Fachartikel aus PROTECTOR 1-2/2018, S. 44 bis 45

Ei Electronics Dreifach geprüfte Rauchwarnmelder

Gegen Ende des Jahres 2017 lud der Hersteller Ei Electronics vor dem Hintergrund der bundesweit fortschreitenden Rauchwarnmelderpflicht zur Werksbesichtigung nach Shannon in Irland ein. Die Reise führte ins 23.000 Quadratmeter große Ei-Hauptquartier, zu australischen Käfern und zu rotem Bier.

Bild: Kalscheuer
Philip Kennedy (rechts im Bild), Geschäftsführer der Ei Electronics GmbH, und Managing Director Michael Guinee im irischen Headquarter von Ei Electronics in Shannon. (Bild: Kalscheuer)

Mit rund 63 Prozent Grünfläche aber kaum Wäldern sowie dünner Besiedelung außerhalb der Metropolregion Dublin ist die Republik Irland ein attraktiver Standort für die hochmoderne IT-Industrie und Rechenzentren. Man gewinnt schnell den Eindruck, es müssten nur ein paar Kühe und Schafe zur Seite geschubst werden, und schon habe man auf der steuergünstigen grünen Wiese genug Platz für neue Hightech-Niederlassungen.

Dies mag auch 1963 ein Beweggrund für die Firma General Electric gewesen sein, in Anbindung an Irlands zollfreiem Hafen in Shannon das erste Werk außerhalb der USA zu gründen. Der vorsichtige Start des Testballons sollte damals noch inkognito ablaufen, deshalb wurde der neue Firmenname „Ei Electronics“ aus der Taufe gehoben. Dabei ist der im Deutschen für ein Technikunternehmen etwas irreführende Name „Ei“ schlicht die Verkürzung von „Emerald-Island-Project“, dem Projekt „Smaragdgrüne Insel“, wie Irland gerne poetisch umschrieben wird.

Findige Lösungen ließen das lange Zeit als verarmt geltende Irland inzwischen zu einem der reichsten Länder Europas werden. Während in Deutschland der Staat zum Ankurbeln der Automobilwirtschaft beispielsweise plump eine Abrwackprämie eingeführt hatte, agierte man in Irland unterschwelliger und prägte das Baujahr der Kraftfahrzeuge für jeden gut lesbar auf die Autokennzeichen, und ließ den Rest durch die unsichtbare Hand des Modernisierungsstrebens lenken. So lockte auch die noch junge Firma Ei Electronics die ersten Arbeiterinnen damals noch mit fröhlichen Tanzabenden und Miss-Wahlen zum Produktionsstandort, wie eine Wand des Showrooms in der Hauptniederlassung in Shannon dokumentiert. Mit der Nachfrage an Rauchwarnmeldern wuchs auch das Unternehmen.

Sonderschicht für die Rauchwarnmelderpflicht

Der Markt für Rauchwarnmelder ist klar ereignisgetrieben. Nach Großbränden wurden immer wieder Baugesetze neu gefasst, Alarme und Warnsysteme für Personen- und Gebäudeschutz vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Und in Deutschland sorgte die landesweite Einführung der Rauchwarnmelderpflicht dafür, dass im vergangenen Jahr bei Ei Electronics in Irland die Lager mit auf Deutsch beschrifteten Kartons voll waren, und Lagerplatzerweiterungen vor dem Ablauf der Fristen einzelner Bundesländer nötig wurden.

Bild: Kalscheuer
Der Showroom in Shannon: Melder von Ei Electronics warnen vor Rauch, Hitze oder Kohlenmonoxid. (Bild: Kalscheuer)

„Inzwischen sind wir mit über zehn Millionen Geräten pro Jahr nicht nur Marktführer für Rauchwarnmelder in Europa, sondern mit Lieferungen in über 30 Länder auch größter Nonfood-Exporteur Irlands“, fasste Philip Kennedy, Geschäftsführer Ei Electronics GmbH, nach der Werksbesichtigung in Shannon zusammen. „Und das, obwohl ein Rauchwarnmelder eine eigentlich widersprüchliche Konstruktion ist: Rauch soll hineinkommen, aber sonst gar nichts, um keine Fehlalarme auszulösen.“

