Fachartikel aus PROTECTOR Special Videoüberwachung 2017, S. 38 bis 39

Vorzüge des Live-Streamings Sofort im Bilde

Bodycams erfreuen sich bei Einsatzkräften steigender Beliebtheit, da sie Abläufe zweifelsfrei dokumentieren können. Neben der reinen Aufzeichnung bietet aber vor allem ein Live-
Streaming der Bilder weitere wesentliche Vorteile.

Bild: Digital Barriers
Die Live-Videodaten können auch auf Mobilgeräten angezeigt werden. (Bild: Digital Barriers)

Nicht nur Polizisten und andere Einsatzkräfte werden zunehmend mit Bodycams ausgestattet, auch andere Organisationen erkennen die Vorteile. So wurden im August 2017 die Beamten der Nordenglischen Umweltagentur auf einer illegalen Mülldeponie gewalttätig angegriffen, woraufhin sie mit Bodycams ausgestattet wurden. Auch die Feuerwehr Großbritanniens wurde in der zweiten Hälfte des Jahres 2016 vielerorts mit den Kameras ausgerüstet. Dennoch muss man feststellen, dass die Kameras, die benutzt werden, oft weit hinter dem aktuell technisch Möglichen zurückbleiben – und dies obwohl der Preisunterschied meist nicht sonderlich groß ist. Der Nachteil ist, dass die Kameras, die von Polizei oder Feuerwehr gekauft werden, nur aufzeichnen können, so wie es auch ein klassischer Camcorder tut. Das ist gut zur Dokumentation und zur Abwehr von Angreifern, jedoch können Bodycams noch viel mehr leisten.

Mehr als Aufzeichnung

Die Hauptaufgabe der Kameras ist heute die Aufzeichnung von Vorfällen, um Beweise zu sichern. Auch wird häufig angeführt, dass die Kameras Vorwürfe und Gewalt gegen Polizisten vermindern. Diesen Aspekt greift auch eine aktuelle Studie der Cambridge-University auf, die belegt, dass die Vorwürfe gegen Polizisten deutlich sinken. Jedoch kommt die gleiche Studie zu dem Schluss, dass Angriffe auf Beamten mit Bodycams um 15 Prozent gestiegen waren. Das erschließt sich aus der Tatsache, dass Kriminelle ungern auf Video aufgezeichnet werden wollen und daher versuchen, die in der Kamera gespeicherten Beweise zu zerstören. Die Organisation Big Brother Watch hat kürzlich herausgefunden, dass nahezu drei Viertel der Polizeikräfte in Großbritannien mit Bodycams ausgerüstet sind, was ungefähren Ausgaben von 22 Millionen Pfund für nahezu 48.000 Geräte entspricht. All diese Kameras beschränken sich darauf, Video nur aufzuzeichnen. Für diese enorme Summe an Geld ließe sich eine viel bessere Strafverfolgung und Deliktahndung erreichen, dazu bräuchte es nur Bodycams, die Live-Streaming beherrschen.

Vorbild Bürger

Anders als die Polizei, gehen immer mehr Bürger dazu über, Notfälle mit Live-Videos aus ihren Smartphones zu übertragen, sei es über Facebook oder Periscope. Die Feuerwehr der West Midlands geht sogar soweit, Bürger dazu zu ermutigen, Vorfälle über die Testplattform 999Eye an sie zu streamen. Aufgezeichnetes Material ist nützlich bei der Beweissammlung, aber viel nützlicher sind die Daten im Hier und Jetzt. Einsatzkräfte können unmittelbar und richtig reagieren. So ist etwa sofort klar, wie viele Personen betroffen sind, welche Ausrüstung vor Ort benötigt wird oder ob man Verstärkung schicken muss. Die Möglichkeit, die Vorfälle live zu verfolgen, erlaubt es den Verantwortlichen, fundierte Entscheidungen zu treffen. So ist man immer im Bilde, wie sich eine Situation entwickelt, ob sie zu eskalieren droht, ob man Funkkontakt herstellen muss oder ob zusätzliche Einsatzkräfte vonnöten sind. Da die Mitarbeiter in den Leitstellen oft nur 90 Sekunden Zeit haben, um sich zu entscheiden, welche Einsatzkräfte sie zu einem Notfall schicken, ist ein Live-Video eine große Hilfe. Es scheint daher widersprüchlich, die Öffentlichkeit zu ermutigen, Live-Videos zu senden, die eigenen Beamten aber nicht mit dieser Möglichkeit auszustatten.

