Fachartikel aus PROTECTOR 5/2018, S. 72

Sicherheitsdienstleister Hohe Abbrecherquote in der Ausbildung

50,6 Prozent aller Ausbildungsverträge in der Sicherheitsbranche („Servicekraft für Schutz und Sicherheit“, „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“) werden abgebrochen. Nachdem gerade die Sicherheitsbranche von „Nachwuchssorgen“ geplagt ist, ein umso erschreckenderes Ergebnis. PROTECTOR & WIK lässt zwei Experten aus dem Ausbildungsbereich über die Hintergründe zu Wort kommen.

"Teufelskreis durchbrechen"
Erst vor kurzem wurde darüber berichtet, dass die Abbrecherquote bei der Ausbildung zur Fachkraft für Schutz- und Sicherheit in Deutschland am höchsten ist. Es stellt sich die Frage, warum gerade dieser Ausbildungsberuf so häufig abgebrochen wird. Die Hauptursache, dass Auszubildende während ihrer Ausbildungszeit unzufrieden sind, liegen an diversen Faktoren. Zu den wichtigen Einflussfaktoren der gesellschaftlichen Wahrnehmung für das Bewachungsgewerbe zählt das teilweise unfreundliche und aggressive Verhalten der Sicherheitsmitarbeiter, die nicht ausreichend qualifiziert sind. Die Hauptursache für das unangebrachte Verhalten der Sicherheitsmitarbeiter ist jedoch die Unzufriedenheit, die wiederum auf die geringe Bezahlung und die langen Arbeitszeiten zurückzuführen sind. Besonders hoheitliche Aufgaben werden an günstige private Sicherheitsdienstleister ausgelagert, worunter jedoch die Qualität der Arbeit leidet, da unqualifizierte Sicherheitsmitarbeiter und unseriöse Unternehmen eingesetzt werden.
Zur Person
Lydia Limpach ist Prüferin bei der IHK Berlin, unter anderem auch für den Ausbil-dungsberuf „Fachkraft für Schutz und Sicherheit“. Derzeitig vertritt sie die Sicher-heitsakademie Berlin.
Ebenso kritisch werden die zu niedrigen Mindestvoraussetzungen gesehen, um im Bewachungsgewerbe tätig zu werden, da sich die geringen Zugangsvoraussetzungen negativ auf die Qualität der Dienstleistung auswirken. Ein ebenso wichtiger Einflussfaktor für die gesellschaftliche Wahrnehmung ist die Medienberichtserstattung. Die Medien setzen sich meist kritisch mit den Aktivitäten der Unternehmen auseinander, wobei negative Ereignisse im Bewachungsgewerbe dann auf die gesamte Branche projiziert werden. Die Gesellschaft erhält ein negatives Bild von den privaten Sicherheitsdienstleistern und lehnt diese ab. Solange die Medien nicht positiv über das Bewachungsgewerbe berichten, weil sich oben genannte Faktoren nicht ändern, wird sich der Beruf auch nicht zu einem attraktiven Ausbildungsberuf wandeln. Die Abbrecherquote wird bestehen bleiben oder noch weniger Auszubildende können für die Ausbildung begeistert werden.
"Berufsorientierung stärken"
Beim Thema „Abbrüche“ ist Differenzierung gefragt: So gibt es viele Auszubildende, die ihren Vertrag zwar lösen, anschließend aber ihre Ausbildung in einem anderen Beruf oder Betrieb fortsetzen. Der tatsächliche Anteil an „Ausbildungsabbrüchen“ ist daher deutlich niedriger, als häufig publiziert wird. Lösung in der Probezeit meint im Übrigen auch das Nicht-Antreten von Stellen: Jugendliche lösen in konjunkturell guten Zeiten leichter einen Vertrag auf, da sie über Alternativen verfügen. Zunehmend werden mehrere Verträge unterschrieben; häufig werden nicht angetreten Stellen nicht einmal abgesagt. Diese können dann oftmals nicht mehr nachbesetzt werden, was einen wirtschaftlichen Schaden für die betroffenen Unternehmen bedeutet. Für die Vertragslösungen nach Beginn der Ausbildung können neben betrieblichen, persönlichen oder schulischen zum Beispiel auch berufswahlbezogene Gründe in Betracht kommen.
Zur Person
Simon Grupe ist Referatsleiter kaufmännische und Dienst-leistungsberufe Bereich Ausbildung des DIHK – Deutscher Industrie- und Handels-kammertag e. V.
Eine frühzeitige und gezielte Berufsorientierung kann hier helfen, damit am Ende Erwartungen und Realität über einen Beruf auch zusammenpassen. Die Betriebe reagieren, indem sie Praktika anbieten und sich bei der Gewinnung und Bindung von jungen Fachkräften stärker engagieren. Generell sind sie für das Thema Vertragslösungen sensibilisiert und handeln angesichts der allgemeinen Entwicklungen auf dem Ausbildungsmarkt entsprechend. Die IHKs unterstützen dies und engagieren sich verstärkt, um Vertragslösungen beziehungsweise endgültige Ausbildungsabbrüche zu verhindern. Sie bieten Beratung für Jugendliche und Betriebe an und beteiligen sich an Initiativen zur frühzeitigen Problemerkennung und -bewältigung in der Ausbildung wie „VerA“ und „Quabb“. Hier werden Jugendlichen bei ihrem Start in der Ausbildung begleitet und bei Schwierigkeiten im betrieblichen oder schulischen Umfeld unterstützt.

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