Fachartikel aus PROTECTOR 7-8/2018, S. 68 bis 69

Bargeldlogistik Auf neuen Wegen

Wertelogistiker in Deutschland sehen sich heute einem hohen Kostendruck ausgesetzt. Der Schutz der Mitarbeiter und der zu transportierenden Werte lässt sich in dem hart umkämpften Markt kaum in den Preisen abbilden. Der Trend zum ungepanzerten Geldtransport nimmt zu und verhilft den Unternehmen zu einer stabilen wirtschaftlichen Entwicklung.

Bild: CST
So sehen moderne ungepanzerte Geldtransportfahrzeuge aus. (Bild: CST)

Ein besonders erfolgreiches Beispiel für den Einsatz neuer Technologien ist die Volksbank Brawo Service GmbH mit Sitz in Braunschweig. Als Tochter der Volksbank Brawo kennt man sich dort inzwischen seit einigen Jahren mit ungepanzerten Geldtransporten aus.

Hier wurden zunächst interne Transporte mit herkömmlichen Fahrzeugen und speziell dafür entwickelten Geld- und Werttransportbehältnissen durchgeführt. Heute umfasst das Portfolio des Unternehmens darüber hinaus die Versorgung von Geldautomaten und externen Kunden mit Bargeld.

Neues Schutzkonzept

Die Idee dahinter ist gar nicht so neu und kam zunächst aus Skandinavien. Dort sind bereits seit langer Zeit „Softcars“ im Einsatz. Diese Fahrzeuge verfügen über keine physische Panzerung im herkömmlichen Sinne, sondern ausschließlich über einen elektronischen Schutz. Elektronische Systeme sichern die Zugänge zu den Werteräumen in den Fahrzeugen anstelle von dicken Stahlwänden. Hinzu kommt, dass das Personal überwiegend unbewaffnet ist.

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Herzstück der Fahrzeuge sind die tintengeschützten, mobilen Transportbehältnisse. Die „IBNS“ – Intelligente Banknotenneutralisations-systeme – sorgen im Falle eines Diebstahl- oder Manipulationsversuchs dafür, dass die deponierten Werte durch Einfärbung unbrauchbar gemacht werden. In ganz Europa werden inzwischen gut fünfzig Prozent aller Geldtransporte ungepanzert durchgeführt. Gern wird Schweden als Beispiel für den Erfolg genannt. Dort wurden um die Jahrtausendwende immer schwerere Überfälle mit zunehmend brutalerem Vorgehen verzeichnet. Als Gegenmaßnahme wurden immer dickere Panzerungen an den Fahrzeugen eingesetzt, was letztlich wiederum zu noch aggressiveren Angriffen, zum Beispiel mit Sprengstoff, auf die Fahrzeuge führte. Diese Gewaltspirale wurde erst durch den Einsatz von Softcars und IBNS-Systemen durchbrochen. Im Falle eines Diebstahlversuchs wurde das Geld sofort eingefärbt, der Anreiz für die Täter war weg.

Den Täter niemals belohnen

Das grundlegende Konzept der Technik basiert darauf, den Anreiz oder gar den Versuch für Raubüberfälle und Verbrechen mit Hilfe von innovativer Technologie präventiv zu verhindern. Bei jedem unautorisierten Versuch, die Transportbehältnisse zu öffnen, aktiviert das IBNS und färbt die Werte unwiederbringlich ein. Es ist dabei völlig egal, ob der Zugriffsversuch auf die Werte mit Sprengstoffen, Flüssigkeiten, Tasern, Kälte oder anderen gängigen Methoden erfolgt.

Der Geldbote selbst wird für den Täter dabei vollkommen uninteressant. Er hat selbst keinen Zugriff auf den Inhalt des IBNS-Koffers und kann ihn im schlimmsten Fall auch einfach hergeben. Darüber hinaus weisen leicht verständliche Piktogramme auf den Koffern und an den Fahrzeugen auf die vorhandene IBNS-Technologie hin.

Im Alltag bewährt

Die Volksbank Brawo Service GmbH hat diese Philosophie gern für sich adaptiert. Viele der Geldboten waren früher selbst für den internen Geldtransport in den Bankfilialen tätig und konnten nun im unbewaffneten Geldtransport eingesetzt werden.