Gründe für die Zurückhaltung

Warum also nutzt die Polizei nicht schon flächendeckend Live-Video? Hauptsächlich, weil es relativ anspruchsvoll ist, Videos verlässlich über Mobilfunknetze zu übertragen, es zu empfangen ist dagegen einfacher möglich. Üblicherweise treten bei der Übertragung Streaming-Ausfälle und -verzögerungen auf, die für Einsatzleitstellen nicht akzeptabel sind, sie benötigen Videodaten in Echtzeit mit Null Latenz. Die Videodaten müssen zudem eine ausreichend hohe Qualität besitzen, selbst wenn sich der Beamte mit der Kamera bewegt und so Schwankungen in der Signalstärke auftreten. Video und Audio müssen stets synchron laufen, so dass keine Verwirrung entstehen kann, wer in einer Szene mit mehreren Personen welche Äußerungen getätigt hat. Deshalb wird eine spezielle Technik benötigt, die mit schlechten und wechselnden Bandbreiten umgehen kann und die das benötigte Live-Video in der passenden Qualität liefert. Nur so lässt sich die unmittelbare Entscheidungsfindung durch lokal präsente und entfernt agierende Teammitglieder zuverlässig realisieren.

Verlässlicher Ansatz

Digital Barriers nutzt für die Übertragung von Live-Videos einen speziellen Edgevis- Codec, der auch bei sehr kleiner Bandbreite noch zuverlässig arbeitet und so in schwachen Netzwerken operieren kann. Eine ergänzende Technologie erschafft eine lokale „Blase“ um die Szene, die mittels WLAN oder vernetzten Funktechniken arbeitet. So wird vor Ort eine hohe Bandbreite gewährleistet, die per Mobilfunk oder sogar Satellit mit der Einsatzleitstelle gekoppelt wird. Außerdem werden in Europa spezielle bandbreitenstarke Netze für Einsatzkräfte aufgerüstet. Welche Methode auch zum Einsatz kommt, die lokalen Videosysteme sollten nur lose mit der Kommunikationstechnik gekoppelt werden, da dies ein Upgrade auf jeder Seite ohne die große Investition für einen Komplettaustausch ermöglicht.

Gesichtserkennung inklusive

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Sobald die Bodycam vernetzt arbeitet, bietet sie auch die Möglichkeit für weitere Verbesserungen. So kann etwa die Posi tion jedes Beamten auf einer Karte angezeigt werden. Oder aber man integriert eine Gesichtserkennung, die einen enormen Mehrwert vor Ort bieten kann, da der Beamte durch einen simplen Knopfdruck an der Kamera eine Erkennung veranlassen kann. Die Einsatzleitstelle entscheidet daraufhin, ob eine Person im Falle eines Treffers festgenommen werden soll. Die Technologie kann dabei Gesichter in einer Menschenmenge erkennen und mit einer bestehenden Datenbank abgleichen, etwa bezogen auf Terrorismus oder vermisste Personen. Eine Person in Echtzeit mit solchen Listen abzugleichen, bietet viele neue Möglichkeiten und bringt eine zusätzliche Ebene mit Fakten in den Entscheidungsprozess ein. Es vermindert auch die Wahrscheinlichkeit der Diskriminierung bei Kontrollen. Die Technik hilft den Polizisten zudem, sich in gefährlichen oder sensiblen Situationen bestmöglich zu verhalten. Diese Weiterentwicklungen bedeuten verglichen mit dem reinen Aufzeichnen einen entscheidenden Mehrwert. Bei vergleichbaren Kosten bietet ein System mit Live-Streaming über den Lebenszyklus der Kameras einen wesentlich größeren Return on Investment.

Marie Clutterbuck, Marketing & Solutions Director, Digital Barriers plc.

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