Fachartikel aus PROTECTOR 9/2017, S. 26 bis 28

Elektronische Lösung für Klinikum Unhandlich war gestern

Den Aufwand, die Kosten und die mangelnde Flexibilität seiner mechanischen und mechatronischen Schließanlagen leid, suchte das Isar Klinikum München nach einer elektronischen Zutrittslösung. Diese sollte einheitlich über die gesamte Liegenschaft einsetzbar und vor allem einfach zu administrieren und zu installieren sein.

Bild: Salto Systems
(Bild: Salto Systems)

Zum Zuge kam eine Lösung auf Basis der XS4 Systemplattform von Salto, die nicht nur den geforderten Funktionen entspricht, sondern darüber hinaus auch die Betriebsabläufe unterstützt.

"Für uns hat sich sehr schnell herausgestellt, dass eine mechanische Schließanlage nicht für unsere Zwecke geeignet ist. Viele Ärzte und Schwestern arbeiten bei uns abteilungsübergreifend und mussten bis zu fünf Schlüssel mit sich herumtragen. Vor allem bei den Belegärzten gibt es außerdem viele Veränderungen beim Personal. Daher mussten wir wegen verlorener Schlüssel oder Umnutzungen ständig Zylinder umbauen – das machte die mechanische Anlage im Betrieb sehr unhandlich und teuer“, erinnert sich Tobias Engelhardt, Techniker in der Abteilung Objektmanagement im Isar Klinikum München und verantwortlich für die Zutrittskontrolle.

Viel Rennerei

Eine mechatronische Anlage war zwar in Teilen der Liegenschaft installiert. Für Engelhardt gestaltete sich die Verwaltung dennoch unübersichtlich und aufwändig: „Wir mussten bei Änderungen immer erst vor Ort feststellen, ob Mechanik oder Mechatronik verbaut war, dann zurück zum Kodieren und wieder hin zum Programmieren – das war eine ständige Rennerei. Letztlich war aber auch die mechatronische Anlage viel zu unflexibel für unser Haus.“ Aus diesen Gründen entschlossen sich er und seine Kollegen für die Einführung einer einheitlichen und elektronischen Zutrittskontrolle. Neben der nutzerfreundlichen Bedienung – und damit erleichterten Verwaltung – stand auch die schnelle Vergabe von Zutrittsrechten im Mittelpunkt der Anforderungen. „Wir wollten zudem in der Lage sein, die Komponenten selbst einzubauen, um damit unsere Nutzungsanforderungen exakt abbilden zu können. Das System musste daher modular aufgebaut sein, was bedeutete, dass wir Komponenten bestellen, auf Lager legen und später einbauen können, unabhängig von der Tür“, erklärt Engelhardt.

Kurzbeschlag verdrängt Zylinder

Das Isar Klinikum hat sich in der Folge Angebote von vielen Seiten eingeholt. „Wir hatten die gesamte Branche im Haus“, präzisiert Tobias Engelhardt. Eigentlich sollte die neue Anlage vornehmlich aus elektronischen Zylindern bestehen. Der Grund hierfür lag in der schnellen und einfachen Montage. Aber dann kam der XS4 Mini von Salto auf den Markt und stellte die Auswahl auf den Kopf. Der elektronische Kurzbeschlag erfüllt die Anforderung nach einfacher Installation in gleichem Maße wie ein Zylinder, weil er auf der DIN-Lochgruppe für Türrosetten ohne zusätzliche Bohrung installiert werden kann. Darüber hinaus passt er mit seiner Bedienung viel besser in den Klinikalltag. Das betrifft insbesondere die weniger exponierte Position als die von Zylindern, deren Köpfe und Knäufe in Krankenhäusern gern Opfer anstoßender Betten werden.

Keine Bauchschmerzen

Den Zuschlag für die Ausstattung des Isar Klinikums erhielt das Unternehmen Pantera Schliessanlagen mit einer elektronischen Zutrittslösung auf Basis der XS4 System plattform von Salto. Tobias Engelhardt überzeugte vor allem die kompetente Beratung: „Pantera hat nicht nur verstanden, was wir wollten, sondern kannte sich auch mit den von ihnen angebotenen Systemfunktionalitäten detailliert aus. Das kann ich nicht von allen Firmen behaupten, die im Zuge dieser Ausschreibung hier waren. Obendrein stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis und wir haben alles in Einem erhalten, können also aufgrund des vielseitigen Produktportfolios von Salto alle gewünschten Türen in die Zutrittslösung einbinden.“ Daneben erfüllte das System auch die funktionalen Anforderungen, wie Offline-Vernetzung und Multiapplikation der Identmedien. „Die Zusammenarbeit mit Pantera ist absolut unkompliziert. Ich hatte nie Bauchschmerzen bei der Beratung oder Planung. Alles, was uns der Errichter empfohlen hat, ist für uns auch tatsächlich von Nutzen“, lobt Engelhardt. Er schätzt überdies die Reaktion auf seine Wünsche: „Viele unserer Anregungen wurden von Pantera und auch von Salto umgesetzt. Das zeugt von der Wertschätzung der Kunden.“

