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Fachartikel aus PROTECTOR 9/2018, S. 22 bis 23

6. Branchenbarometer Sicherheitstechnik Teil 1 Blick in die Zukunft: Positiv!

Die Ergebnisse des 6. Branchenbarometers von PROTECOR & WIK und der Unternehmensberatung Dr. Wieselhuber & Partner zeigen nach einer Pause in 2017 erstmals wieder neue Erkenntnisse für die Branche.

Bild: Dr. Wieselhuber & Partner GmbH
Einfluss der Megatrends auf die Geschäftsentwicklung der Sicherheitstechnik in den nächsten drei bis fünf Jahren: Welche Trends bestimmen nachhaltig die Branche? (Bild: Dr. Wieselhuber & Partner GmbH)

Der Blick auf die Megatrends zeigt im ersten Teil der Auswertung eine deutliche Dominanz beim technischen Fortschritt und der Digitalisierung. Auch bei den erwarteten Wachstumsraten liegt eine Neubewertung vor: Nach positiven Erwartungen in den vorangegangen Umfragen wird die Branchenentwicklung für die nächsten zwölf Monate wieder deutlich verhaltener eingeschätzt. Auch in den Ergebnissen zur Frage nach der erwarteten Umsatzentwicklung für diesen Zeitraum drückt sich eine etwas pessimistischere Einschätzung der Lage aus.

Teilnehmerstruktur

Die Gruppe der Umfrageteilnehmer am 6. Branchenbarometer setzt sich wie folgt zusammen: Etwa 74 Prozent der Teilnehmer stammen aus den Branchensegmenten Videoüberwachung, Zutrittskontrolle, Einbruch- und Perimeterschutz, wobei sich etwa 63 Prozent als Systemanbieter, Teilsystemanbieter oder Komponentenhersteller positionieren. Dabei repräsentieren etwa 13 Prozent den Handel, und 17 Prozent positionieren sich als Errichter. Ungefähr 75 Prozent der Antworten kommen von Unternehmen mit einer Betriebsgröße von über 100 Mitarbeitern, knapp 33 Prozent der Unternehmen haben sogar eine Betriebsgröße von über 500 Mitarbeitern.

Megatrends

Die Teilnehmer sprechen folgenden Megatrends den höchsten Einfluss auf die Geschäftsentwicklung der nächsten drei bis fünf Jahre zu: 1. neue Technologien gepaart mit der digitalen Transformation (etwa 4,5 von max. 5,0 Punkten), 2. die voranschreitende Globalisierung (etwa 3,8) und 3. die steigende Migration/Zuwanderung (etwa 3,8). Der schwächste Einfluss wird Megatrends wie 10. den wachsenden geopolitischen Krisenherden (etwa 2,9), 11. dem kulturellen und gesellschaftlichen Wandel (etwa 2,7) und 12. dem zunehmenden Kampf um Primärenergien (etwa 2,6) zugeschrieben. Dabei ist bemerkenswert, dass neue Technologien und die Digitalisierung gegenüber der letzten Befragung mit einem Zuwachs von 18,4 Prozent die stärkste positive Veränderung erfahren haben. Die stärksten negativen Veränderungen liegen bei den Trends des kulturellen und gesellschaftlichen Wandels (-24,5 Prozent), dem steigenden Bedürfnis nach Privatsphäre (-19,8 Prozent) und der Zunahme von Terrorrisiken (-18,8 Prozent) vor. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass der technologische und digitale Wandel weiterhin Trendthemen der Branche bleiben. Auch Innovationen sowohl bei Produkten als auch bei Geschäftsmodellen nehmen weiterhin dominierende Positionen ein, da sie helfen, sich gegenüber den Kunden wie auch im Wettbewerb erfolgreich zu differenzieren. Während die Migration sich immer noch auf einem der Spitzenplätze befindet, spielen Terrorrisiken und geopolitische Krisenherde trotz der politisch teilweise brisanten Großwetterlage in der Wahrnehmung der Teilnehmer nur eine untergeordnete Bedeutung.