DIN EN 14604 als Gerätenorm

Kennedy verschwieg auch nicht, dass die Melder aus dem eigenen Hause viermal Sieger bei den Tests der Stiftung Warentest wurden. „Für viele Firmen ist der Mindeststandard die oberste Hürde“, beschrieb er mit Blick auf die Qualitätsstandards der DIN EN 14604 Gerätenorm für Rauchwarnmelder. „Für uns hingegen fängt das Produkt beim Standard an, und entwickelt sich weiter nach oben.“

Was er damit meinte, wurde beim Verfolgen der Produktionsstraßen deutlich: Jeder Melder wird vor der Auslieferung dreimal getestet und im Rauch beziehungsweise Kohlenmonoxid kalibriert. Die Entwickler arbeiten nur 100 Meter von der Produktion entfernt, die enge Zusammenarbeit ermöglicht schnelle Rückmeldungen. So können bei Bedarf im 3D-Druckverfahren innerhalb von zehn Stunden neue Produktmuster hergestellt werden.

Volle Kontrolle bei der Qualität

Die Produktion von Ei Electronics beruht auf Toyotas Kaizen-Methode, die Wert auf intelligentes Arbeiten und Qualität statt auf reine Schnelligkeit legt, und die Managing Director Michael Guinee bei Ei Electronics in Irland eingeführt hat. Dazu gehören kurze Arbeitswege und der Vermeidung von Verschwendung.

„Wir stellen zudem alles selber her, von der Konzeption über die Produktentwicklung zur Fertigung ohne Zulieferteile und Verpackung. So haben wir die volle Kontrolle über die Qualität und können auch auf große Anfragen kurzfristig reagieren und liefern“, erklärte Guinee. Denn ein Kunde, den man zwei Monate auf seine Lieferung warten lasse, sei ganz schnell ein Ex-Kunde.

Was bei der Werksbesichtigung auffiel, ist der relativ hohe Anteil an Handarbeit, die nicht von Maschinen übernommen wird. „Wir produzieren rund 400 verschiedene Modelle, der Anpassungsgrad an die Kundenanforderungen ist sehr hoch“, erläuterte der Managing Director von Ei Electronics.

Fliegengitter gegen australische Brummer

Die Firmenpolitik der kurzen Wege und der schnellen Reaktion auf Kundenwünsche spiegelt sich auch im Detail wider: So wurden die Fliegengitter der Rauchwarnmelder, die üblicherweise aus einem Kunststoffgeflecht bestehen, für den Markt in Australien gegen Exemplare aus Metall ausgetauscht. So konnte man schnell und effektiv auf die Erfahrung reagieren, dass es sich massive australische Käfer und Insekten gerne in Rauchwarnmeldern bequem machen wollten, sich dabei von filigranem europäischen Fliegengitter kaum abhalten ließen, und somit häufig Fehlalarme auslösten oder die Sensorik der Geräte beschädigten.

Ei Electronics im Portrait
Ei Electronics stellt Rauch-, Wärme- und Kohlenmonoxid-Warnmelder für den privaten Wohnbereich her. Das Unternehmen mit rund 700 Mitarbeitern am Hauptsitz im irischen Shannon hat seit 1991 auch eine Niederlassung in Düsseldorf und bietet draht- und funkvernetzte Melder an, deren Entwicklung und Produktion ausschließlich in der Hand von firmeneigenen Experten liegt.

Ein individuell gefertigtes und gut geprüftes Gerät kostet natürlich Geld. „Die Kosten eines Qualitäts-Rauchwarnmelders liegen bei rund 30 Euro. Die Austauschkosten eines schlechten Produkts liegen mit rund 150 Euro allerdings beim Dreifachen, ungeachtet eventueller Folgeschäden“, rechnete Kennedy vor.

