Fachartikel vom 12/01/2008

Wohnmobil und Caravan sichern Schutz fürs mobile Heim

Wohnmobile und Caravans sind serienmäßig recht bescheiden gegen Aufbruch gesichert. Leichte Beute also für Langfinger und Ganoven. Vor allem in süd- und osteuropäischen Ländern müssen Camper ständig auf der Hut sein.

Bild: Hymer
Wohnmobile sind serienmäßig oft "leichte Beute". (Bild: Hymer)
Schon der kurze Halt an der Tankstelle oder am Supermarkt kann mit einem Risiko verbunden sein. Schnell rein, Beute machen und schnell wieder abhauen, das ist die Vorgehensweise der Ganoven. Wenige Minuten reichen schon, um das Wohnmobil auszuräumen. Den Dieben genügt in der Regel sehr einfaches Werkzeug, meist ein normaler Schraubendreher, um die Standard-Schlösser zu knacken. Der Einstieg ins Wohnmobil dauert dann nur wenige Sekunden.

Schwachstellen an Wohnmobilen

Ungesicherte Heckleiter: Die Heckleiter bietet nicht nur Ihnen bequemen Zugang zu Sat-Schüssel, Solar-Paneelen und Zubehör auf dem Dach, sondern auch Dieben. Außerdem gelangen die Täter so recht einfach zu den Dachluken, welche dann leicht für den Einstieg benutzt werden können. Also die Heckleiter, wenn sie nicht gebraucht wird, immer sichern.

Schiebe- und Ausstellfenster: Diese können, wenn sie nicht zusätzlich abgesichert werden, gewaltsam aufgehebelt werden. Vor allem Fenster neben Wohnraumtüren sind wegen der dort geringeren Stabilität der Wand, besonders gefährdet.

Wohnraumtüren: Die serienmäßig eingebauten Schlösser in den Wohnraumtüren lassen sich schnell mit einfachem Werkzeug aufhebeln. Vor allem geteilte Türen sind gefährdet, da die untere Hälfte besonders leicht aufzubrechen ist. Hier unbedingt stabile Sicherungen nachrüsten!

Fahrerhaustüren: Auch die Türen zum Fahrerhaus lassen sich relativ leicht knacken, da die Serienschlösser ebenfalls nicht besonders stabil sind. Hier kann das gleiche einfache Werkzeug, das auch Autoknacker benutzen, verwendet werden. Hier gibt es beispielsweise Nachrüstprodukte in Form von Ketten, die beide Fahrerhaustüren geschlossen halten.

Stauraumklappen: Die Schlösser hier sind ebenfalls nicht sehr widerstandsfähig. Der Inhalt ist also vor Dieben nur minimal geschützt. Durch einige Stauraumfächer kann man außerdem auch in den Innenraum einsteigen. Also entweder nichts wertvolles in die Stauraumfächer geben und sicherstellen, dass man durch sie nicht ins Innere gelangt, oder eben geeignete Sicherungen nachrüsten.

Deichsel/Anhängerkupplung: Bei Wohnanhängern muss man ebenfalls die Anhängerkupplung sichern, damit der Anhänger nicht einfach unbefugt „abgeschleppt“ wird. Solche Anhängersicherungen verhindern in der Regel den Zugriff auf den Handgriff und sichern dadurch Ihren Wohnwagen.

Schwachstellen wie bei Autos: Wohnmobile sind im Prinzip auch nur Autos. Deshalb eignen sich Zusatzsicherungen, wie Lenkradsperre oder Radkralle hier ebenso.

Zusätzliche Sicherungen

Neben der rein mechanischen Absicherung der Türen und Fenster bieten sich oft auch zusätzliche elektronische Sicherungsmaßnahmen an. Die Möglichkeiten hier sind mittlerweile zahlreich.

Alarmanlage
Näherungssensoren am Wohnmobil. 
Es gibt heute spezielle Alarmsysteme für Wohnmobile, die gezielt auf die mobilen Erfordernisse abgestimmt sind. Eine solche Alarmanlage meldet im Ernstfall nicht nur den Einbruch, sie schreckt vor allem schon vorher ab. Denn was Diebe nicht wollen, ist Aufmerksamkeit erregen und womöglich geschnappt werden. Eine Alarmanlage besteht aus mehreren Komponenten. Herzstück ist die Alarmzentrale, sie ist das Gehirn der Anlage. Hier werden die verschiedenen Sensoren und Komponenten angeschlossen. Die Zentrale empfängt Signale von den angeschlossenen Geräten und wertet diese aus. Sie entscheidet schließlich, ob ein Einbruch vorliegt oder nicht. Ein Gehirn kann allerdings nicht viel ausrichten ohne Augen und Ohren um die Gefahr zu erkennen und einer kräftigen Stimme zum Alarmschlagen. Augen und Ohren sind die Sensoren und Alarmmelder. Dies können zum Beispiel Magnet-Öffnungskontakte an den Türen und Fenstern sein, die bei unbefugtem Öffnen Alarm auslösen, oder aber Radarsensoren die den Bereich um das Wohnmobil auf Annäherung überwachen. Es gibt auch Infraschallmelder, die den gesamten Innenraum überwachen sowie viele weitere Typen. Welche sich für Ihr Modell am besten eignen, sollten Sie mit einem Fachmann besprechen, der Ihnen eine maßgeschneiderte Lösung für Ihr Fahrzeug zusammenstellen kann. Zum Alarmschlagen braucht eine Alarmanlage natürlich Alarmgeber. Eine Sirene dient hier dem akustischen Alarm und Blitz- oder Blinklichter der optischen Alarmmeldung. Oft wird die Anlage auch mit der Fahrzeugelektronik gekoppelt, so dass zusätzlich Hupe und oder Blinker betätigt werden. Eine weitere Möglichkeit der Alarmmeldung ist der Fern-Alarm. Mit einem meist optional erhältlichen GSM-Handy-Modul wird im Alarmfall eine Meldung an vorher einprogrammierte Rufnummern verschickt. Sollte also wirklich etwas passieren, weiß der Eigentümer sofort Bescheid.

