Fachartikel aus PROTECTOR 6/2018, S. 26 bis 27

Fluchtwegsicherungssysteme Sicher, einfach und flexibel

Wenn Flucht- und Rettungswegtüren wirksam gegen Missbrauch gesichert werden sollen, ohne die Flucht im wirklichen Gefahrenfall zu behindern, ermöglichen bauaufsichtlich zugelassene Fluchtwegsicherungssysteme die professionelle Erfüllung dieser beiden Ansprüche.

Bild: Dormakaba
Das neue Fluchtwegsicherungssystem „SafeRoute“ ermöglicht durch eine Zusammenführung aller Sicherheits- und Komfortfunktionen auf einer weitgehend einheitlichen Hardware-Plattform eine deutliche Vereinfachung von Planung, Umsetzung, Betrieb und Service. (Bild: Dormakaba)

Aktuell verfügbare Systeme können dabei sehr vielfältige Anforderungen erfüllen, erfordern aber in der Regel am Anfang eine Festlegung der gewünschten Funktionen und des Systemaufbaus. Ein neues System ermöglicht jetzt dem Planer eine höhere Flexibilität und gleichzeitig mehr Planungssicherheit.

Rechtliche und normative Grundlagen

Flucht- und Rettungswege dienen der ungehinderten Flucht aus einem möglichen Gefährdungsbereich und der ungehinderten Arbeit von Rettungskräften, also der Sicherheit von Menschen. Daher müssen sich in ihrem Verlauf befindliche Türen jederzeit leicht und ohne Hilfsmittel öffnen lassen. Andererseits ist es oft erforderlich, eine unbefugte Nutzung der Tür im normalen Betrieb wirksam zu unterbinden. Diese Forderung wird beispielsweise gestellt, um Sachwerte zu schützen oder um Schaden von Personen abzuwenden, die sich nicht unerlaubt entfernen dürfen, etwa Kinder im Kindergarten. Je nach Funktionsanforderungen wird dieser Konflikt durch die Kombination von geeigneten Notausgangs und Paniktürverschlüssen mit unterschiedlichen Ausführungen bauordnungsrechtlich zugelassener Fluchtwegsicherungssysteme gelöst. Die Auswahl einer geeigneten Fluchtwegsicherung erfolgt in der Regel anhand technischer Baubestimmungen, Sonderbauverordnungen sowie verschiedener Planungs- und Brandschutzrichtlinien. Wichtigste Grundlage ist aktuell die EltVTR (Richtlinie über elektrische Verriegelungssysteme von Türen in Rettungswegen) als geltendes Baurecht in Deutschland. Insbesondere in Ländern, die bisher keine verbindlichen Baubestimmungen für Fluchtwegsicherungssysteme hatten, wird zunehmend auch die EN 13637 (Elek trisch gesteuerte Fluchttüranlagen für Türen in Fluchtwegen) als europaweit anerkannter Standard herangezogen. EN 13637 stellt erstmals eine normative Definition von Zusatzfunktionen wie Zeitverzögerung zur Verfügung, erlaubt neue Funktionen wie automatische Alarmquittierung und geht außerdem auf das gesamte System „Fluchttür“ ein, also auch auf Bedien elemente nach EN179/EN1125 und auf Anforderungen für Barrierefreiheit.

Systemkomponenten und Funktionen

Je nach Funktionsanforderungen können unterschiedliche Ausführungen von Fluchtwegsicherungssystemen zum Einsatz kommen. Die Sicherheitsansprüche sind dabei so individuell wie die Gebäude und deren Nutzung und reichen von der Absicherung einer Einzeltür bis zu großen, vernetzten Systemen und Anwendungen, die weit über reine Fluchtwegsicherung hinausgehen. Die meisten aktuell verfügbaren Systeme bieten zwar bereits eine entsprechende Skalierbarkeit und vielfältige Funktionen, oft sind diese aber von unterschiedlichen Hardware-Komponenten abhängig. Zusätzlich muss geprüft werden, welchem der beschriebenen Standards die gewählten Produkte entsprechen, ob diese am jeweiligen Einsatzort verwendbar sind, und welche Fabrikate gegebenenfalls kombiniert werden dürfen. Planung und Umsetzung erfordern daher eine weitgehende Kenntnis des individuellen Anwendungsfalls bereits in einer sehr frühen Planungsphase sowie eine Festlegung der Funktionalität über unterschiedliche Systemkomponenten. Spätere Erweiterungen oder Anpassungen, beispielsweise bei Nutzungsänderung des Gebäudes, erfordern dann zusätzliche Hardware und mitunter den Austausch des gesamten Systems.

