Fachartikel aus PROTECTOR Special Videoüberwachung 2017, S. 22 bis 27

PROTECTOR & WIK Forum Videosicherheit 2017 Digitalisiert gewinnt

Vernetzung und Digitalisierung sind zwei Schlagworte, denen man sich in der Sicherheitstechnik momentan kaum entziehen kann. In diesem Sinne werden auch immer öfter Videosysteme Teil von übergeordneten Sicherheitslösungen. Welche Vorteile ein einheitlicher Ansatz bieten kann, welche Faktoren zu beachten sind und welche Hürden genommen werden müssen, war Thema beim Videoforum 2017.

Bild: Michael Gückel
Teilnehmer des zweiten Tages (v.l.): Mike Plötz, Martin Scherrer, Albert Unterberger, Torsten Anstädt, Christof Knobloch, Andreas Albrecht, Markus Groben, Christian Zens, Stefan Dörenbach, Dirk Ostermann, Stephan Roth, Kester Brands, Michael Bölsterl. (Bild: Michael Gückel)

Moderator Dirk Ostermann steigt gleich zu Beginn des zweiten Forumstags mit einer knappen Zusammenfassung der Situation direkt in die Debatte ein: „Video, Zutritt, IP-Intercom, Gefahrenmanagment- systeme, Brandschutz – alles scheint im Zeitalter IP-basierter Systeme immer mehr miteinander zu verschmelzen – die Integration in jede Richtung wird vorangetrieben. Doch wem nützt dieser Trend und auf was müssen sich Hersteller, Errichter und Anwender in Zeiten zunehmender Digitalisierung und Vernetzung einstellen?“ Für Martin Scherrer von Siemens ist der Trend nicht nur auf die Technik allein begrenzt: „Die Digitalisierung bedeutet nicht nur, dass etwas technisch zusammenwächst und Gewerkegrenzen verwischen, auch hinsichtlich der Branchen und der organisatorischen Abläufe findet eine Konvergenz statt: Errichter, die früher nur Zutrittskontrolle installiert haben, müssen sich nun mit IT-Themen beschäftigen und ITler steigen verstärkt in die physische Sicherheit ein. Wichtig beim Zusammenwachsen ist aber die Datentransparenz und -Sicherheit. Der Kunde möchte verlässlich wissen, wie man die Systeme zusammenschaltet und wie er am Ende eine einheitliche Oberfläche benutzen kann.“

Einheitlichkeit herstellen

Den letzten Punkt findet auch Stefan Dörenbach von Genetec besonders wichtig. „Natürlich müssen die einzelnen Komponenten der Gewerke integriert werden, aber für den Kunden muss dies nicht unbedingt sichtbar sein. Endkunden wollen letztlich vor allem ein System aus einem Guss. Unsere Schwerpunkte sind momentan die Bereiche Videoüberwachung, Zutrittskontrolle und automatische Nummernschilderkennung. Durch das Internet der Dinge wird die Entwicklung aber weitergetrieben, so dass IT- Standards immer stärker den Ton angeben.“ An eine anhaltende Entwicklung in diese Richtung glaubt auch Kester Brands von Tyco Security Procucts: „Das Zusammenwachsen von Gewerken wird weitergehen, denn das sind die Anforderungen im Markt. Und es betrifft nicht nur die Sicherheitstechnik, sondern gerade auch das Gebäudemanagement, Heizung, Lüftung und anderes. Ich sehe uns langfristig eher als kleinen Baustein in der Gesamtlösung des Gebäudes. Auf der anderen Seite sehe ich eine Verstärkung des Trends auch aus dem Low-end-Bereich der Privatanwender, wo man immer stärker auf vernetzte Smart- Home-Lösungen unter Einbindung von Smartphone und Tablet zurückgreift. Wir stecken momentan noch irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.“

