Fachartikel aus PROTECTOR 5/2018, S. 38 bis 39

Sicherheitsanlagen im Außenbereich Abweisen und Zeit gewinnen

Bei der Absicherung von Geländen kommen immer mehr elektronische Lösungen zum Einsatz. Voraussetzung ist jedoch nach wie vor eine wirksame physische Absicherung. Die Bandbreite von Zaunanlagen und Zutrittskontrollen ist groß – es lohnt sich daher, den Einsatz der Komponenten sorgsam zu planen.

Bild: Betafence
Hochsicherheitszäune, wie das System Securifor, bieten mit ihren engen Maschen keine Angriffsfläche zum Durchtrennen oder Überklettern und halten massiven Angriffsversuchen länger als zehn Minuten stand. (Bild: Betafence)

Hochauflösende Kameras, Detektion mit Lichtwellenleitern, smarte Vernetzung, Fernüberwachung – für die Absicherung von Geländen stehen mittlerweile viele leistungsstarke, intelligente Komponenten zur Verfügung. Doch bei allem Hightech gilt: Ohne eine solide mechanische Sicherung geht es nicht. Zum einen, weil physische Hindernisse Angriffe erschweren und somit ein Zeitfenster für Intervention schaffen. Zum anderen, weil je nach Sicherheitsanforderung (und Budget) nicht jeder Geländeabschnitt mit dem gesamten Arsenal technischer Möglichkeiten abgesichert werden muss beziehungsweise kann.

Wie lange verzögern?

Doch was ist die richtige mechanische Sicherung? Jede Zaunanlage kann überklettert, durchtrennt, untergraben werden. Aber nicht jede Zaunanlage hält solchen Angriffen gleich lange stand. Ein herkömmlicher Maschendrahtzaun ist in etwa 15 Sekunden überwunden, für einen dedizierten Hochsicherheitszaun brauchen selbst Geübte mit schwerem Gerät länger als zehn Minuten. Welche Lösung ausreicht, hängt von der Funktion ab. Soll nur die Grundstücksgrenze ausgewiesen werden, genügt ein einfacher Ordnungszaun. Neben herkömmlichen Geflechtzäunen eignen sich vor allem formstabile Rollengitterzäune mit hoher Zugfestigkeit (bis zu 550 Newton pro Quadratmillimeter). Eine robustere Abweisung leisten Gittermattenzäune wie der klassische Doppelstab. Der Widerstandswert hängt von Drahtstärke und vor allem Befestigung ab. Durchgehende Abdeckleisten und abrisssichere Muttern sind deutlich sicherer als einfache Klemm oder Clipsysteme. Eine wirtschaftlichere Alternative – vor allem bei längeren Zaunstrecken – sind profilierte Zaunsysteme mit einseitiger Querverstrebung. Für die Funktion „robustes Abweisen“ können auch solche Systeme ausreichend sein. Für eine nachhaltige Verzögerung von Angriffsversuchen eignen sich nur dedizierte Sicherheitszäune. Ein Beispiel ist das System Securifor von Betafence. Besonders enge Maschen (76,2 mal 12,7 Millimeter) bieten weder Halt zum Überklettern noch lässt sich ein Bolzenschneider zum Durchtrennen ansetzen. Durch die horizontale Anordnung der Maschen hat die Matte eine gute Durchsicht und behindert nicht die Videoüberwachung. Der Widerstandswert liegt je nach Ausführung und Pfostensystem bei deutlich über zehn Minuten, das System eignet sich damit vor allem für Hochsicherheitsbereiche.