Um das Geschäft wirtschaftlich erfolgreich zu betreiben und eine schnelle Amortisation der Investitionskosten erreichen zu können, wurde zunächst sorgfältig geplant. Mit der CST Cash-Security-Tec GmbH hatte man hierfür schnell einen erfahrenen Partner gefunden. Das Unternehmen bringt die schwedischen „Strongpoint“-Systeme nach Deutschland und steht mit den markanten blauen Koffern inzwischen synonym für IBNS und Einfärbetechnik.

Viele Fragen wurden anfangs besprochen. Wie sehen die optimalen Touren aus, und wie müssen die Fahrzeuge dafür ausgestattet sein? Wie viele IBNS-Koffer werden für die Banknotentransporte benötigt, wie viele Münzen müssen im Fahrzeug Platz finden und welches Fahrzeug eignet sich dafür am besten? Das erste Fahrzeug war ein Volkswagen Caddy – klein, aber geräumig. Die Mitarbeiter waren von Anfang an äußerst zufrieden mit der neuen Technik und den Abläufen. Schnell kam die Idee für weitere Fahrzeuge auf. Erneut wurde geplant, und neue Touren wurden erdacht. Die Wahl fiel diesmal auf den Volkswagen Transporter. Mehr Raum und mehr Nutzlast waren die ausschlaggebenden Kriterien.

Hybridlösung für Bundesbanktouren

Mit Bargeld gefüllte Safebags und loses Geld zur Automatenbestückung finden in den Transportbehältnissen ihren Platz. Geht es aber zur Bundesbank, muss in den Fahrzeugen auch Platz für die „P-Behälter“ sein. Bis vor nicht allzu langer Zeit hatte man bei der VB Brawo Service GmbH die Transporte zur Bundesbank bei anderen Werttransporteuren eingekauft. Zufrieden war man damit aber nicht, da das eigene Geschäftskonzept mit dieser Variante nicht ganz vollständig erschien und man doch wieder von Dritten abhängig war. Auch hierfür lag schnell eine Lösung auf dem Tisch. Diese war so simpel wie genial. Warum nicht einen Hybriden aus der bewährten Technik des gepanzerten Geldtransporters und der neuen IBNS-Technologie kreieren?

Als Grundlage diente ein herkömmlicher, gepanzerter Geldtransporter mit Schleuse. Die Fahrzeugkonstrukteure planten das Konzept so um, dass in der Schleuse zusätzlich IBNS-Koffer in einem Regal gesichert werden können. Der Laderaum dient dem Transport von P-Behältern und Münzcontainer. Das Fahrzeug kann somit den geschlossenen „Schleuse- Schleuse-Transport“ zur Bundesbank durchführen, wird aber auch für das normale Alltagsgeschäft mit den IBNS-Koffern eingesetzt. Dafür wird einfach per elektronischem Schlüssel der Sicherheitsmodus von „gepanzertem Geldtransporter“ auf „Softcar“ gewechselt.

Planbarer Erfolgsfaktor

Anders als bei herkömmlichen, gepanzerten Fahrzeugen können die IBNS-Systeme und wesentliche Teile der Ausstattung nach Ablauf der Fahrzeuglebenszeit in ein neues Fahrzeug umgesetzt werden. Eine Mehrfachnutzung ist möglich. Darüber hinaus kann dank eines Complete Service Agreements (CSA) schon im Voraus ganz genau gesagt werden, wie die Service- und Wartungskosten über die gesamte Produktlebensdauer sein werden.

Die TCO (Total cost of ownership) machen die IBNS-Technologie zu einem planbaren Faktor für den Unternehmer. Amortisation und Kostenvorteile lassen sich schon in der Planungsphase zur Umstellung auf die IBNS-Technologie genau berechnen. Was in Niedersachsen zunächst vor mehr als zwei Jahren als Pilotmodell getestet wurde, fand schnell auch andere Interessenten in Deutschland. Inzwischen gibt es in verschiedenen Ballungsgebieten und auch in ländlichen Gegenden vergleichbare Projekte für Softcars: Banken und Sparkassen, die den Transport zu den Filialen sowie die Versorgung ihrer Geldausgabeautomaten insourcen, für ihre Kunden und andere Kreditinstitute Dienstleistungen erbringen und ihre Mitarbeiter nicht bewaffnen wollen. Genau wie Werttransporteure, die neue Wege einschlagen wollen und müssen, bei immer weniger Stopps auf den Touren und bei einem extremen Personalmangel in der Branche.

Robert Frischbier, Marketing + Business Development, CST CASH-SECURITY-TEC GmbH

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