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Interview aus PROTECTOR 9/2017, S. 16 bis 17

MPOP 2017 Plattform für offene Partner

Der Hersteller von Videomanagementsoftware Milestone Systems verfolgt weiter seine Philosophie einer offenen Partnerplattform und veranstaltet am 13. und 14. September nahe München erneut die MPOP (Milestone Partner Open Platform). PROTECTOR & WIK sprach mit Mark Kieffer, Country Manager DACH und Christian Ringler, Director Middle East, Africa & DACH über ihre Erwartungen an den Event und das Erfolgsrezept des Community-Gedankens.

Bild: Philipp Lubos
Mark Kieffer, Country Manager DACH, Christian Ringler, Director Middle East, Africa & DACH von Milestone Systems und Andreas Albrecht, Chefredakteur PROTECTOR & WIK (v.l.), nach dem Interview vor dem Verlagsgebäude der Schlüterschen in Augsburg. (Bild: Philipp Lubos)

PROTECTOR & WIK: Milestone Systems hat seinen Umsatz 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent gesteigert und weltweit erstmals über 100 Millionen Euro erzielt. Welchen Anteil hat die DACH-Region an diesem Erfolg?

Christian Ringler: Weltweit sind wir mittlerweile seit mehr als neun Jahren die klare Nummer eins für Video-managementsoftware wie die neueste IHS Research Studie bestätigt. Auf dem deutschen Markt ist Milestone sogar noch stärker gewachsen als das gesamte Unternehmen, und speziell hier sehen wir auch das größte Potential für die Zukunft. Schweiz und Österreich sind sehr wichtig, aber insbesondere Deutschland ist es für uns eindeutig ein Wachstumsmarkt für IP-basierte Sicherheitstechnik. Hier werden wir weiterhin verstärkt unsere Unternehmensphilosophie und Strategie etablieren und an den richtigen Stellen investieren.

Wie sieht diese Strategie konkret aus?

Der Ausganspunkt einer Strategie ist immer eine Vision, und die Vision Milestones ist es weltweit in jeder Anlage, bei der es um das Thema Videoüberwachung geht, mit der eigenen Software vertreten zu sein. Diese Vision haben wir speziell dieses Jahr auf der MIPS in Dubai klar und eindeutig in den Markt kommuniziert. Der Weg dorthin führt unserer Überzeugung nach über den Plattformgedanken, den wir im letzten Jahr mit der MPOP auch erstmals auf dem DACH-Markt präsentiert haben und ganz klar weiter verfolgen werden. Dementsprechend wollen wir Milestone von einem Softwarehersteller zu einem Plattformunternehmen weiter entwickeln. Das bedeutet, dass wir Standards zur Verfügung stellen, an die sich unsere Partner mit ihren Systemen andocken und als Gesamtlösung abbilden können. Wir sehen uns also als die Lösung im VMS Umfeld, die Standards definiert.

Das klingt nach einem offenen System, das theoretisch keine Grenzen kennt und beliebig erweiterbar ist. Konzentrieren Sie sich mit dieser Plattform dennoch auf den Sicherheitstechnikmarkt?

Nicht ausschließlich. Wir sehen uns in Zukunft auch sehr stark im IoT-Markt (Internet of Things, Anm. d. Red.), und wenn wir jetzt einmal fünf Jahre voraus schauen, gehen wir davon aus, dass etwa die Hälfte der Komponenten keine Videokameras mehr sind, sondern andere Devices, etwa Zutrittskontroll-, Videoanalysekomponenten oder andere IoT- Sensoren. Aber auch das Thema „Beyond Security“ wird immer wichtiger, etwa die Bereiche Prozessautomatisierung und Optimierungen des Straßenverkehrs. Dennoch ist es aktuell natürlich noch so, dass Security mit Abstand der größte Bereich und eindeutig unser Hauptschwerpunkt ist, und das wird sich so schnell auch nicht ändern.

Sind also auch ihre so genannten Solution-Partner auf der MPOP Unternehmen aus dem Security-Markt?

Mark Kieffer: Überwiegend ja, aber nicht ausschließlich. Wir werden auf der MPOP auch Partner treffen, die sehr stark im Retail-Bereich tätig sind, und bei denen es beispielsweise um die Auswertung von Daten geht, die wir mit unserer Plattform liefern, weiter verarbeiten, verknüpfen, visualisieren und aufbereiten können.

Was bedeutet das genau, welche Möglichkeiten bietet die Milestone-Plattform?

