Interview aus PROTECTOR 1-2/2018, S. 80 bis 81

50 Jahre VSW Mainz Nur gemeinsam stark

1968 ist nicht nur das Jahr der Mondlandung und der Studentenbewegung, sondern auch der Gründung der Vereinigung für die Sicherheit der Wirtschaft e.V. (VSW Mainz). PROTECTOR & WIK wirft mit Peter H. Bachus, Vorstandsvorsitzender der VSW Mainz, einen Blick zurück und befragt ihn zu neuen Herausforderungen und Perspektiven der Vereinigung, die im nächsten Monat ihren 50. Geburtstag feiert.

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Netzwerken, um gemeinsam die Wirtschaft zu schützen, das ist das Ziel von Sicherheitsverbänden, Unternehmen und Behörden. (Bild: Fotolia /synGGG)

PROTECTOR & WIK: Was war 1968 der Auslöser für Unternehmen, diese Vereinigung zu gründen?

Peter H. Bachus: Wie in anderen Regionen, zuerst übrigens in Baden-Württemberg, wurde auch in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz und im Saarland seinerzeit überlegt, wie die betriebliche Sicherheit erhöht werden kann. Es gab den Wunsch und zugleich den Anspruch, die Unternehmenssicherheit als solche zu stärken. Die regionalen Sicherheitsverbände wurden daher von Unternehmen und Institutionen, unter anderem den Industrie- und Handelskammern, als „Selbsthilfeorganisationen“ der Wirtschaft in Form von gemeinnützigen Vereinen gegründet, um die Mitglieder im Bereich Sicherheit zu beraten, zu informieren und deren Mitarbeiter fortzubilden. Eine Besonderheit hatte die Gründung der VSW im Dezember 1968 dennoch – denn im Gegensatz zu den anderen Sicherheitsverbänden steht das „V“ in der Abkürzung nicht für „Verband“, sondern für „Vereinigung“ – hieran hat sich bis heute nichts geändert.

Welchen Themenschwerpunkten widmet sich die VSW heute? Gibt es durch die Nähe zur Bankenmetropole Frankfurt einen besonderen Fokus auf Bankensicherheit?

Bild: VSW Mainz
Peter H. Bachus. (Bild: VSW Mainz)

Die klassischen Verbandszwecke haben in der täglichen Arbeit der VSW natürlich noch immer einen wichtigen Stellenwert. Themen, wie beispielsweise die Betriebskriminalität, sind wie vor 50 Jahren unverändert im Aufgabenspektrum der VSW vertreten. Hinzugekommen sind aber selbstverständlich neue Phänomenbereiche, unter anderem der Bereich der Informations- und Cybersicherheit sowie das Themenfeld Extremismus/Terrorismus in all seinen Ausprägungen. Und Sie haben Recht: Aufgrund der Lage im Rhein-Main-Gebiet und damit wegen der Nähe zur europäischen Bankenmetropole Frankfurt hat die VSW auf den Bereich der Bankensicherheit einen besonderen Fokus gelegt. Diese Besonderheit zeigt sich unter anderem in dem Umstand, dass bei der VSW für das Themenfeld Bankensicherheit ein eigener Arbeitskreis existiert, in welchem sich die Finanz-, Kredit- und Versicherungswirtschaft über die diese Branche betreffenden Themen austauschen kann. Dieser Arbeitskreis wird seit Beginn durch das Hessische Lan deskriminalamt unterstützt, welches als Schwerpunkt-LKA in Deutschland das Thema Bankensicherheit betreut.

Aus welchen Bereichen kommen Ihre Mitgliedsunternehmen?

Die Mitgliedsunternehmen der VSW repräsentieren alle Branchen und Größen. Weltweit agierende Global-Player und Großkonzerne aus den verschiedenen, auch produzierenden, Sparten sind ebenso Mitglied bei uns wie eine Vielzahl von Banken und Versicherungen. Daneben sind natürlich auch KMU der unterschiedlichsten Ausrichtung Mitglied in der VSW. Außerdem hat die Anzahl der klassischen Sicherheitsdienstleister im Laufe der Jahre ebenso zugenommen. Komplettiert werden die VSW-Mitglieder von den IHKs, den HWKs und Verbänden, zu denen unter anderem Unternehmer-, Berufs- und Branchenverbände zählen. Mit über 250 Mitgliedern ist die VSW nach unserem Kenntnisstand zudem der größte regionale Sicherheitsverband in Deutschland. Die Behörden auf Bundes- und Landesebene sind für die Arbeit der VSW unverzichtbare Kooperationspartner, wobei zu sämtlichen Sicherheitsbehörden langjährige, enge und vertrauensvolle Verbindungen bestehen.

Nach nun fünf Jahrzehnten der Aufklärungsarbeit – ist das Thema Wirtschaftsschutz Ihrer Meinung nach jetzt richtig in der Politik angekommen?