Visuelle Unterstützung

Das neue Fluchtwegsicherungssystem „SafeRoute“ ermöglicht durch eine Zusammenführung aller Sicherheits- und Komfortfunktionen auf einer weitgehend einheitlichen Hardware-Plattform eine deutliche Vereinfachung von Planung, Umsetzung, Betrieb und Service. Herzstück des Systems, das gleichermaßen die Anforderungen der EltVTR und der EN 13637 erfüllt, ist die Steuereinheit „SafeRoute Control Unit“ (SCU). Diese ist in den Ausführungen Unterputz-Einsatz, Aufputz- Terminal und Hutschienengerät verfügbar. Der Funktionsumfang der SCU wird nicht durch spezielle Zusatz-Module, sondern durch eine wählbare Lizenz definiert. Auf diese Weise kann die Planung des Systemaufbaus weitgehend identisch und unabhängig vom später wirklich erforderlichen Funktionsumfang erfolgen.

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Eine Erweiterung um spezielle Zusatzfunktionen oder der Austausch durch eine höherwertige Lizenz ist jederzeit möglich. Da die Lizenz auf einer steckbaren Lizenzkarte enthalten ist und nach einmaligem Erwerb dauerhaft einsetzbar bleibt, kommt dieses Modell vollständig ohne Abo- oder Lizenzverwaltung aus. Aktuell stehen die Lizenzen Mini, Basic und Standard zur Verfügung. Die Unterputz- und Aufputzvarianten der SCU können außerdem ohne Lizenzkarte als reine Nottaste betrieben werden, etwa in bidirektionalen Fluchtwegen oder zum Anschluss an eine SCU auf Hutschiene. Bei der Verkabelung des Systems setzt der Hersteller Dormakaba auf eine Weiterentwicklung des bewährten „DCW Systembus“. Alle Grundkomponenten des Systems – Steuereinheit, Nottaste und Türverriegelung – werden jetzt einheitlich über vier Adern verbunden, so dass kein separater Notabschaltkreis mehr erforderlich ist. Lizenzabhängig können auch Zusatzkomponenten wie Motorschlösser über den Bus angeschlossen und gesteuert werden, beispielsweise selbstverriegelnde Panik-Motorschlösser „SVP 2000 DCW“. Abhängig von der Systemkonfiguration können außerdem Systeme aus bis zu vier Türen mit einer einzigen Steuereinheit betrieben werden, wobei alle Türen individuell bedienbar bleiben. Soll ein solches Mehrtüren-System vernetzt werden, ist dafür zukünftig nur noch ein einzelnes Vernetzungsmodul erforderlich. Eine in der Nottaste integrierte Acht- Segment-LED-Anzeige ermöglicht eine differenzierte visuelle Unterstützung bei der Inbetriebnahme, bei der Bedienung, beim Service und bei der Fehlersuche sowie die visuelle Signalisierung für spezielle Funktionen, wie etwa den Rückwärtszähler für Zeitverzögerung nach EN 13637.

Planungssicherheit und Flexibilität

Das System bietet für alle am Planungs und Umsetzungsprozess Beteiligten eine deutliche Erhöhung von Flexibilität und Wirtschaftlichkeit, da die weitgehend einheitliche Hardware-Plattform und der weiterentwickelte Systembus die Realisierung verschiedener Steuerungskonzepte deutlich vereinfachen. Ein weitgehend identischer Systemaufbau an der individuellen Tür ermöglicht die Realisierung einer reinen Fluchtwegsicherung für Einzeltüren, die Ausrüstung der Tür mit speziellen Funktionen oder die Einbindung in vernetzte Systeme und Gebäudeleittechnik – sowohl bei der Planung als auch über nachträgliche Erweiterungen oder Austausch der Lizenz. Da „SafeRoute“ den Vorgaben der EltVTR und der EN 13637 entspricht, ist der Einsatz in Deutschland und Europa sowohl nach aktuellen als auch nach zukünftigen Anforderungen möglich.

Daniel Rebhandl, Produktmanager Markt Türtechnik, dormakaba Deutschland GmbH

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