Fachartikel aus PROTECTOR Special Videoüberwachung 2017, S. 48 bis 49

Datenmanagement in der Sicherheitsbranche Die Zukunft der Datenspeicherung

Seit über dreißig Jahren lässt sich im Surveillance-Umfeld beobachten, wie sich die Branche entwickelt. Zu Beginn waren Sicherheitskameras schlicht analoge Geräte, aber dank Fortschritten in den Bereichen HDTV, Videokompression und natürlich Stromversorgung über Ethernet bestimmen heute IP-Kameras das Bild – und die Branche steht wieder an der Spitze des technischen Fortschritts.

Bild: NicoElNino/Fotolia
Mit steigenden Datenmengen stellt sich die Frage, wo und wie diese gespeichert werden können. Eine Lösung bieten Speicherung und Videozugang in der Cloud. (Bild: NicoElNino/Fotolia)

Die Videoüberwachungs- branche ist ein komplexes Ökosystem aus Kameras, Speichermöglichkeiten, Software, diverser anderer Hardware und professionellen Dienstleistungen. Alle Bereiche der Branche zeigen hohe Wachstumsraten, sodass das Marktvolumen bis 2020 auf voraussichtlich 40,8 Milliarden US-Dollar wachsen wird. Auf der diesjährigen Ifsec in London gab es eine Experten-Podiumsdiskussion unter anderem mit Hikvision, Axis Communications und Panasonic. Dort wurden einige der Trends und Technologien diskutiert, die in Zukunft die Videoüberwachung prägen werden. Große Chancen für die Branche werden darin bestehen, neue technologische Praktiken – insbesondere rund um das Internet der Dinge, Cloud Storage, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz (KI) – zu übernehmen. Doch wie genau werden diese Trends die Videoüberwachung in Zukunft gestalten?

Durchbruch der Connected Devices

Vor kurzem haben Seagate und IDC ein Whitepaper zum Datenwachstum in den nächsten acht Jahren veröffentlicht. Darin wurden die Faktoren genauer betrachtet, die zum rasanten Anstieg der weltweiten Datenmenge beitragen. Diese soll bis zum Jahr 2025 auf 163 Zettabyte steigen. Einer der zentralen Gründe hierfür ist die Verbreitung von Connected Devices durch das Internet der Dinge. Speziell im Bereich Surveillance macht sich dies durch Drohnen und andere tragbare Sicherheitsgeräte, die ständig online und miteinander verbunden sind, bemerkbar. Angesichts der vielen neuen Datensätze, die erstellt und getrackt werden, müssen wir auch darüber nachdenken, wie dieses Mehr an Daten verwaltet wird. Seagate beschäftigt sich schon heute mit dieser Herausforderung und hat beispielsweise gemeinsam mit dem Drohnenhersteller DJI die Festplatte Fly Drive entwickelt. Sie ermöglicht es Drohnenpiloten, Foto- und Videoinhalte durch einen integrierten MicroSD- Kartensteckplatz effizient zu sichern.

Das Internet der Dinge

Wenn das Internet der Dinge einer der größten Treiber des Datenzeitalters ist, müssen wir beobachten, wie diese verbundenen Geräte – ob Kameras oder Sensoren – mit Menschen interagieren und welche neuen Möglichkeiten dadurch geschaffen werden können. Während der erwähnten Podiumsdiskussion sprach man über den Aufstieg von Smart Cities wie Singapur und darüber, wie die Verwendung von Echtzeit-Daten aus verbundenen Geräten und Kameras dazu beitragen können, Notdienste oder offizielle Stellen zu informieren, wo Hilfe gebraucht wird. Ähnlich großes Potenzial besteht beispielsweise für Händler darin, Wärmeabbildungssensoren und Daten von Kameras zu verwenden, um Kundenbewegungen in Echtzeit zu verfolgen und dadurch die Ladengestaltung für ein angenehmeres, sichereres Einkaufserlebnis zu optimieren.