Offline- und Funk-Vernetzung sowie Online-Anbindung

Technologisch basiert die Zutrittslösung auf dem Salto Virtual Network (SVN) mit patentierter Schreib-Lese-Funktionalität und verschlüsselter Datenübertragung. Im SVN werden die Informationen zu den Schließberechtigungen auf dem Identmedium gespeichert, wodurch eine Verkabelung der elektronischen Beschläge und Zylinder entfällt. Gleichzeitig werden auch Informationen über gesperrte Identmedien oder beispielsweise Batteriestände in den Beschlägen und Zylindern auf die Identmedien geschrieben und somit weitergegeben. Die Online-Wandleser übertragen die ausgelesenen Daten an den zentralen Server und übermitteln gleichzeitig die aktuellen Schließberechtigungen auf die Identmedien. Ergänzt wird das SVN im Isar Klinikum an einigen Stellen um Wireless-Zutrittspunkte, die per Funk in Echtzeit überwacht werden. Hinzu kommen relativ viele online verkabelte Türen. „Hier spielte uns die neue XS4 2.0 Steuerung von Salto in die Hände, mit der wir bis zu zehn Türen über eine IP-Adresse online anbinden können. Außerdem lagen noch eine Menge BUS Leitungen von früheren Systemen, die wir ohne Aufwand weiternutzen konnten. Ursprünglich waren nur neun Online-Zutrittspunkte konzipiert, mittlerweile haben wir 53 ausgestattet“, erklärt Fritz Maurer, Senior Consultant bei Pantera Schliessanlagen.

Mehr als 1.200 Zutrittspunkte im Endausbau

Derzeit sind bereits mehr als 500 Zutrittspunkte im Isar Klinikum in die Zutrittslösung eingebunden. Das sind ungefähr 40 Prozent des Gesamtvolumens des Projekts. Weit über 300 elektronische Kurzbeschläge XS4 Mini sichern die Türen zu Büros, Stationen, Personalräumen, Personaltoiletten, Behandlungszimmern und Zimmern der Privatpatienten. An Außenzugängen, Zufahrten und Schleusen sind 55 XS4 2.0 Wandleser installiert, zwei davon mit kapazitiver PIN-Tastatur. Von den XS4 2.0 Steuerungen kommen 22 in der Online-Version und zehn als Offline- beziehungsweise Erweiterungssteuerung zum Einsatz – zwei Mal in der Konfiguration, dass vier Erweiterungssteuerungen an eine Online-Steuerung angeschlossen sind. Der elektronische XS4 Original Beschlag findet sich in der schmalen Version momentan an zehn Rohrrahmentüren und in der DIN-Version an 66 Brandschutztüren vornehmlich im Keller. Zwei elektronische Spindschlösser XS4 Locker steuern den Zugriff auf das Blutdepot und 32 elektronische XS4 GEO Zylinder sind an Glas- und Schiebetüren montiert. Neben den Türen sind Schranken, das Tiefgaragentor sowie die Lasten- und die OP-Aufzüge in die elektronische Zutrittslösung integriert.

Verwaltung für Klinik und Mieter

„Wir verwalten circa 1.200 aktive Karten für Ärzte, Pflegepersonal, Verwaltung, Technik und Reinigung. Hinzu kommen die Mitarbeiter unserer Mieter, die sich in unseren Gebäuden befinden, darunter etliche Praxen, der Sauter Elektronikmarkt sowie die Verwaltung und ein Restaurant von „Hans im Glück“. Außerdem gehören externe Dienstleister, wie Handwerker und Reinigungspersonal, sowie die Müllabfuhr, die auf das Gelände muss, dazu“, erklärt Tobias Engelhardt. Die Berechtigungsverwaltung erfolgt in der Abteilung Objektmanagement, wobei die Zutrittsgruppen feststehen und entsprechend vergeben werden. „Spezielle Wünsche können wir natürlich umsetzen, zum Beispiel wenn jemand abteilungsübergreifende Zutrittsrechte benötigt“, fügt er an.

Für die Verwaltung nutzt Engelhardt die Managementsoftware „ProAccess SPACE“ von Salto: „Besonders toll finde ich, dass man gleich sieht, welche Karten ein Update benötigen. Und die Plausibilitätsprüfung bei der Rechtevergabe ist eine große Hilfe, weil sie Fehlern vorbeugt.“ Fritz Maurer ergänzt: „Wegen der einfachen Handhabung der Software war lediglich eine Schulung über die Grundprinzipien nötig. Die haben wir gleich mit dem Kundenschließplan durchgeführt.“ Das Isar Klinikum startete mit dem Modul „Basic“ der Software und hat mittlerweile auf das Modul „ID-Sys“ aufgerüstet, weil damit auch Karten selbst gedruckt werden können. In Ergänzung zur Salto Software nutzt das Krankenhaus das Erweiterungsmodul „Notification“ von „SMAR - Tentry“ zur Überwachung einzelner Räume. Damit kann man sich per E-Mail oder SMS über Ereignisse informieren lassen, die besonders wichtig sind, ohne aktiv in der Software nachsehen zu müssen. Als Identmedien dienen Mifare-Schlüsselanhänger, die neben der Zutrittskontrolle auch für die Zeiterfassung und das Bezahlsystem genutzt werden. Das Projekt im Isar Klinikum ist noch nicht einmal zur Hälfte abgeschlossen, dennoch denkt man bereits über eine Erweiterung nach. So ist es durchaus möglich, auch die restlichen Patientenzimmer sowie die Spinde der Mitarbeiter und Patienten in das Zutrittskonzept aufzunehmen.

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