Fachartikel aus PROTECTOR 10/2018, S. 54 bis 58

ASW-BW-Führungskräftetagung am Eibsee Konstante in unsicheren Zeiten

Der älteste und größte Regionalverband der ASW feiert am 21. März 2019 sein 50-jähriges Jubiläum. Zuvor lud der ASW-BW seine Mitglieder Mitte September zur Führungskräftetagung an den Eibsee am Fuße der Zugspitze ein. Ein hochkarätiges Vortrags- sowie ein sportliches Rahmenprogramm prägten die zweitägige Veranstaltung.

Bild: PROTECTOR & WIK, Andreas Albrecht
Vor malerischer Landschaft tauschten sich die Teilnehmer während der Vortragspausen im Eibsee-Hotel über das Gehörte aus. (Bild: PROTECTOR & WIK, Andreas Albrecht )

ASW-BW-Präsident Wolfgang Geyer und sein Geschäftsführer Karl Schotzko begrüßten über 40 Führungskräfte aus Wirtschaft, Verbänden und öffentlichen Institutionen im Eibsee-Hotel in Grainau, darunter viele bekannte Gesichter, aber auch einige Neumitglieder, die zum ersten Mal an der Jahrestagung teilnahmen, was den Verband besonders freute. Dem Anlass entsprechend war auch das zweitägige Vortragsprogramm mit hochkarätigen Referenten besetzt. Umfassend informiert wurden die Teilnehmer über neueste sicherheitsrelevante Entwicklungen in Politik und Wirtschaft sowie aus erster Hand über Strategien und Schwerpunkte der Polizeiarbeit, über die Anfälligkeit von IT-Systemen sowie über rechtliche Neuerungen im Sicherheitsbereich.

Zukunftsprognosen werden unmöglich

Das Thema des Auftaktvortrags von Dr. Günther Schmid, ehemaliger Professor für Internationale Politik und Sicherheit beim BND, zog sich dabei wie ein roter Faden durch das Programm. Schmid, der die aktuelle Unübersichtlichkeit in der Weltpolitik und vor allem die Gründe dafür analysierte, betonte, die rasant fortschreitende Globalisierung mache belastbare Prognosen zu politischen Entwicklungen nahezu unmöglich: „Kein Einziger sah 2010 den sogenannten Arabischen Frühling kommen, das Referendum zum Brexit Großbritanniens wurde völlig falsch eingeschätzt, niemand rechnete damit, dass Donald Trump tatsächlich Präsident der USA werden könnte. Die Prognostiker haben sich alle verschätzt“, so Schmid.

Der Orientierungslosigkeit in einer immer komplizierter werdenden Welt entspräche das zunehmende Bedürfnis nach einfachen Antworten. Die monokausalen Schuldzuweisungen im Zuge der Flüchtlingskrise an Bundeskanzlerin Angela Merkel oder die Ausblendung der vielfältigen Ursachen des Syrischen Bürgerkriegs seien nur zwei Beispiele dafür: „Wo wir auch hinschauen, wir sollten vorsichtiger mit unseren Urteilen sein“, so sein Appell. Das Problem immer schwieriger werdender Prognosen sprach auch Dr. Hans-Joachim Gergs, der im Bereich Change Management arbeitet, für die Wirtschaft an. Die Zyklen neu gegründeter und vom Markt wieder verschwindender Unternehmen würden immer kürzer, was etablierten Unternehmen zunehmend die Zukunftsplanung erschwere, die sich immer schneller auf sich verändernde Situationen einstellen müssten.

Zur Beantwortung der Frage, ob man sich noch auf dem richtigen Weg befinde, helfe nur eine kontinuierliche, ehrliche und kritische Analyse der eigenen Unternehmensstrukturen und Denkweisen: „Ohne Reflexion gibt es keine Veränderung, sondern nur Stillstand“, so die Überzeugung Gergs. Die Frage nach der Sicherheit einer Unternehmens-IT kann wohl niemand kompetenter beantworten als Sebastian Schreiber, Geschäftsführer der Syss GmbH, die mit mittlerweile 110 Mitarbeitern im Kundenauftrag in Systeme eindringt und IT-Schwachstellen offenlegt: „Wir hacken, geben einen Bericht ab und gehen wieder“, beschrieb Schreiber seinen Arbeitsablauf. In den letzten Jahren habe er dabei keine großen Fortschritte bei den Unternehmen erkennen können: „Die Qualität war schlecht und ist es noch“, so Schreiber.

Unnötige Sicherheitslücken

Teilweise funktionierten sogar noch Angriffe über vergleichsweise leicht zu behebende Sicherheitslücken, etwa über das Schadprogramm „WannaCry“, mit dem im Mai 2017 Windows-Betriebssysteme befallen und ganze Infrastrukturen wie das Britische Gesundheitswesen vorübergehend lahmgelegt wurden. Mit der Digitalisierung und Vernetzung von immer mehr Geräten würden auch immer mehr Schnittstellen und damit potentielle Einfallstore für Hackerangriffe geschaffen, warnte Sebastian Schreiber: „Komplexität ist der Feind von IT-Security“. Die zunehmende IT-Kriminalität bestätigte der Vortrag von LKA-Vizepräsident Andreas Stenger, der einen Überblick über die aktuelle Sicherheitslage im Inland gab. Der Nahostexperte und Buchautor Dr. Wilfried Buchta referierte über die Entwicklung der islamischen Welt, und Rechtsanwalt Dr. Martin Wesch stellte rechtliche Neuerungen im Sicherheitsbereich vor. Andreas Teuscher von der Sick AG sprach schließlich über Chancen und Risiken von Industrie 4.0.

Als Kontrastprogramm zu den theoretischen Entwicklungen und Gefahren der Zukunft wirkte das zünftige Rahmenprogramm. So brachen die Teilnehmer beim Vorabendtreff zu einer E-Bike-Tour um den Eibsee auf, bevor sie während eines Grillabends ausreichend Zeit zum Kennenlernen und Netzwerken hatten. Der Abend am ersten Kongresstag wurde auf dem höchsten Punkt Deutschlands – der Zugspitze – verbracht. Nächstes Jahr am 21. März feiert der ASW-BW sein rundes Jubiläum. Wenn am 19. und 20. September 2019 die nächste Jahrestagung in Freiburg ansteht, wird der Verband 50 Jahre alt sein.

Andreas Albrecht

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