Statements
„Natürlich müssen die einzelnen Komponenten der Gewerke integriert werden, aber für den Kunden muss dies nicht unbedingt sichtbar sein. Endkunden wollen letztlich vor allem ein System aus einem Guss. Unsere Schwerpunkte sind momentan die Bereiche Videoüberwachung, Zutrittskontrolle und automatische Nummernschilderkennung. Durch das Internet der Dinge wird die Entwicklung aber weitergetrieben, so dass IT-Standards immer stärker den Ton angeben.“
Stefan Dörenbach, Regional Sales Manager DACH, Genetec Deutschland GmbH
„Es ist auch zu überlegen, welche Kundensegmente angesprochen werden. Es gibt Kunden, die gar kein übergeordnetes Managementsystem möchten, sondern nur ein Zusammenspiel der Gewerke auf der Controller-Ebene wünschen. Dies ist oft der Fall bei Video- und Zutrittsysteme. Solche Systeme sind zum Beispiel für einen Campus oder kleinere Liegenschaften interessant. Auf der anderen Seite gibt es natürlich kritische Infrastrukturprojekte, dort werden 50 Schnittstellen benötigt, die zu realisieren sind und in einer Industrieleitstelle zusammengeführt werden. Welche Größenordnung auch immer, eine Form der Interoperabilität, wird bei fast allen Kunden in meinen Projekten gefordert.“
Martin Scherrer, Head of Advanced Security Center (ASC), Siemens Building Techologies
„Eine große Frage für den Markt und das Marktpotenzial ist auch die Komplexität der Schnittstelle. Wie schwer ist etwas umzusetzen? Wir haben dort draußen Errichter, die kommen aus der klassischen IT und welche die kommen aus der analogen Videowelt. Beide haben unterschiedliches Know-how und werden kundenindividuell vernetzte Systeme nur dann anbieten, wenn die nötigen Schnittstellen nicht zu komplex sind. Andernfalls lassen sie diesen riesigen Markt leider lieber unerschlossen.“
Christian Zens, Business Development Manager, Physical Security, Ingram Micro Distribution GmbH

Einflüsse aus dem Privatbereich

Dass es auf Kundenseite durchaus abweichende Erwartungshaltungen gibt, kann auch Michael Bölsterl von Schmid Alarm bestätigen: „Die Anforderungen der Kunden sind aus unserer Sicht sehr unterschiedlich, auch das Maß an Know-how ist sehr verschieden. Es gibt IT-affine Kunden, die sich mit der Materie beschäftigen und genau wissen was sie wie integriert haben möchten. Wenn ich beispielsweise jedoch im Privatkundensegment unterwegs bin, dann will der Kunde sich nicht groß mit Schnittstellen auseinandersetzen, sondern eine Smartphone-fähige Lösung nutzen, die heute vielleicht aus Komponenten von Hersteller A und morgen von Hersteller B besteht. Alles soll möglichst einfach funktionieren.“ Mike Plötz von Accellence sieht bereits Auswirkungen aus dem Privatkundensegment: „Das Phänomen der smarten Vernetzung beschränkt sich nicht auf den Privatanwender, wir sehen das auch bei kleineren Unternehmen, bei denen die Sicherheit nicht so im Vordergrund steht.

Für diese Kunden muss eine Zutritts- oder Video-Lösung in erster Linie günstig sein und sich durch schnelles Zusammenstecken in Betrieb nehmen lassen. Bei den Kunden des mittleren oder größeren Kalibers, merken wir auch, dass diese bei einer Integration immer unter einer einheitlichen Oberfläche arbeiten wollen. Da ist es heute nicht ungewöhnlich, dass man Intercom-Systeme tief in die Videomanagementsoftware integriert, gleiches gilt auch für andere Sicherheitsgewerke – Türsteuerungen, Brand- oder Einbruchmeldesysteme und einiges andere.“ Christian Zens von Ingram Micro zieht den Vergleich zu anderen Segmenten: „Wenn man betrachtet, wie die Entwicklungen in anderen IT-Bereichen verlaufen sind, sei es bei PCs oder in der Netzwerktechnik, so kann man sagen, dass sich vieles aus dem Bedarf des Endkunden heraus ergibt. Und so ist es bei der Sicherheitstechnik auch: Der Kunde möchte in seinem Smart Home, Zutritt und Video und alle anderen Systeme zusammenbringen. Und dieser Bedarf entwickelt sich früher oder später auch in die Unternehmenslösungen hinein, vielleicht haben wir noch ein paar Jahre Zeit, aber es wird so kommen.“

Tetris oder Bildhauerei?

