Fachartikel aus PROTECTOR 6/2018, S. 73

Fake News Gesundes Misstrauen

Falschnachrichten werden bewusst in die Welt gesetzt, um anderen zu schaden. Mit dem sozialen Netz und mit der ungeheuren Welle an Fake News greift daher eine ganz neue Form krisenhafter Themen um sich.

Bild: AdobeStock/Kagenmi
(Bild: AdobeStock/Kagenmi)

Statt mehr Transparenz zu erreichen, verbreitet sich eine falsche Nachricht über das Internet wie ein Lauffeuer, wird geteilt und sorgt statt für Meinungsvielfalt für die Manipulation von Meinungen. Die Motive dabei sind vielfältig. Es geht um klare politische und/oder wirtschaftliche Interessen – oft in Verbindung mit krimineller Energie. Und somit um finanzielle Schäden, die jährlich mit Milliardenbeträgen zu Buche schlagen können. Das Kon strukt selbst ist nicht neu. Lügen waren schon immer ein Teil menschlicher Kommunikation.

Zur Person
Dr. Elke Neujahr ist Lehrbeauftragte im Studiengang Risiko- und Sicherheits-management an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Bremen und Mit-Inhaberin der Beratungsgesellschaft comm:up Kommunikation & Management GmbH in Düsseldorf.

Neu ist, dass es nun moderne Kommunikationsplattformen wie Facebook, Twitter oder Reddit gibt, um sie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen und wo sie weiter geteilt werden können. Und mit Fake News lässt sich Geld verdienen. Es gibt inzwischen professionelle Fake-Autoren, die schreiben und kopieren unwahre Artikel und verdienen Geld mit der Werbung auf Webseiten. Diese Seiten vermitteln eine hohe Authentizität. Sie sehen aus wie seriöse Nachrichtenseiten und heißen auch so. Diese Kombination aus scheinbar seriöser Quelle und Teilen der Inhalte wirkt doppelt. „Geteilt“ ist heute die neue Glaubwürdigkeitswährung – vor allem wenn die Nachricht über den Twitter- Account des US-Präsidenten läuft.

Beispiele für solche Fake News gibt es viele. „Der Papst als Trump-Fan“: Wegen diskriminierender Aussagen über mexika nische Einwanderer halte er den Präsidentschaftsbewerber Trump nicht für einen Christen, sagte Franziskus. Trotzdem verbreitete sich die Falschmeldung, der Papst unterstütze Trump als Präsidentschaftskandidaten auf Facebook etwa eine Million Mal. Oder der „Fall Lisa“: Am 16. Januar 2016 verbreitete der staatliche russische Kanal „Perwij Kanal“ die Meldung einer angeblichen Vergewaltigung der 13 Jahre alten Schülerin Lisa aus Berlin-Marzahn.

Woran erkennt man Falschnachrichten?
  • Nachricht prüfen: Findet sich die Nachricht auch auf anderen Internetseiten? Veröffentlichen auch andere Kanäle wie Hörfunk oder Fernsehen und Tagespresse die Meldung?
  • Verfasser prüfen: Wer hat die Nachricht verbreitet? Gibt es von dem Autor schon andere Nachrichten, die nicht der Wahrheit entsprechen? Findet sich ein Impressum auf der Seite, also weist sich der Autor aus?
  • Quelle prüfen: Ist die Quelle seriös und nachverfolgbar? Wird sie auch von anderen Verfassern genannt?
  • Bilder prüfen: Woher stammt das verwendete Bild? Gibt es einen Bildnachweis?
  • Datum prüfen: Wie aktuell ist die Nachricht? Ist überhaupt ein Datum angegeben?
  • Inhalte überprüfen: Lassen sich widersprüchliche Aussagen feststellen?
  • Nachrichten im Internet überprüfen: Es gibt Internetseiten, die Informationen über Fake News sammeln. Dort findet man Informationen über gefälschte Nachrichten und Bilder. Beispiele für diese Seiten: mimikama.at, hoaxmap.org, faktenfinder.tagesschau.de, tineye.com
Die Täter seien Südländer, vermutlich Flüchtlinge gewesen, hieß es. Die Nachricht sorgte für Proteste und Demonstratio nen in vielen Städten. Wahr ist die Geschichte allerdings nicht. Auch die Unternehmenssicherheit ist von Fake News betroffen. Daher sollten sich ganz verschiedene Disziplinen mit dem Thema auseinandersetzen. Um hier Abhilfe zu schaffen, müssen zusätzliche Abwehrmaßnahmen und auch eine neue Sensibilität für Nachrichten sowie deren Verbreitung greifen. Zum Beispiel sind Risiko- und Sicherheitsmanagement in Verbindung mit Kommunikationsmanagement gefragt. Aufgabe ist es zunächst, mögliche Themen zu identifizieren und zu beobachten, die das Potential zur Falschmeldung haben können. Im Ernstfall geht es dann darum, früh zu erkennen, ob die Inhalte einer Nachricht stimmen. Das ist gar nicht so einfach, denn Fake News haben oft einen wahren Kern. Einmal verbreitet, findet die Nachricht darum auch viele Menschen, die diese als Wahrheit annehmen – gerade in unserer komplexen Welt.

Kontakt- und Firmen-Infos im Branchenverzeichnis

Mehr auf Sicherheit.info