Durch die vor einiger Zeit ins Leben gerufene „Initiative Wirtschaftsschutz“ ist sicherlich ein großer Schritt in die richtige Richtung erfolgt. Das Zusammenwirken von Bundessicherheitsbehörden und Wirtschaftsverbänden auf Bundesebene ist unserer Auffassung nach durchaus ein sinnvolles und zweckmäßiges Konstrukt, um das Themenfeld Wirtschaftsschutz in die Fläche zu transportieren und hiermit letztendlich die Unternehmenssicherheit im Ganzen zu stäken. Aus unserer Perspektive ist in diesem Zusammenhang aber noch einiges zu tun. Vor allem muss das gemeinsame Wirken der beteiligten Akteure stärker in den Vordergrund gestellt werden. Einzelaktivitäten sollten in den Hintergrund rücken, um die gemeinsame Zielsetzung besser zu erreichen.

Und wie sieht es in den Unternehmen selbst aus? Ist das Problembewusstsein für Sicherheitsfragen gewachsen?

Im Laufe der Jahre ist nach unserem Empfinden durchaus festzustellen, dass das Bewusstsein für das Thema Sicherheit zugenommen hat. Auch wenn die Unternehmen in der zurückliegenden Zeit immer neuen Bedrohungen und ständig wechselnden Herausforderungen begegnen mussten, ist ein erhöhtes Problembewusstsein deutlich zu erkennen. Die permanent steigenden Anforderungen sowohl an den technischen als auch personellen Bereich der Sicherheit sind ein deutliches Zeichen, dass das Problembewusstsein insgesamt zugenommen hat. Unternehmen investieren im Bereich Sicherheit sowohl in Technik als auch in Mitarbeiten, und bei beiden Aspekten sind sowohl quantitative als auch qualitative Zuwächse zu erkennen. Wünschenswert ist es in diesem Zusammenhang natürlich, wenn noch mehr Unternehmen, gerade Firmen aus dem Bereich der KMU, erkennen würden, dass das Thema Sicherheit ein wichtiger Faktor für ein Unternehmen ist und dass man sich dieses Themas innerhalb des Unternehmens und auch auf Führungsebene annehmen sollte. Hier besteht sicherlich noch Verbesserungsbedarf.

Wo sehen Sie mittelbis langfristig die besonderen Herausforderungen für die Sicherheit in der Wirtschaft und die VSW?

Die Unternehmen und damit auch die VSW müssen sich den veränderten Situationen anpassen und schnell reagieren, wenn neue Herausforderungen entstehen. Gerade die rasche Weitergabe von sicherheitsrelevanten Informationen, die wir von den verschiedenen Sicherheitsbehörden erhalten, ist ein gutes Mittel, um die Mitglieder umgehend auf neue Gefahren hinzuweisen. In der zurückliegenden Zeit hat sich gezeigt, dass hierdurch bei den Unternehmen Schäden verhindert werden konnten und die erhöhte Sensibilisierung ein Mehr an Sicherheit schafft. Daneben muss auch weiterhin der enge und vertrauensvolle Kontakt zu den verschiedenen Behörden gehalten und möglichst weiter ausgebaut werden, um ebenso in Zukunft gemeinsam die Wirtschaft zu schützen. Denn eine Sache ist klar: Sicherheit, und hierbei auch der Bezug auf präventives Wirken, ist eine Zielsetzung der Sicherheitsbehörden und Kernaufgabe der regionalen Sicherheitsverbände. Mit dem Zusammenwirken aller Beteiligten lassen sich auch zukünftige Herausforderungen meistern. Da sind wir uns sicher!

Demnächst feiern Sie 50 Jahre VSW mit einem Festakt in Mainz. Was erwartet die Gäste?

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Wie in den zurückliegenden Jahren, wird es auch in diesem Jahr eine VSW-Jahrestagung geben, die zusammen mit der Mitgliederversammlung der VSW stattfindet. Zu der Tagung am 21. März 2018 erwarten wir erneut mehr als 200 Gäste aus dem Kreis unserer Mitglieder sowie Vertreter der Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder und weiterer Institutionen. Im Jubiläumsjahr der VSW wird die Jahresta gung allerdings in geänderter Form und an einem anderen Ort, nämlich im Kurfürstlichen Schloss zu Mainz, stattfinden. Die Teilnehmer erwartet bei der Jubiläumstagung ein vielfältiges Programm mit hochkarätigen Referenten, die Vorträge zu aktuellen Themen präsentieren. Daneben wird es auch eine Diskussionsrunde geben. Den Abschluss bildet ein Rahmenprogramm, welches mit einem Galabuffet endet. Alles in allem eine interessante Mischung, die dem 50-jährigen Jubiläum der VSW gerecht werden wird. Wir freuen uns bereits jetzt auf dieses Highlight im Jubiläumsjahr! ASL

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