Fachartikel aus PROTECTOR 5/2018, S. 30 bis 31

Videoüberwachung in öffentlichen Bereichen Sicherheit mit Augenmaß

Die Videoüberwachung öffentlicher Bereiche findet heute wachsende Zustimmung. Erhalten lässt sich diese Akzeptanz jedoch nur, wenn auch bei der technischen Umsetzung präzise vorgegangen wird. Die damit einhergehenden Herausforderungen werden leicht unterschätzt – und die nötige Projekterfahrung bringen aktuell auch nur wenige Anbieter mit.

Bild: Axis Communications AB
Komplizierte Beleuchtungsverhältnisse lassen selbst die hochwertigste Kamera scheitern, wenn sie nicht optimal platziert ist. (Bild: Axis Communications AB)

Videoüberwachung im öffentlichen Raum ist in jüngster Zeit wieder stärker in den Fokus gerückt. Polizeiliche Fahndungserfolge, die erst durch Videoaufzeichnungen möglich wurden, sowie verschiedene sicherheitsrelevante Ereignisse haben den Ruf nach einem verstärkten Einsatz dieser Überwachungstechnik laut werden lassen und eine stellenweise aufgeheizte Debatte über das Für und Wider entsprechender Sicherheitskonzepte ausgelöst.

Bevölkerung akzeptiert Videoüberwachung

Während das Thema in Politik und Medien noch überwiegend kontrovers diskutiert wird, zeichnet sich in der Bevölkerung inzwischen ein vergleichsweise eindeutiges Stimmungsbild ab: Laut repräsentativen Umfragen, die Ende 2016 beziehungsweise Anfang 2017 von Yougov, Emnid und dem ARD-Deutschlandtrend durchgeführt wurden, begrüßen zwischen 74 und 81 Prozent der Bundesbürger die Videoüberwachung öffentlicher Bereiche. Die mit Abstand höchste Akzeptanz findet dabei Yougov zufolge die Überwachung von Bahnhöfen und Flughäfen, gefolgt von Parkhäusern und Zügen. Aber auch in Unterführungen und Hallen beziehungsweise Stadien sowie auf öffentlichen Plätzen und generell bei öffentlichen Veranstaltungen wird auf Bürgerseite hoher Bedarf gesehen. Das deckt sich vielfach mit der Einschätzung der Sicherheitsbehörden, die sich von den Überwachungsmaßnahmen Abschreckungseffekte sowie wertvolle Unterstützung bei der Aufklärung von Straftaten versprechen.

Einwände von Datenschützern

Gleichwohl werden von Datenschützern berechtigte Einwände gegen eine allzu großzügige Handhabung der Videoüberwachung erhoben – ist der Schutz von Persönlichkeitsrechten doch ein hohes Gut und nicht zufällig fest im Grundgesetz verankert. Dass populären Sicherheitsinteressen nicht uneingeschränkt nachgegeben wird, ist deshalb nur folgerichtig und wird bei allen Videoüberwachungslösungen auch künftig eine wichtige Rolle spielen.

Eine Frage der präzisen Umsetzung

Vor dem Hintergrund des Konflikts zwischen Sicherheits- und Datenschutzfragen wird nun allerdings leicht übersehen, dass zu einer gelungenen Videoüberwachungslösung weit mehr gehört als eine differenzierte rechtliche Güterabwägung. Tatsächlich ist die Umsetzung nämlich auch jenseits rechtlicher Fragen äußerst anspruchsvoll und mit Schwierigkeiten behaftet, deren Komplexität nicht unterschätzt werden sollte. Diese Punkte zu beachten, ist nicht zuletzt auch deshalb wichtig, weil jeder Konsens in Überwachungsfragen durch eine unzureichende technische Umsetzung zunichte gemacht, wenn nicht sogar in sein Gegenteil verkehrt werden kann. Sich auch über Umsetzungsaspekte detailliert Rechenschaft zu geben und für eine präzise Ausführung aller Maßnahmen zu sorgen, ist insofern eine elementare Voraussetzung dafür, die Akzeptanz dieser Sicherheitslösung zu erhalten.

Drei technische Herausforderungen

Aus technischer Perspektive stellen sich bei einer öffentlichen Videoüberwachungslösung prinzipiell drei zentrale Herausforderungen: eine bestmögliche Kamerapositionierung, eine bedarfsgerechte Netzwerk- und Stromverkabelung sowie eine zentrale Zusammenführung, Speicherung und Auswertung aller Informationen (inklusive Visualisierung in der Leitwarte und an den Videoarbeitsplätzen). In zahlreichen Fällen kommt die Notwendigkeit hinzu, alle Installationsmaßnahmen bei laufendem Betrieb durchzuführen. Und auch die rechtliche Problematik ist mit dem Thema Datenschutz nicht erschöpft: Baurechtliche Vorschriften müssen gleichermaßen beachtet werden und können – speziell in denkmalgeschützten Bereichen – Planern und Installateuren ganz erhebliche Anstrengungen abverlangen. Die Gesamtheit dieser Aspekte beherrschen heute nur wenige Komplettlösungsanbieter wie etwa das IoT-Systemhaus Euromicron Deutschland, das von Flughäfen und Bahnhöfen bis zu Fußballstadien und anderen öffentlichen Gebäuden schon das gesamte Spektrum von öffentlichen Videoüberwachungsbereichen bearbeitet hat. Solche spezialisierten Anbieter haben auch den Vorteil, dass ihre konzeptionellen Ansätze streng herstellerneutral sind. Der Betreiber eines öffentlichen Gebäudes kann dadurch frei unter verschiedenen Produkten wählen und so jederzeit auch technologische Weiterentwicklungen rasch neu integrieren.