Spezifische Trends der Sicherheitstechnik

Bei den spezifischen Trendthemen der Branchen rangieren die folgenden Nennungen im Spitzenfeld: 1. multifunktionale Lösungen (etwa 4,4 von 5,0), das heißt die Integra tion von verschiedenen Sensortechnologien in einem Gerät (Sensor Fusion), 2. Systemlösungen (etwa 4,4), 3. self-aware- und self protecting-Systeme (etwa 4,3) und 4. die Polarisierung der Märkte im Sinne von Premium versus Low Cost-Geschäften (etwa 4,2). Hingegen werden 13. wearable technologies (etwa 3,1) und 14. die Migration von B2Bzu B2C-Lösungen (etwa 3,0) nicht als Gefahren für die Branche eingeschätzt. Auffällig ist, dass den höchsten Zuwachs im Vergleich zur letzten Befragung die beiden Securitytrends self-aware- und self-protecting-Systems (+34,4 Prozent) und multifunktionale Lösungen, das heißt Sensor Fusion (+17,1 Prozent) aufweisen. Die Veränderung in der Wertung verdeutlicht, welche Wichtigkeit der Vernetzung beziehungsweise Digitalisierung in Verbindung mit der Gewährleistung der erforderlichen Cyber Security zukommt. Die Einschätzung zu diesem Thema hat sich in den letzten drei Jahren komplett gewandelt: Je mehr Algorithmen Gefahrensituationen unabhängig vom Beobachter erkennen sollen, je mehr über IP läuft (Stichwort IoT), desto wichtiger werden Systeme, die eine Eigensicherung aufweisen. Zum anderen wird der Funktionsdichte der Geräte in Zukunft eine immer höhere Aufmerksamkeit geschenkt werden müssen, was möglicherweise die Grenzen zwischen den einzelnen Subgewerken in der Branche auflösen wird.

Generelle Marktentwicklung

Generell lässt sich festhalten, dass die positiven Einschätzungen der Marktentwicklung in den letzten Befragungen (+5,0 Prozent in 08/2015 und +5,5 Prozent in der Ausgabe 11/2016 von PROTECTOR & WIK) nun wieder einer etwas verhaltenen Einschätzung Platz gemacht haben: Die Teilnehmer gehen aktuell nur noch von einem Marktwachstum in Höhe von 3,6 Prozent für die nächsten 12 Monate aus. Allerdings zeigt sich hinsichtlich der einzelnen Branchensegmente wieder ein heterogenes Bild: Während für den Bereich Videoüberwachung nach wie vor ein überdurchschnittliches Wachstum in Höhe von +6,2 Prozent erwartet wird, werden für die klassischen mechanischen Sicherheitslösungen rückläufige Märkte in Höhe von -5,2 Prozent prognostiziert. Die grundsätzlichen wie auch die spezifischen Trends in der Sicherheitstechnik sind intakt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob in der Einschätzung der Teilnehmer die allgemeinen Unkenrufe bezüglich eines Nachlassens der Konjunktur im Euroraum Widerhall finden. Fest steht, dass es keinen Grund für ein deutliches Nachlassen der Branchenkonjunktur gibt. Wichtig ist allerdings auch, dass die Unternehmen sich in einem zunehmend komplexeren Markt- und einem von Veränderungen unterworfenen Branchenumfeld immer wieder aufs Neue Gedanken über die eigene Strategie beziehungsweise Markt-/Wettbewerbspositionierung machen müssen.

Umsatzerwartung

Parallel zur Einschätzung der Marktentwicklung hat sich die Haltung der Befragten zur eigenen Umsatzentwicklung gegenüber den letzten Erhebungen (+4,9 Prozent in 08/2015 und +5,8 Prozent in Ausgabe 11/2016) eingetrübt: Die Teilnehmer gehen aktuell nur noch von einem Umsatzwachstum in Höhe von 4,3 Prozent für die nächsten 12 Monate aus, was der niedrigste Wert seit Start der Erhebung ist. Auch bei der Umsatzerwartung nimmt der Bereich Videoüberwachung die Spitzenposition (+6,6 Prozent) und der für mechanische Sicherheitslösungen (-9,8 Prozent) das Schlusslicht ein, was möglicherweise zu pessimistisch gesehen wird. Auffällig ist, dass die Umsatzentwicklung um 0,7-Prozentpunkte besser eingeschätzt wird als die der Marktentwicklung. Erklärbar ist dies entweder dadurch, dass die Teilnehmer von der Durchsetzbarkeit von Preiserhöhungen und/oder von der erfolgreichen Verdrängung von Marktteilnehmern ausgehen. Auch hier gilt: Für die erfolgreiche Umsetzung beider Ziele ist eine überdurchschnittliche Markt- und Wettbewerbsposition eine unumgängliche Voraussetzung. In der Oktober-Ausgabe von PROTECOR & WIK (erscheint am 19.10.) gehen wir auf weitere interessante Ergebnisse der Befragung ein. Themen werden unter anderem die Erwartungen hinsichtlich der Preis-, Kosten- und Investitionsentwicklung sowie die verschiedenen strategischen Hebel in der Marktbearbeitung der Teilnehmer sein. Die Ergebnisse zu den erwarteten Veränderungen in der Branchenstruktur runden die Darstellung ab.

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