Immer wichtiger für die Verbindung von Systemen und Komponenten wird die Software, die richtig konzipiert werden muss. Albert Unterberger von Seetec gibt zu bedenken: „Skalierung spielt für Videomanagementsysteme eine zentrale Rolle – sie ist sozusagen der Schlüssel, um mit einer Software sowohl kleine, mittlere wie auch sehr große Systeme realisieren zu können. Sehr oft sehen wir auch die Anforderung, mehrere Gewerke in das VMS über Schnittstellen zu integrieren, ihre Daten zu verknüpfen und alle über eine Oberfläche zu bedienen beziehungsweise zu visualisieren. Dabei muss man wissen, dass vor allem Kunden aus dem Enterprise-Segment eine klare System-Verantwortlichkeit sehen wollen, wer am Ende für die Lösung geradesteht. Seetec hat über die Jahre eine sehr große Anzahl professioneller Schnittstellenpartnern für Zutrittskontrolle, Videoanalysen, Gefahrenmanagementsysteme, EMA und vieles mehr gewonnen, auf die alle unsere Partner sowie deren Endkunden Zugriff haben. Die Aufgabe für uns als Anbieter von Lösungen ist es auch, unsere Partner von der Planung über die Inbetriebnahme bis hin zur Wartung aktiv zu begleiten.“ Einen etwas anderen Ansatz propagiert Stefan Dörenbach: „Unsere Kernkompetenzen liegt in den Bereichen Videoüberwachung, Zutrittskontrolle und Kennzeichenerkennung, die wir in einem Produkt vereinen. Die Integration unterscheidet sich bei uns aber deutlich von dem weit verbreiteten Tetris-Gedanken. Wir sprechen bei Genetec von einer Unification, einer Vereinheitlichung, bei der die Produkte so tief integriert sind, dass es keine Schnittstelle zu Drittsystemen braucht. Wir liefern ein Komplettsystem – unabhängig davon, ob diese Systeme zuverlässig miteinander funktionieren oder nicht.“

Gewichtung bedenken

Wie praxistauglich eine Software für vernetze Anwendungen ist, hängt für Torsten Anstädt auch von ihrer Historie und den Schwerpunkten des Anbieters ab: „Es geht auch um den Werdegang einer Software: Manche kommen aus dem Gebäudemanagement, andere aus der Videoüberwachung. Und für den Kunden kommt es darauf an, wo seine Anforderungen schwerpunktmäßig liegen. Wie viel Video wird tatsächlich benötigt? Liegt das Hauptaugenmerk auf dem Gebäudemanagement oder auf ganz anderen Dingen? Man kann schnell schlechte Erfahrungen machen, wenn die Architektur der Software beispielsweise nicht sehr videotauglich ist, man aber hunderte Kameras einbinden will. Dann braucht man statt einem Server plötzlich 20. Generell kann man schon sagen, dass Gebäudemanagement-Software verstärkt auch die Funktion eines VMS übernimmt, aber man muss sich der Grenzen bewusst sein.“ Stephan Roth von PCS findet ebenfalls, man sollte nach den Wünschen des Kunden abwägen: „Durch Vernetzung und Digitalisierung werden sich deutlich mehr Möglichkeiten in der Praxis eröffnen, aber trotzdem muss man nicht zwangsläufig immer komplette Gewerke verschmelzen, so dass die Systeme von Video, Zutritt und Gefahrenmanagement eins werden. Es können auch Einzelkomponenten sein, die intelligent kombiniert werden. Denn man muss auch bedenken: Der Kunde möchte gerne alles haben, aber sein Budget stimmt nicht immer mit den Wünschen überein, dann muss man auch in der Lage sein, in etwas etwas kleineren Maßstäben zu denken.“

Bewusstsein schaffen

Das Verschmelzen der Gewerke und die Vernetzung der Systeme haben Auswirkungen auf die Technik, da die IT verstärkt zur gemeinsame Basisarchitektur wird. Doch genau dies bedingt noch andere Aspekte. So müssen sich Anwender und Errichter klar werden, wie man mit diesen Systemen umgeht und was eine Umstellung noch nach sich zieht. Markus Groben vom Ingenieurbüro Groben Ingenieure appelliert: „Nicht alle sind sich der Tatsache bewusst, dass Sicherheitstechnische Anlagen heute ITsprich Rechnersysteme sind. Das muss man klar kommunizieren. Niemand stellt heute infrage, dass die Unternehmens-IT kritisch ist und dass man sich darum kümmern muss. Spätestens nach den letzten Hackerangriffen sind da einige aufgewacht. Und man muss einsehen, dass IT Geld kostet und einer regelmäßigen Wartung bedarf. Es geht eben nicht nur um eine Brandmeldeanlage, die ich regelmäßig warten und instandhalten muss. Es geht um IT-Systeme, zu welchen natürlich auch Software gehört.“ Für Mike Plötz gehört das ebenfalls zusammen: „Das Thema Wartungsverträge ist bei Softwaresystemen ein großes Thema und wird von unseren Kunden auch als selbstverständlich angesehen. Es gibt bei uns kein System, das ohne Wartungsvertrag rausgeht, nicht weil wir das unbedingt verkaufen wollen, sondern weil es der Kunde wünscht.“