Wir haben zum Beispiel eine Möglichkeit geschaffen, Videoanalyse von unterschiedlichsten Anbietern zu integrieren und den Kunden Auswertungen zur Verfügung zu stellen, etwa zur Vorhersagbarkeit von Ereignissen. Wenn man sich langfristige Trends ansieht, muss die Vision dahin gehen, dass kritische Situationen rechtzeitig erkannt werden. Videoanalyse ist zwar gut, wenn man ein Bild bekommt und danach etwas detektiert werden kann. Aber noch wichtiger ist es, Straftaten oder terroris tische Angriffe zu verhindern, also dafür zu sorgen, dass es erst gar nicht soweit kommt, ein Ereignis auswerten zu müssen.

Lassen Sie uns bei diesem Beispiel bleiben. Wie sind solch präventive Maßnahmen aus technischer Sicht umsetzbar?

Christian Ringler: Beispielsweise über eine Verhaltensanalyse. Wenn wir mal den Datenschutz außen vor lassen, der nochmal ein eigenes Thema ist, lassen sich bestimmte Verhaltensmuster definieren und rechtzeitig erkennen. Ein Kunde von uns in Dubai hat beispielsweise mittlerweile 12.000 Kameras im Einsatz und arbeitet mit ebenso vielen Videoanalysekanälen. Dabei geht es ihm nicht darum, Personen zu überwachen. Sondern er ist in der Lage, über definierte Parameter aus Bewegungsabläufen und Verhaltensmustern Rückschlüsse auf die Wahrscheinlichkeit zu ziehen, dass ein mögliches Ereignis auch tatsächlich eintrifft. Einige der Solution-Partner, die in diesem Bereich stark engagiert sind, werden wir auch auf der MPOP sehen, etwa IPS und Icetana, und diese werden wir – wie alle anderen Partner auch – mit ihren Lösungen über die Milestone-Plattform untereinander und mit den Besuchern in Kontakt bringen.

Das Motto „Community statt Company“ der MPOP 2016 gilt also auch dieses Jahr?

Ja, natürlich. Den Plattform-Gedanken bilden wir über die Community ab, und wir sind dabei, die Schnittstelle zwischen den Solution-Partnern und dem User, also dem Endkunden. Die Community besteht aus Herstellern, die unterschiedlichste Lösungsansätze bieten. Dazu gehören aber auch die Reseller und nicht zu vergessen unsere Developer, die spezielle Sonderanwendungen programmieren und den Kunden auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Lösungen ermöglichen. Vergleichbar ist dieser Ansatz mit Microsoft, das eine Plattform bietet, für die inzwischen tausende Softwareentwickler Applikationen geschrieben haben. Das ist genau das, was wir auch machen. Im Prinzip gibt es als Softwarehersteller nur zwei Möglichkeiten: Entweder man bietet eine Nischenlösung an, oder man geht in die gesamte Breite. Entscheidet man sich für letzteres wie wir es getan haben, muss man die Spezialfunktionen, die sehr aufwendig sind, ein Stück weit verlassen. Denn wir können nicht jedes Feature für alle Anwendungen selbst machen. Dafür gibt es die Community. Dadurch, dass unsere Software-Plattform offen und sehr breit gefächert ist, können wir den Kunden Softwareentwicklungen über unser Developer-Forum zur Verfügung stellen, die dadurch sehr flexibel sind. Wir sind überzeugt, dass wir mit diesem Konzept auf dem richtigen Weg sind und die wirtschaftliche Entwicklung unterstreicht das ja auch.

Wie wird die MOPO 2017 konkret ablaufen? Gibt es eventuell Änderungen zum Vorjahr?

Mark Kieffer: Das Feedback zur MPOP 2016 war durchweg positiv, von der Idee bis zur Durchführung. Deshalb haben wir wenig Veranlassung, am Konzept etwas Grundlegendes zu ändern. Es wird wieder eine Hauptbühne geben, auf der Solution- Partner ihre Lösungen live präsentieren werden. Auch die Meetingräume, in denen wir unsere neuesten Releases vorstellen, wird es wieder geben. Das ganz klare Ziel der MPOP ist aber erneut, den Community-Gedanken in den Vordergrund zu stellen. Das einzige, was sich dieses Jahr etwas ändern wird: Es wird nicht mehr ganz so viele generelle Vorträge geben, sondern wir wollen mehr in die Tiefe gehen und noch mehr Lösungsansätze zeigen. Beispielsweise wird Ela-soft den Einsatz einer Drohne zeigen, wofür wir sowohl von der Therme Erding als auch von der Luftfahrtsicherheitsbehörde die Genehmigung bekommen haben. Außerdem stellen wir das Thema IoT und die „Beyond-Security“-Lösungen mehr in den Vordergrund, um zu zeigen: Es muss nicht immer eine Kamera sein. Beispielsweise die Verknüpfung von Milestone und Axis

Andreas Albrecht

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