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Kommentar aus W&S 2/2010, S. 3

Editorial

Die Jugend von heute...

Erschreckend sind die Überfälle, die von Jugendlichen auf zufällig anwesende Mitbürger verübt werden. Da werden Passanten krankenhausreif geschlagen, Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln belästigt und schlimmstenfalls totgeschlagen. Und die Täter sind jung – teilweise nicht einmal strafmündig.

Britta Kalscheuer, Redakteurin W&S 

Schnell wird die Jugend von heute pauschal verurteilt: Eine Verrohung der Gesellschaft durch Computerspiele, frei zugängliche Gewaltdarstellungen im Internet sowie fehlende Moralvorstellungen werden als Ursachen für die Verfehlungen jugendlicher Straf- und Gewalttäter ausgemacht. Für die Medien sind sie ein gefundenes Fressen: Wäre eine U-Bahn-Schlägerei ansonsten nur eine müde Tickermeldung wert, füllt sie tagelang die Titelseite, wenn ein Jugendlicher daran beteiligt ist.

Das in der Öffentlichkeit so geschürte individuelle Unsicherheitsgefühl weicht jedoch von den Fakten der polizeilichen Kriminalstatistikenab. Die Zahl der Jugendlichen, gegen die wegen Gewalttaten wie Raub oder Körperverletzung ermittelt wird, macht beispielsweise in Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 0,85 Prozent dieser Altersgruppe einen relativ geringen Anteil aus. „Die große Mehrheit der Jugendlichen ist rechtstreu“, stellte NRW-Innenminister Dr. Ingo Wolf fest.

Dass früher auch nicht alles besser war, zeigt sich an den Tötungsdelikten in NRW: So ist die Zahl der versuchten und erfolgten Morde heute nur noch halb so groß wie im Jahr 1970. Die ethische Orientierungslosigkeit, das fehlende Sozialverhalten und der Mangel an Wertvorstellungen einiger Jugendlicher kommt nicht von ungefähr. Schon Johann Wolfgang von Goethe hatte erkannt: Man könnt‘ erzogene Kinder gebären, wenn die Eltern erzogen wären.

Was in der Familie, dem kleinsten Baustein der Gesellschaft, oftmals vermurkst wird, muss die Gemeinschaft versuchen aufzufangen. Kriminalpräventive Arbeitskreise und Räte sind dabei wichtige Institutionen, um bürgerschaftliches Engagement wieder zum Leben zu erwecken. Die Entschärfung öffentlicher Angsträume in Städten wie Parkhäuser oder dunkler Parks gehört dabei ebenso ins Programm, wie auch die Motivation der Bürger, hinzuschauen und sich zuständig zu fühlen.

Britta Kalscheuer

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