Fachartikel vom 04/26/2016

Netzwerktechnik Tipps für smarte Entscheidungen

Eine aktive Netzwerktechnik ist das A und O von modernen IT-Infrastrukturen. Switches, Router und Server sind das Kernstück jedes Datennetzwerkes. Von der Leistungsfähigkeit und Robustheit dieser Systeme hängt die Performance von modernen Unternehmen und Organisationen ab.

Bild: Nexans
Infografik zu FTTO. (Bild: Nexans)

In der Welt der Übertragungstechnik herrscht daher ein harter Wettbewerb. Um die Feature-Schlacht zu gewinnen, locken einige Hersteller mit vielen tollen Produktfunktionen, die leider noch in der Beta-Version stehen. Nicht selten findet man Bugs erst nach der Installation der Systeme. Bei großen Mengenvolumen ist der Umstieg auf bessere, hochwertigere Systeme etwa erschwert – wegen mangelnder Zeit, erhebliche Administrationsaufwand, und knapper finanzieller Ressourcen.

Es ist unabdingbar, die Systeme und Lösungen vor dem Erwerb ausgiebig zu testen und sich über die Qualität und Leistungsfähigkeit der Systeme möglichst selbst zu vergewissern. Sei es ein Netzwerkmodernisierungsprojekt oder Neubau, der IT-Manager muss immer einige kritische Punkte abstimmen, bevor er oder sie sich im Rahmen einer Ausschreibung für die Produkte eines Herstellers entscheidet.

1. Wie sieht es mit der IT-Sicherheit aus? Sind die Systeme gegen Hacker-Attacken abgehärtet? Wird die 128-bit Verschlüsselung nach AES unterstützt? Radius, SSH und HTTPS sowie SNMP v.3 sind heutzutage keine Zukunftsmusik und gehören in jedes Netzwerk. Interessant wäre zu erfahren, ob die Ergebnisse der Penetrationstests und Schwachstellenanalysen von unabhängigen Organisationen zum Netzwerkprodukt vorliegen.

2. Langzeittest: Funktioniert der Switch unter normalen Einsatzbedingungen im Laufe der Zeit reibungslos? Werden spezifische Datenpakete problemlos übertragen? Wie sieht es mit Voice- und Video-Anwendungen aus? Gibt es vielleicht Anpassungsbedarf? Besonders bei „Low-cost“- Angeboten ist die Wahrscheinlichkeit groß, ein Gerät mit einer mangelhaften Netzwerkperformance zu bekommen.

FTTO
FTTO (Fibre To The Office) ist ein alternatives Konzept für die LAN-Verkabelung im Gebäude auf Basis von Glasfaser und Kupfer. FTTO verbindet passive Verkabelungsinfrastruktur (strukturierte Verkabelungskonzepte) mit aktiven Netzwerkkomponenten, das heißt, speziell entwickelten Switches, die Teilnehmern am Arbeitsplatz Gigabit Ethernet liefern. In FTTO-Netzen gibt es keine Netzwerk-Hierarchie, die Etagenverteiler werden überflüssig und entfallen komplett. Dadurch lassen sich signifikante Kosten- und Energieeinsparungen entwickeln.

3. Wie entwickelt sich der Energieverbrauch der Systeme? Gibt es softwarebasierte Unterstützung durch ein intelligentes Energie-Management (zum Beispiel Geschwindigkeits-optimierung auf Basis der Tageszeit, des Wochentags oder auf Basis der Datenlast oder Datenstaus)? Wird EEE unterstützt? Mit Energy Efficient Ethernet – IEEE 802.3az – lässt sich der Energieverbrauch in FTTO-Netzen (Fibre To The Office) bis zu 70 Prozent optimieren. Moderne FTTO-Switches verbrauchen im Schnitt 3,5 Watt pro Gerät (mit EEE).

4. Wird PoE/PoE+ unterstützt? Bei PoE mit 15,4 Watt pro Port und PoE+ mit 30 Watt pro Port geht es um die Stromversorgung über das Ethernet-Kabel. PoE spart Stromversorgungskabel und so die Installationskosten und Arbeitsaufwand ein. Auch an schwer zugänglichen Stellen oder in Bereichen, in denen viele Kabel stören würden, können dank PoE/PoE+ Ethernet-angebundene Geräte installiert werden. PoE wird zunehmend für die Anbindung von Wireless Access Points, IP-Telefonen, Videoüberwachungskameras, Zutrittskontrollsystemen, Gebäudeautomatisierungsanlagen und sogar für kleinere Server eingesetzt. Kritische Fragen hier sind: Wird PoE/PoE+ auf allen Teilnehmerports unterstützt? Lässt sich die Stromversorgung nachhaltig optimieren, indem modular aufgebaute Netzteile mit größerer Leistung verfügbar sind? Die Netzteile von modernen Switches lassen sich schnell durch Netzteile mit größerer Leistung ersetzen, wenn der Bedarf steigt.

Bild: Nexans
Ein Fibre To The Office (FTTO)-Switch. (Bild: Nexans)

5. Ist eine nachhaltige Entwicklung ohne Änderungen des Interfaces gegeben? Nicht immer haben die Systeme eine intuitive Bedienung. Manchmal sehen die Geräte der nächsten Generation ganz anders aus; sie funktionieren auch anders, so dass ein neues Interface einen gewissen Umschulungsbedarf auslöst. Am besten lassen sich die neuen Features über Firmware-Updates implementieren, die der Hersteller in den regelmäßigen Zeitabschnitten auch für ältere Geräte zur Verfügung stellt. Unbedingt zu klären: Geht es bei dem Hersteller um nachhaltige Entwicklung?

6. Ein weiterer Punkt, der der Klärung bedarf, ist ein Kompatibilitätstest. Sind die Systeme mit Core-Netzwerklevel-Systemen kompatibel? Gibt es Interoperabilitätserklärungen und Zertifikate? Lassen sich die Systeme in die übergreifenden Plattformen integrieren? Moderne Switches werden auf Basis von abgehärteten Industriekomponenten hergestellt und weisen ein MTBF von mindestens 400 Jahren (statistische Auswertung) auf. Bevor ein Produkt oder eine Produktserie auf den Markt gebracht wird, machen zuverlässige Hersteller Langzeitbelastungstests in eigenen und unabhängigen Test-Labors. Vor der Lieferung werden Burn-in-Tests durchgeführt. Heutzutage bieten einige Hersteller die Möglichkeit, die Systeme vor dem Erwerb kostenlos zu testen.

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Idealerweise bleibt der IT-Manager nach dem Produkterwerb mit den Netzwerkproblemen nicht allein, wird mit allen Funktionalitäten und Operationsbesonderheiten der Systeme bekanntgemacht und kann sich auf den umfangreichen, persönlichen Drei-Level-Support direkt vom Hersteller oder seinen zertifizierten Partnern – mit dem entsprechenden Service-Vertrag – verlassen. Leider ist es so nicht immer. Ein kritischer Blick lohnt sich.

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