitarbeiter. Auch die Änderung der Bewachungsverordnung geht in die richtige Richtung, durch die Zuverlässigkeitsüberprüfung der Mitarbeiter die Qualität der Dienstleistung zu erhöhen. Aber immer noch gibt es Ausschreibungen, auch von der öffentlichen Hand, die rein preisorientiert sind. Das ist einer qualitativ hochwertigen Dienstleistung nicht förderlich. Hier sollte der Gesetzgeber beim Vergaberecht noch nachlegen.

Die Sicherheitsdienstleistungen werden schon lange als eine der „Säulen“ in der Sicherheitsarchitektur Deutschlands bezeichnet. Damit diese Säule auch stabil stehen kann, ist ein festes Fundament gefragt. Daran sollten alle Beteiligten intensiv arbeiten.

Annabelle Schott-Lung, stellvertretende Chefredakteurin

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