Fachartikel aus PROTECTOR 4/2018, S. 40 bis 41

Elektronische Verschluss-Systeme Clevere Lösungen gefragt

In der Industrie oder in Rechenzentren ist die physikalische Sicherheit schon lange Thema. Schließlich können Angriffe durch Saboteure oder Diebe fatale Folgen haben. Fakt ist: Ob auf Schaltschrankebene, im Maschinenbau, im Rechenzentrum oder im Büro – die Anforderungen an die Sicherheit steigen, und mit ihnen der Bedarf, Zugriffe von zentraler Stelle aus zu kontrollieren und zu überwachen.

Bild: Emka
Emka „E-Cam“ unter anderem für den Einsatz bei Klappen im Maschinenbau. (Bild: Emka)

Verschlüsse von Schaltschränken und Gehäusen im Maschinenbau müssen unterschiedlichste Anforderungen erfüllen. Gefragt sind eine schnelle Montage und einfache Installation, die komfortable Bedienung und vor allem ein sicheres Schließsystem. Bis vor wenigen Jahren wurden zum Verschließen von Schränken, Türen oder Klappen noch ausschließlich klassische Mechanismen eingesetzt: herkömmliche Schwenkhebel oder Vorreiber mit Zunge. Doch der Bedarf an elektromechanischen Verschlusslösungen steigt – spätestens seitdem der Schutz von Daten und Gütern im Allgemeinen ein erhöhtes Interesse erfährt. Elektronische Verschlüsse bieten gerade im industriellen Umfeld einen hohen Schutz vor ungewollten Zugriffen.

Zum einen sichern sie hochsensible Elektronik in Schaltschränken, zum anderen schützen sie Personen in sicherheitsgefährdenden Bereichen einer Maschine. Vor der Umstellung auf solche Systeme beziehungsweise deren Neuinstallation müssen Unternehmen heute nicht mehr zurückschrecken. Klassische Schließmechanismen lassen sich innerhalb kürzester Zeit durch elektromechanische Verschlüsse ersetzen oder ergänzen und zu einem intelligenten Schließsystem kombinieren. Vor allem Rechenzentren sind aufgefordert, ihre Serverracks gegen ungewollte Zugriffe zu sichern – nicht nur digital durch komplizierte Verschlüsselungen oder Firewalls – sondern auch physikalisch. Zur Sicherung von Serverschranktüren bietet sich eine Kombination aus elektromechanischem Griff, Software und Funktechnik an. Zu den Pionieren in diesem Bereich gehört Emka Beschlagteile aus Velbert. Das Unternehmen hat mit „Agent E“ bereits bei zahlreichen Kunden, unter anderem bei Großbanken, ein solches System im Einsatz. Dieses Sicherheitssystem ermöglicht einen personalisierten Zugriff auf den Schrank sowie eine permanente Überwachung und Kontrolle der Öffnungs- und Schließvorgänge. Dem Betreiber des Rechenzentrums werden in Echtzeit alle Informationen zum aktuellen Zustand der Serverschranktüren in seinem Managementsystem angezeigt. Sämtliche Öffnungs- und Schließvorgänge protokolliert das System lückenlos. Über die Software „Control Cockpit“ verwalten die Betreiber von Rechenzentren ihre Zugangsberechtigungen und definieren Nutzerprofile, fügen Mitarbeiter hinzu oder entfernen sie. Das einfach erweiterbare System stellt die Betriebszustände übersichtlich dar und meldet Störungen umgehend an den Betreiber. Ein kontrollierter Zugang für autorisierte Personen zu Serverracks ist in mehrfacher Hinsicht realisierbar. Um beispielsweise Serverschranktüren von hochsensiblen Bereichen zu öffnen, müssen sich die Mitarbeiter ausweisen und eine Zugangsberechtigung besitzen.

