Fachartikel aus PROTECTOR 11/2017, S. 66 bis 67

Frauen in der Sicherheitsbranche Eine Frage des Kopfes

Sicherheit ist längst keine reine Männerdomäne mehr – und trotzdem: Wer als Frau in der Sicherheitsbranche Fuß fassen will, hat es nicht immer leicht. Für eine Gleichberechtigung der Geschlechter scheint ein Paradigmenwechsel erforderlich. Doch können eine Frauenquote oder ein eigenes Netzwerk dieses vermeintliche Dilemma nachhaltig lösen?

Bild: ASIS Germany e.V.
ASIS Germany e.V. geht voran: Mit der „Women in Security“-Initiative sollen Frauen in der Sicherheitsbranche aktiv gefördert werden. (Bild: ASIS Germany e.V.)

Es war ein besonderer Höhepunkt, welchen die diesjährige Konferenz des ASIS Germany e.V. ihren Teilnehmern in Berlin bot: Im Rahmen seiner „Women in Security“-Initiative widmete der Verein den Frauen der Sicherheitsbranche einen eigenen Konferenztag. Und das Konzept kam an: Mit etwa 110 Besuchern war sie die größte Veranstaltung in der Geschichte des deutschen ASIS-Chapters – darunter zahlreiche weibliche Besucher, von welchen sich viele nach eigenen Angaben insbesondere aufgrund dieses Themenschwerpunktes zu einer Teilnahme an der Konferenz entschieden hatten.

Frauenquote?

Das Thema ist brisant, gelten Frauen in Sicherheitsfunktionen doch in vielen Unternehmen noch immer als Rarität. Dass sie ihren männlichen Kollegen jedoch in nichts nachstehen, wurde vor allem im Zuge einer Podiumsdiskussion deutlich: Dabei machten Sabine Wiedemann (Daimler), Regina Bauerochse (GIZ), Dr. Cosima Eggers (Airbus) und Rowena Fell (Ernst & Young) auch vor kritischen Themen nicht Halt. Beim Thema Frauenquote gingen die Meinungen teils deutlich auseinander. „Erfolg ist das Ergebnis harter Arbeit“, stellt Dr. Eggers klar. „Hierfür braucht es keine Quote.“ Etwas anders sieht es Wiedemann, welche die Einführung einer Frauenquote für Führungspositionen als kurzfristiges, aber dennoch notwendiges Mittel erachtet, um auch Frauen gleiche Perspektiven einzuräumen.

Brexit im Fokus

Weitgehende Einigkeit hingegen herrschte über die Notwendigkeit eines fachlichen Netzwerks, um Erfahrungen innerhalb der Branche auszutauschen – ein Ziel, dass sich ASIS mit seiner „Women in Security“-Initiative auf die Fahnen geschrieben hat. Zwar ist der Weg dorthin noch lang, doch hat sich die Sicherheitskultur und die Art der Kommunikation spürbar gewandelt – dem stimmten nicht nur die Frauen der Runde zu: „Wir arbeiten mit dem Kopf, nicht mit den Fäusten“, bringt es Oleg Popov, ASIS Chapter Russia, auf den Punkt. „Das gilt für Männer und Frauen gleichermaßen“. Doch auch jenseits dieses Themenschwerpunktes standen zahlreiche aktuelle Sicherheitsthemen auf dem Programm. Denn die Welt verändert sich – und mit ihr auch die Anforderungen an das Sicherheitsmanagement. Vor allem globalpolitische Themen spielen hierbei eine zentrale Rolle. Doch was bedeutet dies für die Praxis? Diese zentrale Fragestellung wurde im Rahmen prägnanter Fachvorträge eingehend beleuchtet. Welche Auswirkungen der Brexit auf die Sicherheitsbranche sowohl in Großbritannien als auch in der restlichen Europäischen Union bedeutet, machte Steve Massey (SjM Executive Security Consultancy) aus eigener Perspektive deutlich. „Nichts wird mehr sein, wie es war“, ist sich Massey sicher. Ebenfalls eine besondere Rolle in der Sicherheitswelt werde künftig die Politik der Weltmacht China spielen, wie Dr. Robert Haas – ehemals Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) darstellte.

Herausforderungen für die Sicherheit

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Unternehmen müssen sich auf die Auswirkungen dieser geopolitischen Veränderungen vorbereiten – auch mit Blick auf die Sicherheit. Welchen Herausforderungen sich Global Player im heutigen Zeitalter stellen müssen, stellte Gilad Solnik (Amazon) am Beispiel des eigenen Unternehmens dar. Dabei lautete seine Quintessenz: „Aufgabe der Unternehmenssicherheit ist es stets, Geschäfte zu ermöglichen, nicht zu verhindern.“ Im Anschluss an seinen Vortrag durfte sich Solnik über die begehrte Adler-Trophäe von ASIS freuen, welche er für seine herausragenden Erfolge in der Nachwuchsförderung erhielt. Auch Massey ehrte das Chapter für sein Lebenswerk in der Sicherheit. Popov erhielt die Trophäe für seine Erfolge in Russland und seine Unterstützung von ASIS. Für ihre literarischen Veröffentlichungen wurden Dr. Christoph Rojahn und Giovanni Ioele mit dem Buchpreis ausgezeichnet. Auch der Verein selbst zieht ein positives Resümee: Feride Yildirim und Denis Žiga wurden für ihren aktiven Einsatz in der Nachwuchsförderung sowie der „Women in Security“-Initiative von ASIS Germany e. V. mit einer Trophäe geehrt. Damit blickt ASIS Germany e. V. in eine vielversprechende Zukunft – hiervon zeugen auch die jüngst geschlossenen Partnerschaften mit dem russischen ASIS-Chapter sowie dem ASW Bundesverband und dem Business Continuity Institute (BCI). Mit dem erfolgreichen Abschluss der diesjährigen Veranstaltung wandert der Blick bereits auf die nächste Konferenz, welche vom 11. bis 13. September 2018 an der Frankfurter Wertpapierbörse in Frankfurt am Main stattfinden wird. Auch hier soll dem Thema „Women in Security“ wieder eine Plattform gegeben werden.

Manuel Weller, Social Media Officer bei ASIS Germany e.V.

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