Triebfeder Haftung statt Freiwilligkeit

Doch Qualität und zehn Millionen einzeln geprüfte Leiterplatten pro Jahr machen alleine noch keinen Erfolg aus: „Die Hersteller müssen durch Mitarbeit in Normungsgremien, durch Informationen und Weiterentwicklung den Markt mit nach vorne ziehen. Der Elektro-Großhandel für Neubauten muss ebenso berücksichtigt werden wie der Vertrieb über den Baumarkt, Errichter-Fachbetriebe und die Schornsteinfeger für den Bestand.“ Ei Electronics sieht dabei jedoch auch erhöhten Schulungsbedarf im Markt: „Wir brauchen unbedingt mehr ausgebildete Fachinstallateure“, so Kennedy. „Der aktuelle Fachkräftemangel bremst das Upselling-Potential, denn die Errichter haben keine Kapazitäten mehr frei für neue Themen.“

Das gilt sowohl für Deutschland, wo pro Jahr 300.000 Neubauten und 1,2 Millionen Wohnungen mit rund sechs Millionen Rauchwarnmeldern ausgestattet werden müssen, als auch für Österreich, wo es eine gesetzliche Rauchwarnmelderpflicht nur für Neubauten gibt. Die Pflicht zur Nachrüstung im Bestand hat bisher nur Kärnten eingeführt. „Freiwilligkeit bringt im Sicherheitsmarkt leider nichts, nur eine Haftung“, stellte Kennedy bei seinem Marktüberblick fest.

Das Ziel ist der Schutz von Personen

Auch beim Thema Smart Home fand Philip Kennedy klare Worte: „Zum Schutz der Familie brauchen wir kein Smart Home. Zigbee-Systeme, die permanent nutzlos miteinander kommunizieren reduzieren zudem die Batterieleistung. Informationsgewinnung zu Lasten des Sicherheitsgedanken ist nicht akzeptabel, wenn es um Menschenleben geht. Das Ziel muss einzig der Schutz von Personen sein!“

Eine weitere Herausforderung ist dabei, dass sich Technologien viel schneller entwickeln als die sie regelnde Umgebung. Sicherheitsrisiken sind damit sozusagen vorprogrammiert. Auch WLAN sei durch die nicht gesicherte Stromversorgung und Kommunikation keine Grundlage für ein sicheres Zuhause, so der Anbieter von Meldern, die auch mit drahtloser Funkvernetzung arbeiten.

In funkvernetzten Rauchwarnmeldern sieht Michael Guinee ein großes Potential. „Die demografische Entwicklung führt dazu, dass ältere Menschen im Rahmen von ‚Stay-at-home‘-Konzepten immer länger Zuhause leben wollen, aber gleichzeitig mehr Zeit oder sogar Hilfe benötigen, um sich im Gefahrenfall in Sicherheit zu bringen. Vernetzte Melder unterstützen die Menschen dabei.“ Und damit das Fachwissen dazu nicht allein beim Hersteller verbleibt, schult Ei Electronics Planer und Errichter sowohl zu funkvernetzten Rauchwarnmeldern als auch zum Thema Kohlenmonoxidwarnmelder in Wohnräumen.

Britta Kalscheuer

Exkursion ins Bierglas: Guinness

Die Reise in das irische Headquarter des Warnmelderherstellers Ei Electronics war von einem Kulturprogramm begleitet, das in die Guinness Brauerei nach Dublin führte. Dabei ließen sich fünf kuriose Fakten über Guinness herausfiltern:
1. Guinness ist nicht schwarz: Schaut man nicht zu tief hinein, sondern durch ein kleines Probierglas hindurch, sieht man, dass das Bier mit der irischen Harfe im Logo eigentlich rot ist.
2. Dosenbier statt Flasche: Der Biersommelier darf hier getrost zur Dose greifen, denn diese kann im Gegensatz zu Glasflaschen mit einer Kartusche ausgestattet werden, die beim Ausschenken den für das Guinness nötigen Stickstoff beisteuert.
3. Bier für die Ewigkeit: Die Pachtrechte für das Brauereigelände in Dublin ließ sich Firmengründer Arthur Guinness 1759 mit einer gehörigen Portion Weitsicht für ambitionierte 9.000 Jahre zusichern.
4. Getränk mit Weitblick: Die „Gravity Bar“ genannte 360-Grad-Ausschankplattform in der obersten Etage des Guinness Storehouses wird selbstverständlich nur wegen des famosen Ausblicks über die irische Hauptstadt ausgiebig besucht.
5. Rekordverdächtig sind heute noch mit 116 Pints pro Sekunde die Absatzzahlen des Guinness; das bekannte „Buch der Rekorde“ wird inzwischen von einem anderen Sponsor weitergeführt.

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