Güter und Personen schützen

Der gesicherte und kontrollierte Zugriff auf Türen und Klappen ist eine Problematik, die im industriellen Sektor schon lange Thema ist. Denn genau wie im Rechenzentrum werden auch Maschinenabdeckungen und Schaltschränke in der Regel über ein Verschluss-System mittels klassischem Vorreiber beziehungsweise Drehriegel verriegelt. Die Crux: Unbefugte können sich leicht Zugang zu der sensiblen Technik verschaffen. Um die Sicherheit im Maschinen-, Gehäuse und Schaltschrankbau um ein Vielfaches zu erhöhen, greift auch hier das Konzept elek tronischer Verschluss-Systeme. Erst kürzlich hat Emka sein Portfolio an elektronischen Verschluss-Systemen um das neue System „E-Cam“ ergänzt: Ein elektromechanischer Zungenverschluss, der im Innern des Schrankes angebracht wird, sichert Türen, Klappen und ähnliches vor unbefugtem Öffnen – sei es zum Schutz vor Diebstahl oder Sabotage oder in lebensgefährlichen Sicherheitszonen wie an Schaltschränken oder Maschinen.

Denn an hochgefährlichen Maschinen spielt der Personenschutz eine wesentliche Rolle. Auch hier gilt es, den Zugang zu lebensgefährlichen Bereichen zu kontrollieren und gegebenenfalls zu dokumentieren. Bei Bedarf kann „E-Cam“ in den Sicherheitskreis einer Maschine eingebunden werden, um die Öffnung erst dann zu ermöglichen, wenn die Maschine stromlos steht. Generell lässt sich unterscheiden zwischen elektromechanischen Verschlüssen (Griffe, Verriegelungen) und kompletten Systemlösungen zur Zutrittskontrolle und Schranküberwachung. Bei Systemlösungen spielt die Nachweisbarkeit eine wesentliche Rolle. Ein Beispiel: Öffnet jemand ein Multifunktionsgehäuse ohne vorherige Authentifizierung mittels elektronischer ID-Karte, wird die Zentrale unmittelbar informiert und kann reagieren.

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Die Zentrale kann zudem mittels Software erkennen, zu welchem Zeitpunkt jemand versucht hat, den Schrank oder das Gehäuse zu öffnen und ob dieser berechtigt war oder nicht. Diese Software verwaltet somit alle Zugangsberechtigungen und dokumentiert jeden Öffnungs und Schließvorgang. Dadurch ist jederzeit genau nachzuvollziehen, welcher Pin beziehungsweise welche Karte eingesetzt wurde, zu welchem Zeitpunkt die Öffnung erfolgte und welcher Verschluss geöffnet oder geschlossen wurde. Eine solche elektronische Systemlösung besteht aus dem elektromechanischen Verschluss, einer Vorrichtung für die Zugangskontrolle und zusätzlichen Komponenten zur Schranküberwachung sowie Steuerung des gesamten Systems. In Kombination mit einem umfassenden „Electronic Locking und Monitoring“-System (ELM) erhält der Anwender eine zu fast 100 Prozent sichere Verschlusseinheit, die er überwachen und lückenlos dokumentieren kann. Die Verschlüsse werden dazu an eine Locking Unit angeschlossen. Sie ist mit einer zentralen Steuereinheit, der „Control Unit“ verbunden. „In der Control Unit sind alle Informationen abgespeichert – Berechtigungen, Nutzer, Kartenangaben, Pin-Codes“, erklärt Jörg Schultheis, Product Manager für den Geschäftsbereich Electronics bei Emka. Zur Öffnung über Pin-Code ist das System mit Griff, Keypad, Locking Unit und Control Unit bereits komplett. Der Anwender wählt die entsprechende Türnummer auf der Tastatur und gibt den Pin-Code ein, um die Tür zu öffnen. Soll die Zugangskon trolle über Karten erfolgen, werden Kartenleser über eine Access Unit in das System integriert. Hält der Mitarbeiter seine Karte vor den Kartenleser, öffnen sich die gewünschte Verriegelung, sofern er zu diesem Zeitpunkt dafür freigeschaltet ist.

Ausblick: Funktion trifft Design

Mit den Themen Sicherheit und Monitoring sollten sich Unternehmen und Rechenzentren nicht nur auf reiner IT-Ebene beschäftigen. Die physikalische Sicherheit von Schalt- und Steuerschränken ist mindestens genauso wichtig. Der Betreiber eines Rechenzentrums muss beispielsweise alle Vorgänge am Schrank gegenüber seinen Kunden und Auditoren nachvollziehbar belegen können. Er benötigt ein Überwachungssystem, das mehr als nur die Eingangstür des Data Centers überwacht und Alarm schlägt, sobald verdächtige Handlungen vorgenommen werden.

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