Interview aus PROTECTOR 4/2018, S. 22 bis 23

Interview mit Gareth O’Hara, Chief Sales Officer von Paxton „Innovation steht über allem”

Im Juni 2016 begann Paxton am Firmenstammsitz in Brighton mit dem Bau eines neuen, 3.000 Quadratmeter großen Technologiezentrums. Keine 18 Monate später wurde es Ende 2017 eröffnet. PROTECTOR & WIK sprach mit Chief Sales Officer Gareth O`Hara über die technische Entwicklung der Zutrittskontrolle, die Vernetzung mit anderen Gewerken und die Gründe der Investition seines Unternehmen.

Bild: Paxton
Das neue Technologiezentrum am Stammsitz von Paxton in Brighton wurde Ende 2017 eröffnet. (Bild: Paxton)

PROTECTOR & WIK: Mr. O’Hara, verraten Sie uns, an was Ihre Mitarbeiter im neuen Technology Center im Moment forschen?

Gareth O`Hara: Wir haben ein rasantes Wachstum zu einem der global führenden Zutrittskontroll- anbieter hinter uns. Daher benötigten wir mehr Platz. Das neue Gebäude bietet uns die Möglichkeit, die Mitarbeiterzahl zu erhöhen und neue Produkte zu entwickeln, herzustellen, zu verkaufen und zu betreuen. Dies bedeutet auch, dass Paxton in der Sicherheitsbranche weiterhin führend in Design und Technologie sein wird. Unser Produktentwicklungsteam, das sich im Technology Center befindet, ist in verschiedenen Programmgruppen organisiert, die alle unsere Produktbereiche abdecken, einschließlich Net2, Net2 Entry, Net2 PaxLock und Paxton10. In diesem Jahr werden wir unser Portfolio innerhalb dieser Produktgruppen weiter ausbauen. Im April 2018 haben wir mit dem Release unseres Premium-Monitors die neueste Erweiterung unseres Video-Türsprechsystems Net2 Entry auf den Markt gebracht. Innovation steht bei Paxtons Wachstums- und Investitionsplan an erster Stelle. Zusammen mit unserem Produktentwicklungsplan wird das Unternehmen in den nächsten Jahren mehr Produkte als in den vergangenen zehn Jahren zusammen herausbringen. Neue Produkte, die im Technologiezentrum entwickelt werden, werden auf allen internationalen Absatzmärkten von Paxton, einschließlich Deutschland, verfügbar sein.

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Gareth O`Hara. (Bild: Paxton)

Dient das neue Gebäude also vor allem der Produktentwicklung?

Nicht ausschließlich, ein wesentlicher Bereich im Paxton Technology Center ist auch unser Schulungsraum für Installateure. Ein entscheidender Punkt unserer Geschäftsstrategie ist es, unseren Installateuren kostenlose, praktische Schulungen für unsere gesamte Produktpalette anzubieten. Als wir das Technologiezentrum planten, haben wir auch die Erfahrungen und Bedürfnisse der Installateure berücksichtigt, dabei spielte die Gastfreundschaft eine große Rolle. Wir wollten einen Bereich schaffen, den die Installateure gerne nutzen, in dem sie entspannen, ihr Mittagessen und kostenlose Erfrischungen genießen können. Außerdem bietet das Technologiezentrum, einen komplett vernetzten Raum, in dem bei Bedarf gearbeitet werden kann.

Mit IP-Zutrittskontrollsystemen und Türsprechanlagen ist Paxton seit langem im Sicherheitstechnikmarkt etabliert. Wieviel Potential sehen Sie zukünftig in der Vernetzung der einzelnen Komponenten beziehungsweise im Markt für Gebäudeautomation? Können wir auch hier mit zukunftsweisenden Innovationen von Paxton rechnen?