Kontrollierter Zugang

Potenzielle Schwachstellen in der Geländesicherung sind die Zugänge. Der Personenzutritt lässt sich mit Vereinzelungsanlagen kontrollieren, typischerweise Drehkreuze mit Authentifizierung über Kartenlesegeräte oder andere elektronische Kontrollen. Vierarmige Drehkörper, Einhausungen und Übersteigschutz erhöhen die Sicherheit. Auch der Zugang mit Fahrrädern lässt sich so kontrollieren. Es gibt dafür spezielle Drehkreuzausführungen mit separatem Fahrraddurchlass neben dem Drehkörper, der sich bei authentifiziertem Zutritt öffnet. Kritisch ist die Fahrzeugzufahrt. Selbst schnell laufende Schiebetore brauchen je nach Breite zwischen 20 und 40 Sekunden, bis der Perimeter wieder geschlossen ist. Aus Sicherheits- und Komfortgründen werden deswegen zunehmend Schnellfalttore eingesetzt. Das Modell Faldivia beispielsweise öffnet und schließt mit einer Geschwindigkeit bis zu einem Meter pro Sekunde, mehr als dreimal so schnell wie ein schnelllaufendes Schiebetor. Auch die elektromagnetische Verriegelung mit bis zu 540 Kilogramm Zugkraft erfüllt hohe Sicherheitsanforderungen. Egal, ob schieben oder falten: Intelligente Steuerungs- und Überwachungsmöglichkeiten tragen zu mehr Sicherheit bei. Stand der Technik sind Tore mit vielseitigen Konfigurationsoptionen und integrierter Jahreszeitschaltuhr, über die sich der Zutritt differenziert steuern lässt. Interessant ist auch ein neuartiges Monitoring-System, das Betafence für einige Modelle anbietet. Über ein GSM-Modul können vorab definierte Benutzer webbasiert auf Log-Daten des Tores zugreifen, Funktionen testen und Zugangsberechtigungen anpassen – ein hilfreiches Tool, um Störungen und Manipulationsversuche zeitnah zu analysieren.

Zeitweise sichern

Eine wachsende Bedeutung hat die temporäre Sicherung von Geländen. Sie ist nicht nur bei Veranstaltungen gefragt, sondern zunehmend auch als Ergänzung stationärer Sicherungsmaßnahmen bei kritischen Infrastrukturen und besonderen Bedrohungslagen. Eine wesentliche Komponente sind mobile Sicherheitszäune wie das System Publifor. Die rund 2,4 Tonnen schweren Elemente mit beidseitig montierten Gittermatten und massivem Sockel sind äußerst widerstandsfähig und lassen sich mit einem Gabelstapler in kurzer Zeit als temporäre Sicherung aufbauen. Das System wird derzeit unter anderem an Großbahnhöfen und zur Grenzsicherung eingesetzt. Seit dem Anschlag am Berliner Breitscheidplatz sind auch temporäre Fahrzeugsperren in aller Munde. Bei vielen der inzwischen eingesetzten mobilen Lösungen ist allerdings die Anpralllast nicht klar spezifiziert – die Wirksamkeit ist damit ungewiss. Eine Ausnahme ist das System Terrablock XL, dessen Widerstandswert nach IWA 14-1:2013 zertifiziert ist. Die Lösung besteht aus vormontierten Gittern mit Ballastsäcken, die erst am Einsatzort gefüllt werden. So lässt sich mit geringem logistischen Aufwand eine wirksame Fahrzeugsperre einrichten, die zudem optisch diskreter ist als massive Betonelemente.

Abgestimmte Planung

Ob stationär oder temporär – die Bandbreite physischer Geländesicherung ist groß. Eine allgemeingültige Empfehlung für den Einsatz gibt es nicht. Entscheidend ist, Risiken und Anforderungen genau zu definieren und die eingesetzten Komponenten darauf abzustimmen. Dazu gehört unter Umständen auch, unterschiedliche Sicherheitszonen zu definieren. Beispielsweise einen äußeren Perimeter, der das Gelände abgrenzt und Unbefugte abweist, sowie einen inneren Perimeter mit höherer Absicherung für sicherheitskritische Einrichtungen auf dem Gelände. Auch verschiedene Geländeabschnitte können unterschiedliche Anforderungen stellen: Schwer einsehbare, abgelegene Bereiche erfordern eine andere Absicherung als Perimeterstrecken in Sichtweite von Zufahrt und Haupteingang. Die physischen Sicherungsmaßnahmen alleine können abschrecken und Angriffe erschweren. Wenn aktiv interveniert werden soll, muss der Angriff frühzeitig erkannt werden – in der Regel durch eine elektronische Detektion, die an Gelände und Anforderungen angepasst ist. Im Zusammenspiel zwischen mechanischer und elektronischer Sicherung entsteht dann die Möglichkeit, während des Angriffs Gegenmaßnahmen einzuleiten. Voraussetzung sind konkrete, vorab definierte Alarmszenarien im Rahmen eines abgestimmten Gesamtkonzeptes.

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