Statements
„Das Zusammenwachsen von Gewerken wird weitergehen, denn das sind die Anforderungen im Markt. Und es betrifft nicht nur die Sicherheitstechnik, sondern gerade auch das Gebäudemanagement, Heizung, Lüftung und anderes. Ich sehe uns langfristig eher als kleinen Baustein in der Gesamtlösung des Gebäudes. Auf der anderen Seite sehe ich eine Verstärkung des Trends auch aus dem Low-end-Bereich der Privatanwender, wo man immer stärker auf vernetzte Smart-Home-Lösungen unter Einbindung von Smartphone und Tablet zurückgreift. Wir stecken momentan noch irgendwo zwischen diesen beiden Extremen.“
Kester Peter Brands, Regional Sales Manager Europe, Tyco Security Products
„Wenn wir die Integration der Sicherheitsgewerke voranbringen wollen, müssen wir die Vorteile aufzeigen und für ein Aha-Erlebnis beim Kunden sorgen. Oftmals ist gar nicht bekannt, was alles möglich ist. Denn es ist an vielen Stellen noch nicht das Bewusstsein da, was man mit einer cleveren Kombinationen aus Video und Zutrittskontrolle möglich machen kann. Es müssen nicht einmal komplette Managementsysteme sein, es lassen sich auch Teilkomponenten integrieren, beispielsweise Scheinwerfer oder Netzwerklautsprecher, die durch die Zutrittskontrolle angesteuert werden.“
Stephan Roth, Produktmanager Software & Video, PCS Systemtechnik GmbH
„Die Anforderungen der Kunden sind aus unserer Sicht sehr unterschiedlich, auch das Maß an Know-how ist sehr verschieden. Es gibt IT-affine Kunden, die sich mit der Materie beschäftigen und genau wissen was sie wie integriert haben möchten. Wenn ich beispielsweise jedoch im Privatkundensegment unterwegs bin, dann will der Kunde sich nicht groß mit Schnittstellen auseinandersetzen, sondern eine Smartphone-fähige Lösung nutzen, die heute vielleicht aus Komponenten von Hersteller A und morgen von Hersteller B besteht. Alles soll möglichst einfach funktionieren.“
Michael Bölsterl, Technischer Leiter – Großkunden, Schmid Alarm GmbH

Wartung lohnt sich

Diese Bereitschaft ist aber noch nicht überall flächendeckend verbreitet, wie Michael Bölsterl berichtet: „Für uns ist im klassischen Errichtergeschäft bei Einbruch- und Brandmeldeanlagen die Wartung eigentlich gesetzt, denn hier gibt es entsprechende Regularien, dass und wie diese durchzuführen ist. Im Videobereich sind die Vorschriften oft nicht so eindeutig. Viele Kunden versuchen deshalb, bei der Wartung Kosten zu sparen. Das ist insofern zu kurz gedacht, da serverbasierte Systeme ein gewisses Maß an kontinuierlicher Pflege benötigen. Hier muss man oftmals ganz intensiv mit den Entscheidern diskutieren, um Software-Wartungsverträge und sinnvolle Updates zu ermöglichen. Für Entscheider, die aus der IT kommen ist diese Art von Verträgen oft selbstverständlich.“ Für Kester Brands ist es eine Frage der Perspektive: „Den Mehrwert einer regelmäßigen und auch vorbeugenden Wartung erkennt der Kunde oftmals nicht gleich, er sieht erst einmal nur die Kosten.

