Fachartikel aus PROTECTOR Special Videoüberwachung 2018, S. 54 bis 55

Ausfallsicherheitskonzept 99 Prozent reichen nicht

Hochkomplexe Videosicherheitssysteme werden zum Schutz von Werten oder für die Optimierung von Prozessen eingesetzt. Zweckmäßigkeit und Qualität einer solchen Investition erweisen sich oft erst im akuten Fall, wenn zuverlässige Beweise bei Schäden durch Einbruch, Diebstahl oder Vandalismus gefordert sind.

Bild: Adobe Stock/rcx
Redundanz, also das mehrfache Vorhandensein identischer Komponenten wie Festplatten, sorgt dafür, dass Daten beim Ausfall einer Komponente nicht verloren gehen. (Bild: Adobe Stock/rcx )

Genauso wichtig sind Videoaufnahmen als Beweise, wenn Gewinne durch Verzögerungen innerhalb der Wertschöpfungskette verloren gehen. Oder wenn im Rechtsstreit, bei dem es um teure Regresszahlungen geht, klar die Ursache oder der Verursacher einer Verzögerung oder Beschädigung identifiziert werden kann. Das sind die Situationen, in denen alles zu 100 Prozent zuverlässig funktionieren muss. Wenn die Systeme nur zu 99 Prozent funktionieren, kann das fehlende ein Prozent am Ende sehr teuer werden.

Terabytes an Daten verwalten

Wenn gleichzeitig mehrere, oftmals hunderte, Kameras zur Überwachung, Prozessoptimierung oder Prozessdokumentation eingesetzt werden, produzieren sie Terabytes an Daten. Sinn und Zweck eines hochkomplexen Videosicherheitssystems ist es, Bereiche zu beobachten, Auffälligkeiten zu analysieren und zu melden, alle gesammelten Daten korrekt abzuspeichern und die erforderlichen Bilder umgehend abrufen zu können. Bei der Bild-Recherche geht es meistens um Ereignisse, auch „Events“ genannt, die nach Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten rasch verfügbar sein müssen. Nur so tragen sie zweckmäßig zur Aufklärung eines Events bei und sind im Falle eines Rechtsstreits sogar als Beweis zugelassen. Ein Ausfall darf auf keinen Fall passieren. Professionelle Videosicherheitssysteme zeichnen sich dadurch aus, dass sie weder dem User trauen, noch der Technik, die sie umgibt. Ihre Stärke ist es, dass sie einem potenziellen Ausfall, aus welchem Grund auch immer, stets einen Schritt voraus sind. Um genau zu sein, eigentlich vier Schritte.

Redundanz von Netzteilen, Software, Prozessoren und Speichern

Redundanz ist das mehrfache Vorhandensein identischer Komponenten. Anwendbar ist dies auf Hardwarebauteile, wie Netzteile oder Lüfter. Die Bauteile werden prinzipiell parallel betrieben, also „gespiegelt“. Der Ausfall einer Komponente, egal ob Netzteil oder Software, wird durch eine zweite, identische Komponente abgefangen. Selbst das Betriebssystem kann gespiegelt werden. Fällt eine Festplatte des Betriebssystems aus, übernimmt eine andere die Arbeit. Für den Nutzer bleibt dieser Wechsel unbemerkt. Eine automatisch generierte Meldung weist auf das defekte Bauteil hin, damit es umgehend ausgetauscht werden kann. Ein RAID-System ist die redundante Anordnung unabhängiger Festplatten (Redundant Array of Independent Discs). Bei dieser Technik werden Festplatten zu logischen Laufwerken organisiert, wobei mindestens eine Platte mehr benötigt wird als von der Nettospeicherkapazität belegt wird. Vor allem Bilddaten werden am einfachsten mit einem RAID-System gesichert. Hierbei gibt es verschiedene Sicherheitsstufen. RAID 1 ist die einfache Spiegelung, bei RAID-Level 5 oder 6 laufen entsprechend mehrere Festplatten mit, die die Verfügbarkeit gewährleisten. Alle Bilddaten werden dauerhaft und lückenlos aufgezeichnet

Wechsel von Servern oder Recordern Wenn ein Server oder Record

er versagt (engl. to fail), übernimmt (engl. to take over) ein anderer. Failover-Konzepte sichern dank intelligenter Steuerung durch die Software die Verfügbarkeit. Das System an sich wird auf Basis von „Primärrecordern“ aufgebaut. Den Ausfall von Primärrecordern kompensieren ein oder mehrere zusätzliche Recorder. Das Security Information Management, bei Geutebrück heißt das G-SIM, sorgt dafür, dass der Ersatz eines defekten Geräts für den Nutzer transparent erfolgen kann. Namen, Nummern und Zugriffsorte der Kameras bleiben identisch. Man bewegt sich also weiterhin auf vertrautem und damit sicherem Terrain. Auch Aufzeichnungen werden automatisch, von G- SIM gesteuert, von der richtigen Bilddatenbank geholt, sofern der ausgefallene Recorder wieder in Betrieb ist. Lästiges manuelles Suchen nach dem richtigen Speicherort entfällt.

Edge-Recording: Ausfallsicherheit der Kameras

Das Konzept der Ausfallsicherheit schließt nicht nur die Recorderseite mit ein, sondern auch die Seite der Kameras. Edge Recording bedeutet: Die Bilddaten werden zusätzlich in der Kamera auf einer SD-Karte gespeichert. Sollte das Netzwerk also ausfallen, sind die Bilddaten gesichert. Sobald das Netzwerk wieder zur Verfügung steht, werden diese Bilddaten über einen separaten Stream auf den Recorder in die Bilddatenbank gespielt.

Ausfall proaktiv vermeiden

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Bei einigen Komponenten kündigt sich im Hintergrund bereits ein bevorstehender Ausfall an. Hier muss man schon sehr genau hinsehen und genau das kann beispielsweise G- Health. Die Lösung erlaubt das präventive Eingreifen, damit Recorder oder Server erst gar nicht ausfallen können. Sollte es bereits zu kleinen Auffälligkeiten in Sektoren der Festplatten kommen, erhält der Administrator rechtzeitig eine Warnmeldung. So bleibt genügend Zeit, die fehlerhafte Festplatte auszutauschen, bevor sie Probleme bereitet oder sogar ganz ausfällt.

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