Fachartikel vom 09/07/2018

Rückblicke/Ausblicke Zu schmal gedacht

Heute befassen wir uns in unserer Archiv-Rubrik mit Innovationen, die es nicht geschafft haben, sich durchzusetzen. Dazu gehört das in der Juni-Ausgabe 1979 vorgestellte Polavision-System für Sofortbilder.

Seit nunmehr gut zehn Jahren wirft das Redaktionsteam von PROTECTOR & WIK immer wieder einen Blick in das 45 Jahre zurück reichende Archiv des Heftes. Die interessantesten historischen Fundstücke, Kuriositäten und Zeitzeugnisse präsentieren wir in jeder Ausgabe im „Abspann“. Sofern möglich und angebracht versehen wir die Archivtexte mit einem aktuellen Bezug zu Jetztzeit. Die besten dieser bisher Heft-exklusiven Archiv-Beiträge stehen nun auch online auf Sicherheit.info zur Verfügung.

Bild: Archiv
Scan aus der PROTECTOR-Ausgabe Juni 1979. (Bild: Archiv)

Zu schmal gedacht

Beim Rückblick in die Geschichte der technischen Entwicklung trifft man immer wieder auf Kuriositäten oder Nischenprodukte, an die man sich heute kaum noch erinnert. Auch bei manchem Produkt der Sicherheitstechnik fragt man sich, warum sich der Anbieter damals so viel Mühe gemacht hat, es zu entwickeln und zu etablieren. Schließlich scheint aus heutiger Sicht völlig klar, dass sich das nicht durchsetzen könne und schon bald verdrängt würde.

So erging es auch dem Polavision-System der Polaroid AG. Der sofort entwickelnde Schmalfilm sollte laut damaliger Auskunft „auch Einzug im Berufsleben; u. a. auch im Sicherheits-Sektor“ halten. „Mit dem Sofortfilm-System können gleich verschiedene lnformations-, Dokumentations- und Schulungsprobleme gelöst werden“, heißt es in einem Bericht im PROTECTOR vom Juni 1979. In der Tat klang es gut, wenn man Filme bereits 90 Sekunden nach Aufnahme begutachten konnte, jedoch blieb der langfristige Erfolg aus. Die Super-8-Technik verschwand schon bald aus dem breiten Markt der Privatanwender – und auch im Security-Sektor setzte man verstärkt auf Videokameras und Recorder, die keine 90 Sekunden mehr brauchten, um Bilder anzuzeigen. Das Motto lautete „Live-Bild statt Entwicklungsvorgang“.

Die Firma Polaroid schaffte den Wandel ins Zeitalter von Elektronik und Digitaltechnik ebenfalls nicht und ist selbst längst Geschichte. Heute versteht man unter „Sofortbildsystem“ eine Lösung, die Videobilder über IP-Netze nahezu latenzfrei über große Entfernungen übertragen kann. Eine kleine Restnische ist aber auch für Schmalfilm und Sofortbilder geblieben. Statt dem Sicherheitsmitarbeiter greifen heute Experimentalfilmer und Foto-Enthusiasten zu den letzten verbliebenen Produkten. Man darf gespannt sein, welche heutige Innovation ein solches Schicksal in 30 Jahren teilen wird.

Erstveröffentlichung
Dieser Beitrag erschien ursprünglich in der Printausgabe des PROTECTOR 4/2013, er besitzt aber nach wie vor inhaltliche Relevanz. Ein möglicher konkreter Bezug zu aktuellen Ereignissen ist dessen ungeachtet jedoch im Kontext des Erstveröffentlichungsdatums zu sehen. Der Text wurde nicht erneut aktualisiert, sondern dient seinerseits als Blick ins Archiv dieser Ausgabe.

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