In den nächsten fünf Jahren erwarten wir, dass sich die Identifikation von Menschen und die Bewegung von Menschen in einem Gebäude ändern. Der Einsatz von Token wird zunehmen, und die Nachfrage nach Smart-Credentials wird insbesondere mit der Popularität tragbarer Technologien als Identifikationsmittel zunehmen. Wir registrieren außerdem immer mehr Integrationspartner, die auf Paxton mit einer Lösung zukommen, die sie in unser Zutrittskon trollsystem Net2 integrieren möchten, von Videomanagementsoftware bis zu physischen Sicherheitssystemen, bei denen sich alles auf einem Portal befindet. Ziel ist es, Zutrittskontrolle beispielsweise mit CCTV oder einer HR-Funktionen zu integrieren. Und wir sind davon überzeugt, dass wir zukünftig noch mehr Integrationen sehen werden, etwa die Vernetzung von Zutrittskon trolle mit Geräten innerhalb eines Gebäudes wie Beleuchtung, Heizung oder Lüftungssteuerung.

Dem Markt für Smart-Home-Systeme prognostizieren Studien seit fast zehn Jahren eine goldene Zukunft. Warum fällt es vielen Unternehmen Ihrer Meinung nach immer noch schwer, von diesem Trend zu profitieren und was ist die dabei Aufgabe der Installateure?

Es ist wichtig, die Haupttreiber des Smart-Home-Sektors und des breiteren Marktes für kommerzielle Gebäudeautomation zu unterscheiden. Die Einführung der Hausautomation bedeutete durch den verstärkten Einsatz von angeschlossenen IoT-Geräten einen technischen Wandel in unserer Branche, und die Hauptakteure in diesem Markt haben das öffentliche Bewusstsein für die Vorteile der Automatisierung wie intelligente Heizung, intelligente Beleuchtung oder Sprachsteuerung gestärkt. Diese Wohnsysteme sind relativ einfach zu installieren, Benutzer haben jedoch unterschiedliche Anforderungen an ein Heimsystem im Vergleich zu Anforderungen in einer kommerziellen Umgebung. Mit der wachsenden Größe des Marktes für intelligente Gebäude steigt die Anzahl der Systeme, die miteinander sprechen. Die Installateure müssen sich der Technologie bewusst sein, von der ihre Kunden profitieren. Die Herausforderung für Unternehmen wie Paxton, die stolz auf Einfachheit und Benutzerfreundlichkeit ihres Systems sind, ist es, intelligente Gebäudesysteme für den Massenmarkt zu schaffen, die einfach und zu einem erschwinglichen Preis bedient werden können.

Für den kommerziellen Erfolg ist zweifellos der Komfort und die einfache Handhabung der Systeme mit entscheidend. Besteht Ihrer Meinung nach dabei die Gefahr, dass dies auf Kosten der IT-Sicherheit der Systeme geschehen könnte?

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Die Einfachheit eines Systems ist im Hinblick auf die Benutzerfreundlichkeit nicht direkt proportional zu seiner Sicherheit, jedoch gibt es ein gewisses Maß an Verantwortung der Hersteller, um sicherzustellen, dass Sicherheit in Produkten eingebaut ist, aber auch von Installateuren, die ihre Kunden darüber aufzuklären, ihre Systeme zu sichern. Wir legen viel Wert auf die Benutzerfreundlichkeit und Sicherheit unserer Systeme. Die Benutzererfahrung steht im Mittelpunkt unseres Produktdesignprozesses. Unser Net2 Entry Premium Monitor wurde beispielsweise als direkte Reaktion auf das Feedback von Installateuren entwickelt. Während wir sicherstellen, dass die neueste Verschlüsselungsstufe in unseren Produkten verwendet wird, ist die Hauptschwachstelle bei einem vernetzten System oft der lokale PC, der für den Zugriff verwendet wird. Es gibt jedoch ein paar einfache Schritte, die Kunden ergreifen können, um ihre Sicherheit zu erhöhen. Erstens: stellen Sie sicher, dass alle zur Verfügung gestellten Betriebssystem-, Browser- oder anderen Hardware-Patches so schnell wie möglich angewendet werden, um den weiteren sicheren Betrieb zu gewährleisten. Zweitens: Verwenden Sie sichere Kennwörter auf allen Geräten, und drittens: Wenn Sie den Verdacht haben, dass Passwörter möglicherweise kompromittiert wurden, sollten diese sofort zurückgesetzt werden.

Andreas Albrecht Paxton Access GmbH, www.paxton-gmbh.de

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