Fachartikel vom 11/11/2010

Senioren im Web Bevorzugte Beute von Hackern

Deutschlands Senioren entdecken mehr und mehr das Internet für sich, das belegen die Zuwachsraten aus dem (N)Onliner-Atlas 2010. Aber auch die Angst vor Internet-Betrügern hat deutlich zugenommen und ist gerade für ältere Menschen ein Argument gegen Online-Banking. Wer die Generation 50+ überzeugen will, muss ein schlüssiges und praktikables Sicherheitskonzept bieten.

Bild: Fotolia/PictureArt
  (Bild: Fotolia/PictureArt)

Die Studie hat schon Tradition: Mittlerweile zum zehnten Mal liefert die Initiative D21 zusammen mit Infratest einen Überblick über die Internet-Nutzung in Deutschland. Die Ergebnisse sind in den meisten Fällen durchaus positiv. So kann der (N)Onliner-Atlas 2010 melden, dass nur noch knapp ein Viertel aller Deutschen weder über einen Internet-Anschluss verfügen noch sich einen solchen zulegen wollen. Insgesamt hat sich die Anzahl der Internet-Nutzer in den letzten zehn Jahren fast verdoppelt. 2000 waren noch 37 Prozent aller Deutschen über 14 Jahren regelmäßig im Internet, auch in Form von Online-Banking. Mittlerweile sind es schon 72 Prozent.

Frauen und Senioren im Hintertreffen

Dabei entsprechen die Bundesbürger durchaus auch gängigen Negativ-Klischees: So sind zum Beispiel 14,7 Prozent mehr Männer online als Frauen – Tendenz eher steigend. Während bei den 14- bis 29-Jährigen 95,8 Prozent der Bevölkerung über einen eigenen Internet-Anschluss verfügt, sind es bei den über 50-Jährigen gerade einmal 49,6 Prozent.

Erfreulich ist allerdings: Die Generation 50+ holt zügig auf: Sie verzeichnet die höchste Zuwachsrate, gegenüber dem Vorjahr annähernd 5 Prozent. Die Gründe für die zunehmende Lust der älteren Generation auf moderne Kommunikation liegen auf der Hand: Nicht nur das Mail vom Enkel ist wichtig, auch das Interesse an Online-Einkäufen und -Transaktionen aller Art nimmt in dem Maße zu, in dem die eigene Mobilität abnimmt. Der Weg zur Bank wird vielen älteren Menschen zu beschwerlich. Da liegt natürlich nichts näher als Kontoauszüge am heimischen Rechner zu kotrollieren oder eine gebuchte Kreuzfahrt gleich online zu bezahlen.

Studie offenbart Sicherheitsbedenken

Deutschlands Senioren stehen dem Internet also durchaus aufgeschlossen gegenüber. Gleichwohl gibt es nach wie vor Bedenken. Und hier erweisen sich nicht selten Sicherheitsprobleme als Hemmschuh für die weitere Verbreitung. Dies zeigen auch die Ergebnisse einer Sonderstudie zum Thema Online-Banking, die zusätzlich zum Standard (N)Onliner Atlas erhoben wird.

Etwa 83 Prozent aller Bankkunden nutzen heute Online-Banking. Wer es nicht tut, begründet dies in der Regel mit Sicherheitsbedenken. Diese sind in letzter Zeit nicht geringer geworden – ganz im Gegenteil. Auf die Frage: „Hält Sie die Befürchtung, beim Online-Banking betrogen zu werden, derzeit von Transaktionen im Internet ab?“ antworteten 2009 nur 4,3 Prozent der Befragten mit ja − 2010 waren es bereits 20,2 Prozent. Noch deutlicher ist die Verunsicherung bei den über 55-Jährigen: Hier lassen 26,2 Prozent aus Angst vor Hackern und Crackern derzeit die Finger vom Online-Banking.

Bild: Vasco
Der Autor Jan Valcke ist seit 2002 President und COO bei Vasco Data Security, Belgien. (Bild: Vasco)

Internet-Betrug wieder auf dem Vormarsch

Dass die Angst des Senioren vor dem Hacker keineswegs unbegründet ist, zeigt die Kriminalstatistik. Während der Bitkom 2008 bei Angriffen auf Online-Konten einen Rückgang um 54 Prozent gegenüber dem Vorjahr meldete, stieg 2009 die Anzahl derartiger Betrugsfälle wieder um 53 Prozent. Wenn die Schattenbranche also scheinbar zurückgewichen war, dann wohl nur um Anlauf zu nehmen: 2009 wurden in Deutschland 2.859 Menschen Opfer von Phishing-Angriffen. Und die Dunkelziffer dürfte immens sein.

Auch wer mit dem PC aufgewachsen ist, hat nicht selten seine liebe Not damit, seinen Rechner vor digitalen Schädlingen aller Art zu bewahren. Wie schwierig muss das Thema Virenabwehr dann erst für Internet-Einsteiger jenseits der 50 sein. Besonders bei älteren Online-Banking-Nutzern gilt: Der Rechner des Kunden ist nicht als vertrauenswürdig anzusehen. Er kann unbemerkt von Keyloggern befallen sein. Die vertraute URL der Bank kann durch eine Manipulation der DNS-Auflösung geradewegs zu einer Man-in-the-Middle-Attacke führen.

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