Also muss er informiert werden, dass er mit Software-Wartung und -Updates auch einen Mehrwert in Form von mehr Sicherheit, Funktionalität und Qualität bekommt. Auch werden Treiber neuer Geräte implementiert, was den Einsatz flexibler macht. Die regelmäßige Wartung beugt auch Ausfällen vor, die ebenfalls Kosten verursachen.“ Aber nicht nur Wartung lohnt sich, auch die generelle Integration, die zunächst teurer erscheint, zahlt sich aus, wie Torsten Anstädt an einem Beispiel erläutert: „Für größere Kunden ist es eigentlich immer günstiger, eine gemeinsame Lösung zu haben. Wir haben beispielsweise eine Plattform für eine ganze Kette von Parkhäusern, in denen unsere Kameras installiert sind. Dort ist aber auch Intercom und Zutrittskontrolle in das Videomanagement eingebunden. Je nach Kundenanforderung lassen sich auch diverse Systeme einbinden. Dieses Gesamtpaket ist für den Kunden am Ende des Tages günstiger, weil er im Zuge einer Zentralisierung mehrere Gewerke von hunderten Standorten gemeinsam administrieren und überwachen kann. Gleiches lässt sich für Möbelhäuser oder beliebige andere Anwendungen adaptieren.“

Vernetzung im Öffentlichen

Eine weiter gefasste Anwendung bringt Stefan Dörenbach in die Diskussion ein: „Vernetzung ist derzeit in aller Munde, denken wir einmal an den Ansatz der Smart City. Hier greift man auf genau diese gewerkeübergreifende Integration zurück. Hier lassen sich zahlreiche Bereiche wie Lichtsteuerung, öffentliche Verkehrsmittel, Polizei, Feuerwehr und vieles mehr direkt miteinander vernetzen. In einer solchen smarten Stadt können sogar private Anbieter auf das System aufgeschaltet werden. Wir müssen aber auch im Unternehmensumfeld, im Sicherheitsbereich die hohen Anforderungen an den Datenschutz berücksichtigen.“ Für Christof Knobloch von IPS kommt das nicht von ungefähr: „Letztlich ist es schon seit jeher ein Wechselspiel zwischen Bestrebungen nach einem Erhalt des Datenschutzes und Interessen der Sicherheit. Die Vernetzung wirft hier neue Fragen auf und viele Anbieter möchten Einblick in andere Systeme.

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Auch ein Zugriff durch Sicherheitsbehörden muss diskutiert werden. Wie weit kann man einen solchen Zugriff erlauben? Ein allumfassender Zugriff ist sicher für den einzelnen nicht wünschenswert, jedoch wird ein gewisses Maß an Daten bei einer Vernetzung – gerade im öffentlichen Raum – immer ausgetauscht werden.“ Für Kester Brands ist das ein eher deutsches Phänomen: „Wir sind in Europa und speziell in Deutschland noch etwas zurückhaltend in diesen Dingen, bedingt durch unsere selbst auferlegen Regularien. Schauen wir nach England, dort hängen an jeder Straßenlaterne fünf oder sechs Kameras, und hier haben Organe, wie beispielsweise die Polizei, oft direkten Zugriff auf Bildmaterial. Was dort Praxis ist, wäre hier undenkbar. Hierzulande brauchen wir nicht daran denken, private Systeme zu vernetzen und den Zugriff zu erlauben.“ Albert Unterberger glaubt auch hier an langsame Veränderung: „Unsere Datenschutzgesetze wurden aufgrund der Gefährdungslage zu Gunsten der Videoüberwachung verändert. Das geht nicht immer so schnell, wie das vielleicht in manchen Bereichen notwendig wäre und es heißt auch nicht, dass alles erlaubt ist. Es erleichtert jedoch den sinnvollen Einsatz von Videotechnik in öffentlich zugänglichen Bereichen wie beispielsweise an Bahnhöfen, in Bussen, Zügen, Stadien, Weihnachtsmärkten und dergleichen.“ Die Bandbreite an vernetzbaren Systemen ist also extrem groß, vom einzelnen Smart Home über digitalisierte Industriekomplexe bis hin zur vollkommen vernetzten Stadt. Die Sicherheitstechnik wird in allen Bereichen weiter ihren Platz haben, in welche Form und mit welchen Beteiligten wird sich in den nächsten Jahren herauskristallisieren, wenn der Prozess weiter vorangeschritten ist. Anbieter und Errichter sind jedenfalls gut beraten, sich mit den neuen Möglichkeiten zu befassen und einmal über den Tellerrand des eigenen Gewerks hinaus zu blicken.

Michael Gückel

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