Video in der Cloud

Mit dem Durchbruch von Connected Devices und den dadurch steigenden Datenmengen geht aber oft auch die Frage einher, wo und wie diese Daten gespeichert werden können. Gespräche dazu drehen sich bereits häufig um Speicherung und Videozugang in der Cloud. Als Verbraucher sind wir dank Streaming-Diensten wie Netflix und Spotify mit der Cloud bereits sehr vertraut – oft ohne es zu bemerken. Cloud Storage ist aber auch für die Videoüberwachung ein wichtiges Thema, das viele Vorteile bietet. Zum einen werden die Daten in einem zentralen, gemeinsam genutzten System gespeichert, sodass Benutzer schnell und einfach von überall auf den Inhalt zugreifen können. Zum anderen ist es möglich, ein Cloud-basiertes Produkt kontinuierlich und oft sogar in Echtzeit zu verbessern. Sobald Verbesserungen vorgenommen wurden, sind diese sofort sichtbar und für Kunden verfügbar.

Datennutzung verändert sich

Ein wichtiger Treiber für den Wandel zu einer Cloud-basierten, schnell zugänglichen mobilen Datennutzung ist, dass Daten nicht nur für Unternehmen, sondern auch für viele Alltagssituationen zunehmend zu einem entscheidenden Faktor geworden sind. Die Untersuchung mit IDC zeigt, dass sich die Datennutzung verändert und nun hinsichtlich ihrer Wichtigkeit analysiert werden muss. Im Hinblick auf Smart Cities sind Echtzeitdaten von Verkehrsüberwachungskameras und Ampelsensoren entscheidend, um sicherzustellen, dass Menschen nicht in Unfälle geraten oder beispielsweise lange Staus verursachen. Der schnelle Zugriff auf Daten durch einen Cloud-basierten Service könnte einen signifikanten Unterschied in der effektiven Bereitstellung dieser Art von hyperkritischen Lösungen machen. Bei der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass einige Länder, wie Großbritannien, noch sehr mit der Verbreitung dieser Technologie hadern, obwohl Videospeicherung und -nutzung in der Cloud schon längst Alltag geworden sind. Das liegt überwiegend an Bandbreitenbeschränkungen, um Videomaterial in die Cloud hochzuladen. Das muss sich ändern, wenn sich eine verlässliche Nutzung der Technologie durchsetzen soll.

Künstliche Intelligenz für Echtzeit-Analysen

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Die Nutzung und Integration von Daten in Unternehmen und unserem Leben hat zur hohen Bedeutung von Echtzeitdaten beigetragen. Solche Daten werden nicht nur zur Information genutzt, sondern auch, um Ereignisse vorauszusagen. Dies geschieht oftmals auch schon automatisiert. Infolgedessen sorgen maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz für großes Aufsehen in der Videoüberwachung. Das ist kein Wunder, denn die Chance für die Branche ist riesig: Wenn Sicherheitskräfte und Notdienste Daten, die mittels künstlicher Intelligenz erzeugt werden, nutzen können, um intelligente Vorhersagen zu machen, werden diese dazu beitragen, präventive und Echtzeit-Taktiken aus unseren Überwachungsaktivitäten zu verbessern, anstatt Daten in erster Linie als einen Berichterstattungsprozess für forensische Einsichten zu verstehen. Dank KI wird man sehen, dass die Branche proaktiver wird, weil maschinelles Lernen in der Lage ist, Sicherheits- und Überwachungssituationen vorherzusagen, bevor sie passieren. Die gesamte Überwachungsbranche muss sich allerdings zusammenschließen, damit die verschiedenen Akteure zusammenarbeiten und Pläne erarbeiten können, um möglichen Problemen vorzubeugen. Die Kombination von Verkehrsdaten, Steuerungssystemen und Wetterdaten kann zum Beispiel dabei helfen, vorherzusagen, wann ein Verkehrsunfall passiert und Warnungen an Autofahrer herausgeben, um Unfallschäden zu verhindern. Im Laufe der Zeit wird die Nachfrage nach intelligenten Videoanalysen und -systemen zunehmen, weil immer mehr Branchen die Vorteile für ihre Anwendungen erkennen. dennoch Partnern und Kunden zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sie für diese Veränderung in der Verwaltung und Speicherung der Daten bereit sind, die sie brauchen.

Stephen Jones, Sales Engineer Surveillance, Seagate Technology LLC

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