Fachartikel aus PROTECTOR 12/2017, S. 36 bis 37

Einbruchmeldetechnik Der Faktor Zeit

Es kommt immer wieder vor, dass getroffene Schutzmaßnahmen nicht oder nicht ausreichend gegen kriminelle Handlungen schützen oder das Täterprofil bei der Planung des Sicherheitskonzeptes unterschätzt wird. Neueste technische, auf die Anforderungen des Marktes angepasste Produkte können hier Abhilfe schaffen, um Menschen, Privatsphäre und Vermögen zu schützen.

Bild: Sesam
Moderne Dualbewegungsmelder sichern bereits den Außenbereich ab. (Bild: Sesam)

Bei der Betrachtung und Bewertung von Sicherheits- maßnahmen – sei es im Bereich der mechanischen oder elektronischen Sicherheitstechnik, – wird auch immer die Frage gestellt: Mit welchen Täterprofil ist zu rechnen? In einem regulären privaten Haushalt unterstellt man dem Täter geringes bis mittleres Wissen, die getroffenen Sicherungsmaßnahmen zu überwinden. Je mehr Werte im Objekt zu erwarten sind, desto größer das Risiko, auf einen erfahreneren Täter zu treffen. Auch im gewerblichen Bereich, wo es unter Umständen nicht nur um Vermögenswerte, sondern auch Geschäftsausstattung oder wertvolle Informationen und Geschäftsgeheimnisse geht, ist das Risiko entsprechend höher. Nicht selten werden Objekte über einen längeren Zeitraum sondiert, wie es in Objekten mit Kundenverkehr sehr einfach möglich ist. Oder Täter verfügen über Insiderwissen.

Alte Konzepte gegen neue Bedrohungen

Bei einer konventionell geplanten Einbruchmeldeanlage beginnt der gesicherte Bereich an Tür und Fenster. Der Außenbereich hat hier keine Relevanz oder wird wegen zu hoher Kosten bei zum Beispiel Lichtschrankenlösungen nicht überwacht, obwohl genau dieser Bereich von großem Interesse sein sollte. Denn hier beginnt die Überwindung der Sicherheitstechnik. Und eine ganz wichtige Grenze, die vollständig außer Acht gelassen wird, ist bereits überschritten: die der Privatsphäre. Und dabei ist es irrelevant, ob gerade jemand zu Hause ist oder nicht.

Bewegungsmelder als Perimeterschutz

Seit einiger Zeit sind Dualbewegungsmelder am Markt erhältlich, die durch die Verwendung von Passiv-Infrarottechnik, gekoppelt mit einer digitalen Temperaturkompensation und fortschrittlicher Mikrowellentechnik, zuverlässig melden und Störeinflüsse, die normalerweise zu einem Falschalarm führen würden, ausblenden. Durch die Kombination verschiedener technischer Möglichkeiten, Bewegungen zu erkennen, und die damit verbundene Auswertung über moderner Prozessortechnik ergibt sich eine neue, enorm zuverlässige Generation von Bewegungsmeldern. Die vorab erläuterte Zuverlässigkeit bringt ganz neue Möglichkeiten. Denn ein solcher Melder findet seinen Platz besonders im Außenbereich. Hier kann er Gärten und Terrassen überwachen, Fensterfronten sichern, Bewegungen an der Hausfassade erkennen oder Aufstiegsmöglichkeiten wie Garagen, Balkone oder Vordächer absichern. Das bedeutet Prävention auf einem ganz anderen, neuen Standard. Kombiniert mit einer Einbruchmeldeanlage, die zwischen Gesamtscharfschaltung, Perimeterscharfschaltung und Anwesenheitsscharfschaltung unterscheiden kann, lässt sich dem Betreiber der Anlage ein ganz neues Konzept für Sicherheit an die Hand geben. Perimeterschutz wird so ein immer bedeutenderes Thema.

Herausforderungen im Außenbereich

Die wichtigsten Fehlerquellen, die durch die Technik zuverlässig gelöst werden müssen, sind einfach zu benennen: Witterungsbedingungen wie Temperatur und Feuchtigkeit, Regen und direkte Sonneneinstrahlung, Tiere im Außenbereich und nistende Insekten. Die speziell für den Außenbereich konzipierten Melder verfügen über Schutzklassen von IP 54 bis IP 65. Integrierte Temperaturkompensation garantiert eine zuverlässige Detektion, auch an heißen Tagen. Optionale Heizungen sind in den Meldern integrierbar. Tierimmunität kann je nach Melder garantiert werden – der interne Prozessor blendet deren Bewegungen aus. Fehlerquellen wie direkte Sonneneinstrahlung bei reinen Passiv-Infrarotmeldern ohne Mikrowellensensor müssen bei der Projektierung vom Errichter beachtet werden. Besonders empfehlenswert ist der Einsatz der verfügbaren Dualmelder. Speziell im Außenbereich ist es wichtig, dass Melder nicht manipuliert werden können. Die größten Risiken sind hier zum einen Abdecken, zum anderen das Umpositionieren, ohne dabei den Sabotagekontakt auszulösen. Hier sind Melder erhältlich, die eine zuverlässige, integrierte Abdecküberwachung beinhalten. Bei besonders empfindlichen Detektoren ist ein Beschleunigungssensor integriert, der Bewegungen des Melders selber erkennt und dann eine Sabotagemeldung absetzt.

Gewissheit auch bei Anwesenheit

Schutz und Sicherheit, auch wenn man sich gerade im Objekt befindet, und das Wissen, dass sich aktuell keine unerwünschte Person auf dem Grundstück aufhält, schaffen die Gewissheit, dass die eigene Privatsphäre gewahrt bleibt. Moderne Alarmsysteme können auch gezielt nur für den Außenbereich aktiviert werden. Dieser kann sogar weiter segmentiert werden. Wo findet Vandalismus statt? Im Außenbereich. Hier verbirgt sich noch ein weiteres, sehr gutes Argument für den Einsatz einer Perimeterüberwachung. Denn auch Beschädigungen oder Schmierereien an Objekten können über diesen Weg bekämpft werden. In Kombination mit einem Alarmsignal, einer automatischen Lautsprecherdurchsage in Kombination mit dem Schalten von Licht oder dem Absetzen einer Meldung an die angebundene Notruf und Serviceleitstelle erlangt man eine große Bandbreite von möglichen Gegenmaßnahmen, um effektiv gegen Vandalismus vorgehen zu können. Die Absicherung des Außenbereichs über wertige Bewegungsmelder ist eine bezahlbare Lösung, um Kriminellen ihren wichtigsten Vorteil zu nehmen: Zeit. Denn wenn man betrachtet, wie die regulären Reaktionszeiten der Polizei oder Alarmfahrern der Leitstellen sind, ist eines klar: Jede Minute Vorsprung schützt Menschen, Privatsphäre und Vermögen. Egal, ob im Privatbereich oder in gewerblichen Objekten. Die Technik hält was sie verspricht und ist bereit für ihren Einsatz. Sicherheit beginnt an der Grundstücksgrenze.

Carsten Hoersch, geschäftsführender Gesellschafter SESAM GmbH

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