Fachartikel aus PROTECTOR 11/2017, S. 30 bis 31

Videoanlagen planen lassen Punkten mit Projektkenntnis

Wenn Projekte aus dem Ruder laufen, hat das meist weniger mit mangelnder technischer Kompetenz zu tun als vielmehr mit vermeidbaren Planungsdefiziten. Wir haben bei Thorsten Reichegger, dem Leiter Consulting bei Videor Solutions, nachgefragt, welche Fehler unbedingt zu vermeiden sind und wie man den Planungsprozess unterstützen kann.

Bild: Videor
Im erarbeiteten Plan sind die Blickwinkel der Kameras dokumentiert. (Bild: Videor)

PROTECTOR & WIK: Herr Reichegger, was entscheidet gute von schlechter Projektplanung?

Thorsten Reichegger: Ich denke, die Zufriedenheit des Kunden ist hier der verlässlichste Indikator. Die geeignete Position einer Kamera und das erforderliche Modell zu bestimmen ist sicher sehr wichtig, doch gute Planung setzt voraus, dass der Errichter den Zweck, den der Kunde mit dieser Kamera verfolgt, wirklich verstanden und dokumentiert hat. Ist dies der Fall, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Sie später bei der Abnahme Sätze zu hören bekommen wie „Das habe ich mir anders vorgestellt“, „Da kann man ja gar kein Nummernschild erkennen“, „Nachts erkenne ich niemandem am Zaun“ oder „Der Betriebsrat möchte die Kamera da nicht haben“. Mit anderen Worten: Planung steht und fällt mit der Kommunikation. Sind auch wirklich alle Beteiligten einbezogen? Sind alle rechtsverbindlichen Richtlinien oder Regeln bekannt? Vergessen wir nicht, dass neben den DIN EN 62676-4 Anwendungsregeln für Videoüberwachungsanlagen, welche die DIN EN 50132-7 abgelöst haben, noch eine Reihe anderer Aspekte zu berücksichtigen sind. Ebenso wichtig wie die technischen Kriterien für Aufgaben wie Detektieren, Beobachten, Erkennen und Identifizieren und die jeweiligen Pixelangaben pro Meter sind Fragen zum Betrieb der Anlage und dem Betreiber. Es geht darum, wirklich alle Unbekannten in der Gleichung zu bestimmen. Hier kann das Consulting von Videor Solutions Errichtern Hilfestellung geben. Denn es ist sozusagen unser Kerngeschäft, die richtigen Fragen zu stellen. Und unsere erste Empfehlung an unsere Kunden lautet, einen Fragenkatalog oder eine Checkliste zu erarbeiten und diese bei der ersten Ortsbegehung mit so vielen Details wie möglich zu füllen – das ist zugegebenermaßen etwas aufwendig, wenn man das selbst macht, spart aber im weiteren Verlauf sehr viel Zeit und beugt überdies unliebsamen Überraschungen vor. Noch mehr Zeit spart man freilich, wenn man von Anfang an auf unsere Unterstützung zurückgreift.

Wie muss man sich die Unterstützung in diesem frühen Stadium vorstellen?

Unter anderem bieten wir unseren Kunden an, sie bei der Begehung zu begleiten. Wir wissen, auf welche Fragen es ankommt, um die Betriebsanforderungen im Sinne des Betreibers präzise festhalten zu können und beraten bei der Evaluation im Hinblick darauf, welche Kamera an welcher Position in Frage kommt. Auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen: Es ist wichtig, schon im Vorfeld gemeinsam mit dem Betreiber die technischen Grenzen abzustecken sowie rechtliche Vorgaben anzusprechen. Sind diese Themen geklärt, arbeiten wir in der Folge für den Kunden den Plan aus, wahlweise in 2D oder 3D. Übrigens ist ein Vororttermin hierfür nicht zwingend erforderlich, denn selbstverständlich erstellen wir diesen Plan auch auf Basis von Unterlagen, die der Kunde uns bereitstellt, zum Beispiel anhand von Grundrissplänen, Luftbildaufnahmen, Bildern der Begehung oder auch Auto-CAD-Dateien. In dem von uns erarbeiteten Plan sind die Blickwinkel der Kameras und die entsprechenden Auflösungen dokumentiert. Ebenso die jeweiligen Blickfelder einschließlich der gegebenenfalls vorab definierten Privatzonen. Zusammen mit der Dokumentation des Applikationszwecks und der Funktion, die die einzelnen Kameras darin haben, ergibt dies für den Errichter eine solide Grundlage für Gespräche mit dem Datenschutzbeauftragten oder dem Betriebsrat.

Wie steht es um Immobilien, die vorerst nur auf dem Reißbrett existieren?

Selbstverständlich können wir anhand der entsprechenden Architektenunterlagen auch für Gebäude, die sich noch in der Planungs- oder Bauphase befinden, die Videoüberwachung planen. Das ist insbesondere für Planungsbüros interessant, die mit unserer Unterstützung die Videoüberwachung von Anfang an als festes Gewerk mit entsprechender Verkabelung und Montage einplanen können. Anhand der Zeichnungen aus dem Architekten- oder Planungsbüro fertigen wir ein 3D-Modell an, in dem wir die Kameras positionieren, die benötigte Auflösung festlegen und die Lichtverhältnisse berücksichtigen können. Darüber hinaus bieten wir das Design des Videonetzwerks an, ermitteln die benötigte Bandbreite und stellen die passenden Komponenten zusammen.

Wer sind Ihre Zielgruppen?

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Als Lösungsanbieter für Physical Security ist unser Angebot nicht nur für den klassischen Errichter von Videoüberwachungsanlagen interessant, sondern für alle Akteure, die professionell mit Sicherheitstechnik befasst sind. Für klassische Errichterbetriebe kommt als besonderer Mehrwert hinzu, dass sie sich durch professionell gestaltete Planungsunterlagen von Wettbewerbern differenzieren können. Daher empfehlen wir auch, uns möglichst früh in die Planung von Projekten einzubeziehen. Hinzu kommt, dass die Projektkommunikation, die Ausarbeitungen und die Koordination im Projekt Zeit und Ressourcen benötigen. Je früher unsere Experten hinzugezogen werden, desto schneller kann der Kunde seine eigenen Ressourcen auf weitere Projekte verwenden. Mit einer professionellen Planung geht man gut vorbereitet in die Gespräche und ist in der Lage, dem Endkunden beziehungsweise Betreiber das Projekt zu veranschaulichen und zu erklären, warum diese oder jene Komponente eingesetzt werden sollte. Darüber hinaus lassen sich so die Möglichkeiten, nicht zuletzt aber auch die Grenzen der verfügbaren Technik aufzeigen.

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