Kamerapositionierung und Netzwerktechnik

Im Vorfeld jeder Lösungsentwicklung muss zunächst einmal definiert werden, was genau in welchen Bereichen eines öffentlichen Gebäudes oder Platzes erreicht werden soll. Wo ist es notwendig, Personen konkret zu identifizieren, wo genügt einfache Bewegungserkennung? Haben sich bestimmte betriebliche Anforderungen oder Brennpunkte herauskristallisiert, die eine verstärkte Überwachung notwendig machen? Gibt es – wie im Falle vieler historischer Gebäude – Einschränkungen durch den Denkmalschutz? Was für lokale Brandschutz- und Erdungskonzepte sind im Bereich der Mittel- und Niederspannungsanlagen zu beachten, welche Witterungseinflüsse sind zu berücksichtigen? Abhängig von den Antworten können anschließend die einzelnen Lösungsparameter näher bestimmt werden. Die Komplexität der Aufgabe wird spätestens hier schnell deutlich.

Nicht nur, dass entschieden werden muss, welcher Kameratyp aufgrund von Zielsetzung und baulichen Bedingungen in Frage kommt – auch die Positionierung stellt höchste Anforderungen an den Lösungsanbieter. Um eine verlässliche Identifikation zu ermöglichen, genügt es zum Beispiel nicht, sich auf hohe Auflösungen und automatische Einstellungsanpassungen zu verlassen. Vor allem in teilüberdachten Bereichen mit permanent wechselnden Licht- und Schattenwirkungen sowie im Umkreis von Treppenaufgängen ergeben sich oft komplizierte Beleuchtungsverhältnisse, die selbst die hochwertigste Kamera scheitern lassen, wenn sie nicht optimal platziert ist. Gerade an solchen Punkten ist Projekterfahrung unverzichtbar, da nachträgliche Korrekturen oft schwierig und nur unter erheblichem Zeit- und Kostenaufwand zu realisieren sind.

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Die Feinabstimmung der Kameras, bei der beispielsweise mit Hilfe von Normtafeln überprüft wird, ob die gewünschte Auflösung auch wirklich erreicht wurde, ist demgegenüber eine vergleichsweise geringe Herausforderung – wenngleich auch hier natürlich sorgfältig verfahren werden muss. Umfassende Spezialkompetenz ist auch bei der Realisierung der zugrundeliegenden, heute meist IP-basierenden Netzwerktopologie gefragt. Anbieter wie die Euromicron Deutschland, die sich schon früh auf den Aufbau von IP-Netzwerken fokussiert haben, besitzen hier einen Erfahrungsvorsprung. Er ermöglicht eine präzise Einschätzung bestehender Netzwerke wie auch des Bedarfs an neu zu installierenden Komponenten. Auf diese Weise ist sichergestellt, dass IP-Netzwerke realisiert werden, die selbst unter rauen Umgebungsbedingungen eine zuverlässige Übertragung aller Bilddaten und – falls gewünscht – eine PoE-Stromversorgung der IP-Kameras ermöglichen. Das ist insbesondere bei Großinstallationen in Bahnhöfen oder Flughäfen von höchster Bedeutung. Denn wo hunderte von Kameras angeschlossen und deren Bilddaten lückenlos in Leitstände übertragen und auf Servern gespeichert werden müssen, sind weit überdurchschnittliche netzwerktechnische Kenntnisse erforderlich – von der realistischen Einschätzung aktueller wie künftiger Übertragungsraten, über die Auswahl passender Systemkomponenten und Applikationen, die als gehärtetes Gesamtsystem über die entsprechenden Leistungsmerkmale und Sicherheitsfunktionalitäten verfügen, bis hin zur Realisierung von Redundanzen, die für die Aufrechterhaltung optimaler Funktionalität unumgänglich sind.

Rechtliche Aspekte

Für zentrale Leitwarten und subalterne Überwachungsstationen liefern IoT-Systemhäuser heute schlüsselfertige Videomanagementsysteme und Datenbankserver, die eine optimale Verwaltung und Speicherung aller Bilddaten ermöglichen. Beim Betrieb dieser Komponenten muss indessen penibel auf die Einhaltung aller Datenschutzbestimmungen geachtet werden. Zwar halten die Datenbankstrukturen der Videomanagementsysteme die Bilddaten prinzipiell verschlüsselt vor. Auch dürfen Zugriffsrechte nur eingeschränkt nach Notwendigkeit und (insbesondere für Bilddatenrecherche) oft nur nach dem Vier-Augen-Prinzip vergeben werden. Da sich die konkreten Datenschutzrichtlinien jedoch zum Teil von Bundesland zu Bundesland unterscheiden und auch die gerichtliche Auslegung (etwa zur Verhältnismäßigkeit von Speicherfristen) vielfach uneinheitlich ist, müssen in jedem Fall auch Datenschutzbeauftragte und gegebenenfalls Rechtsberater hinzugezogen werden.

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