GPS-Ortung
Einige Anbieter haben mittlerweile eine GPS-Ortung für Fahrzeuge im Angebot. Im Prinzip ist es die Umkehrung eines GPS-Navigationssystems. Mit Hilfe dieser Technik kann ein gestohlenes Wohnmobil weltweit auf wenige Meter genau lokalisiert werden. Zumindest solange der Dieb den Sender nicht entfernt oder das Fahrzeug in einem Gebäude parkt. Die Satellitensignale sind relativ schwach und werden von Mauern oder Dächern abgeschirmt. Aus dem gleichen Grund funktionieren Navigationsgeräte auch nicht in Tunnels, Parkhäusern oder Garagen.

Gasdetektor
Ein Gasdetektor schützt vor Betäubungsgasüberfällen, wie sie von kriminellen Banden in südlichen und östlichen Ländern Europas angeblich praktiziert werden. Das kommt allerdings recht selten vor und ist auch in diesen Fällen schwer eindeutig nachzuweisen. Meistens werden Wohnmobile dann ausgeplündert, wenn niemand da ist. Dennoch sind Gaswarngeräte sinnvoll. Sie spüren nämlich austretendes Propan- oder Butan-Gas auf, bevor es eine gefährliche Konzenration erreicht. Oft erkennen die Geräte auch Kohlenmonoxid. Nachdem im Wohnmobil ja ständig Gasflaschen transportiert werden, deren Zuleitung aus Bequemlichkeit auch nicht jeden Abend zugedreht werden, ist hier durchaus ein Risiko vorhanden.

WoMo-Tresor
Für die Wertsachen, die auf Reisen dabei sein müssen, gibt es auch spezielle Einbautresore für Wohnmobile. Sie schützen die wertvollen Dinge vor dem unmittelbaren Zugriff von Einbrechern. Da diese Modelle aber meist nicht so widerstandsfähig sind, wie ein richtiger Panzerschrank, würden sie einem ausdauernden Täter, oder einem, der gleich den ganzen Tresor einpackt, nicht sehr lange trotzen. Dennoch schützen sie Ihr Hab und Gut. Denn, wie bereits erwähnt, sind die Täter auf schnelle Beute aus und wollen sich nicht lange mit einem Tresor abmühen.

Verhaltens-Tipps

Neben allen mechanischen und elektronischen Sicherungen, die der Markt zu bieten hat, ist auch das richtige Verhalten eine sehr wirkungsvolle Möglichkeit, um Einbrüche zu vermeiden. Und eine ausgesprochen preiswerte noch dazu.

Stellplatz
Bild: www.pixelio.de
Von Autobahnraststätten als Stellplatz ist ausdrücklich abzuraten. (Bild: www.pixelio.de)
Ein wichtiger Faktor ist die Wahl des richtigen Stellplatz. Hier sollte man Wert darauf legen, dass der Platz nach Möglichkeit bewacht ist. Am besten sind also nach wie vor Campingplätze. Von Autobahnraststätten ist dagegen ausdrücklich abzuraten, da hier bei weitem die meisten Überfälle stattfinden. Grundsätzlich sollte man den Stellplatz bei Tag suchen, solange es noch hell ist. Dunkle Ecken oder ein Platz zwischen LKWs oder anderen Wohnmobilen ist auch nicht ideal, denn potenzielle Diebe könnten hier unbeobachtet arbeiten. Gerade in Südfrankreich, Spanien und Italien, sollten Sie Großstädte und Touristengebiete, wie die Côte d'Azur, meiden, fahren Sie lieber einen kleineren Ort an. Ein guter Platz ist beispielsweise vor einer Kirche oder in der Nähe einer Polizeistation.

Abschreckung
Vorhandene Sicherungsmaßnahmen sollten Sie immer offen zeigen, damit sie Diebe abschrecken. Zusätzliche Aufkleber, die auf eine eingebaute Alarmanlage hinweisen, bitte gut sichtbar anbringen. Beim Tanken nie vergessen, alles zu verriegeln, bevor es zur Kasse geht.

Wertsachen mitnehmen
Alles besonders wichtige oder wertvolle sollten Sie am besten immer mitnehmen. Sollte es nicht möglich sein, alles mitnehmen, fragen Sie doch beispielsweise bei der Rezeption des Campingplatzes, ob Sie Ihre Wertsachen oder Papiere vorübergehend dort lassen können. Oft gibt es dort einen Tresor oder ein Schließfach, wo die Sachen sicher sind. Wenn trotzdem Wertsachen im Mobil bleiben müssen, sollten Sie sie dort möglichst gut und an verteilten Stellen verstecken. Diebe greifen in ihrer Eile zunächst nach allem, das offen herumliegt. Denken Sie außerdem über eine spezielle Wohnmobilversicherung nach. Denn der Hausrat im Wohnmobil ist normalerweise über die reguläre Hausratversicherung nicht versichert.

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