Fachartikel aus PROTECTOR 4/2018, S. 52 bis 53

Eindämmung von Kabelbränden Gut aufgehoben im Blechkanal

Die Sicherheit von Menschen in Flucht- und Rettungswegen ist zentraler Bestandteil jeder Brandschutzverordnung. Doch wie steht es um die Sicherheit vor Kabelbränden? Ein innovatives Konzept setzt auf dämmschichtbildende Technologie.

Bild: G+H Isolierung
G+H hat einen Installationskanal entwickelt und geprüft, der aus einem Blechkanal mit im Inneren aufgebrachtem Dämmschichtbildner besteht. (Bild: G+H Isolierung)

Professionelle Brandschutz- maßnahmen in Flucht- und Rettungswegen sind elementar, um dort Brandlasten zu kapseln und Menschen retten zu können. Der Gesetzgeber hat grundsätzliche Anforderungen an die Anzahl und die Gestaltung der Flucht- und Rettungswege festgelegt: Wege und Notausgänge müssen im Brandfall „ausreichend lang nutzbar sein“. Baustoffe in den notwendigen Treppenräumen und Fluren sollen aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen oder zumindest mit nichtbrennbaren Baustoffen verkleidet werden. Bei älteren Gebäuden ist der Konflikt damit fast schon vorprogrammiert: Kabel- und Rohrdurchführungen aus brennbaren Baustoffen queren vereinzelt oder gehäuft in Bündeln oder Trassen die wichtigen Rettungswege. Schon ein Defekt oder Kurzschluss reicht aus, um einen Brand auszulösen. Dieses Dilemma fällt oft erst bei der Erweiterung oder Nutzungsänderung von Bestandsgebäuden auf, da nun die aktuellen Brandschutzanforderungen zu erfüllen sind. In regelmäßigen Abständen wird daher über die Nichterfüllung von Brandschutzanforderungen in älteren Gebäuden öffentlich diskutiert. Nicht immer mit einem befriedigenden Ausgang.

Lösungen für Bestandsbauten

Praktiker haben in den letzten Jahren verschiedene Lösungsansätze entwickelt, um Brandlasten in Rettungswegen zu kapseln und eine Brandweiterleitung zu verhindern. So stellt etwa ein namhafter Hersteller von Synthesekautschukisolierungen seinen Kunden eine gutachtliche Stellungnahme zur Verfügung, in der eine Verblechung der Rohre mit brennbaren Isolierungen bewertet wird. Ein Hersteller von Mineralwolleisolierungen hält ein ähnliches Gutachten bereit. Hier wird anstatt des Blechs eine Mineralwolleschale um die brennbare Isolierung gelegt. In beiden Varianten müssen jedoch zusätzlich in den Wanddurchführungen klassifizierte Abschottungen eingebaut werden. Außerdem muss in beiden Fällen auf eine fachgerechte Verlegung und eine Abdichtung der Fugen geachtet werden, sodass im Brandfall entstehende Rauchgase durch die innenliegenden Brandlasten nicht in den Rettungsweg eindringen und eine starke Verqualmung bewirken. Hinzu kommt, dass selbst mit einer gutachtlichen Stellungnahme nicht selten noch Überzeugungsarbeit beim Interessenten geleistet werden muss. Ein Gutachten ist nun mal nicht gleichzusetzten mit einem bauaufsichtlich zugelassenen Verwendbarkeitsnachweis oder einer Zulassung. Dennoch haben diese Lösungen vor allem im Bestand ihre Berechtigung.

I-Kanäle haben sich bewährt

Bei der Konzeption von Neubauten lassen sich konstruktive Brandschutzmaßnahmen besser treffen. Als optimales Produkt haben sich hier klassifizierte Elektroinstallationskanäle, so genannte I-Kanäle, bewährt. Sie sind die sicherste und oft auch die wirtschaftlichste Abschottungsmaßnahme in der Wanddurchführung und zur Brandlastenkapselung im Rettungsweg. Der Einsatz von I-Kanälen und ihre Durchführung durch raumabschließende Bauteile ist nach Bauordnung dann zulässig, wenn sie in der entsprechenden Feuerwiderstandsklasse des Bauteils ausgebildet sind und „eine Nutzung als Rettungsweg im Brandfall ausreichend lang möglich ist“ (MBO §40). In Deutschland sind zurzeit ausschließlich geprüfte Systeme nach DIN 4102-11 auf dem Markt. Diese Systeme müssen durch eine Brandprüfung beweisen, dass sie die Übertragung von Feuer, von unzulässig hohen Temperaturen (kleiner oder gleich 180 Kelvin auf der feuerabgewandten Seite) und von Rauch von einem Brandabschnitt in den nächsten beziehungsweise vom Inneren des Kanals nach Außen verhindern. Herkömmliche I-Kanäle mit Blechummantelungen sind mit Steinwolle, Silikat- oder Gipsplatten ausgekleidet. Diese Materialien verhindern, dass ein Elektrokabelbrand auf den Raum übergreift, können ein Ausbrennen der Kanäle jedoch nicht vermeiden.

Optimaler Schutz für Kabel und Rohre

G+H hat mit dem „PYROMENT IK90“ als erster Hersteller einen Installationskanal entwickelt und geprüft, der aus einem Blechkanal mit im Inneren aufgebrachtem Dämmschichtbildner besteht. Dieser Dämmschichtbildner – mit Dämmdicken von 1,6 bis drei Millimeter – reagiert auf Hitze, schäumt auf, schmiegt sich wie eine innenliegende Isolierung an die Kabel und Rohre und stoppt damit aktiv eine Brandweiterleitung auch im Inneren des Kanals. Doch diese neue Werkstoffkombination hat noch weitere Vorteile: Der Blechkanal ist dünner als herkömmliche Systeme und dadurch selbst an schwierigen sowie engen Stellen schnell und einfach zu montieren. Vorgefertigte I-Kanäle sparen bis zu 80 Prozent Montagezeit. Die Montage erfolgt selbst durch Wände völlig staubfrei, sodass die Lösung auch in sensiblen Anwendungsbereichen wie in Krankenhäusern, Computerzentren und Reinräumen zum Einsatz kommen kann. Das System gibt es auch in runder Ausführung. Damit können Rohre mit Synthesekautschukisolierungen in Rettungswegen schnell ummantelt werden. Insbesondere Produktionsbereiche sind so ausreichend lang vor Feuer geschützt, Ausfälle werden verhindert. Änderungen am I-Kanal können beim „Pyroment IK90“ mit handelsüblichem Blechbearbeitungswerkzeug ausgeführt werden. Eines gilt für alle genannten Brandschutzmaßnahmen: Sie halten die Schäden, die durch ein Feuer entstehen, so gering wie möglich. Entscheidend ist allerdings auch eine sorgfältige, fachgerechte Umsetzung bei der Montage.

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