Fachartikel vom 07/11/2018

Reisesicherheit Vom Tsunami-Warnsystem zum Allround-Krisenexperten

Von ihrem Arbeitgeber erwarten Angestellte heute deutlich mehr als je zuvor einen umfassenden Schutz auf Geschäftsreisen. Mit seinem System Global Monitoring sorgt das Unternehmen A3M dafür, dass Travel Manager Mitarbeiter weltweit verlässlich vor möglichen Risiken warnen können.

Bild: A3M
Nutzer können über eine App informiert werden. (Bild: A3M)

Ob Terroranschlag, Naturkatastrophe oder einfach nur ein Generalstreik oder eine Großdemo - auf Geschäftsreisen kann Angestellten von international ausgerichteten Firmen eine Vielzahl von Ereignissen widerfahren. Nicht überraschend also, dass immer mehr Mitarbeiter von ihrem Arbeitgeber größtmöglichen Schutz einfordern. Auch das familiäre Umfeld hat ein wachsendes Interesse an den vorhandenen Maßnahmen.

Neben einem umfassenden Versicherungsschutz spielt die verlässliche Vorhersage von möglichen Risikoquellen eine tragende Rolle. Immerhin lassen sich viele Gefahrensituationen mit entsprechender Vorwarnung entschärfen.

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Auf diesesThema hat sich das Unternehmen A3M spezialisiert, dessen Start auf zwei Universitätsprofessoren zurückzuführen ist. Beweggrund war die Tsunami-Katastrophe von Weihnachten 2004, die in großen Teilen Asiens mehr als 200.000 Menschen das Leben kostete. Das Ziel: Zahlreiche Leben hätten gerettet werden können, hätte es nur ein funktionierendes und grenzübergreifendes Warnsystem gegeben. Aus der Idee entstand ein SMS-Warnsystem speziell im Hinblick auf Tsunamis.

Vielfältige Risiken

Die Anzahl möglicher Gefahren für Reisende geht jedoch weit über dieses Szenario hinaus. Daher entstand aus dem anfangs stark zugespitzten Modell schließlich das Unternehmen in heutiger Form, das sich die Frühwarnung sämtlicher Gefahrenquellen auf die Fahne geschrieben hat.

„Herzstück“ des Unternehmens ist ein Team von insgesamt zehn Redakteuren – überwiegend Politologen –, die mit Hilfe von rund 500 Primärnachrichtenquellen, von dpa über das Hurrikan-, Tsunami- und Erdbeben-Warnzentrum bis hin zur Nasa, das Geschehen in sämtlichen Ländern der Erde permanent beobachten. Ereignisse werden je nach Schweregrad in Kategorien eingeteilt, anhand des webbasierten Kartensystems Global Monitoring erfasst und per Textfeld näher ausgeführt.

Um die Abdeckung rund um die Uhr zu gewährleisten, verfügt das Unternehmen über einen Mitarbeiter im südkoreanischen Seoul, der die Schicht antritt, wenn das Team in Deutschland das Büro verlässt. Neben den Primärquellen stellen die sozialen Medien einen wachsenden Bereich da. Daher beobachtet das Redaktionsteam auch Kanäle wie Facebook und Twitter. In diesem Fall werden Meldungen aber prinzipiell mit offiziellen Quellen verglichen und verifiziert.

Seinen Schwerpunkt setzte das Unternehmen anfangs insbesondere in der Reiseindustrie. Mit seinen Alarmmeldungen versorgt es praktisch sämtliche großen Veranstalter in Deutschland – dazu zählen TUI, Thomas Cook oder die Dertour-Gruppe. Je nach Modell beziehen die jeweiligen Krisenmanager ausschließlich die Warnhinweise, um ihre Kunden in betroffenen Gebieten per SMS zu informieren, oder sie gleichen per Schnittstelle die Alarmmeldungen automatisch mit der eigenen Kundendatenbank ab, um die Nachrichten direkt aus dem System heraus zu versenden. Der größte deutsche Reiseverband DRV (Deutscher Reiseverband e.V.) hat Global Monitoring mittlerweile zum „Branchenstandard“ erklärt.

Neue Kundenkreise

Zu den Kunden des Unternehmens zählen keineswegs nur Unternehmen der Reisebranche. Ein weiteres wichtiges Standbein sind kleine und mittelständische Firmen, die mit Hilfe des Warnsystems ihre gesetzliche Fürsorgepflicht gegenüber Angestellten auf Reisen erfüllen. Ähnlich wie in der Touristik arbeiten Kunden auch hier wahlweise auf unterschiedlichster Ebene mit A3M zusammen. Während die Travel Manager einiger Unternehmen ausschließlich den Zugang zum webbasierten Tool nutzen, gleichen andere ihre Mitarbeiterdatenbank automatisch ab.

So lässt sich beispielsweise ein Textileinkäufer auf seiner Reise in Indien mit möglichst geringem Zeitverlust per SMS über eine angekündigte Demonstration informieren. Er hat dann die Möglichkeit, seine Reiseroute entsprechend anzupassen oder weitere Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.

Neben Reisenden, die nur einen kurzen Zeitraum im Ausland für ihr Unternehmen verbringen, eignet sich das Warnsystem auch für Firmen, deren Mitarbeiter längere Zeit in der Ferne leben. Die Kosten sind für die Nutzer des Systems durchaus überschaubar. Sie starten bei rund 300 Euro pro Monat. Je nach Anpassung und Integration für das eigene System steigen die Kosten je nach Umfang der Datenbank und Funktionen.

Für Arbeitgeber ergeben sich neben der reinen Warnung ihrer Mitarbeiter auf Reisen entsprechend weitere Konsequenzen. So sind die Alarmmeldungen nur ein Punkt entlang der Kette von Maßnahmen im Ernstfall. Im Fall einer aufflammenden politischen Krise wie etwa während des arabischen Frühlings haben sie die Möglichkeit, beispielsweise Umbuchungen vorzunehmen und Angestellte bei Bedarf sogar auszufliegen. Nicht zuletzt ist das Tool eine essentielle Informationsquelle für die Festlegung von zulässigen Reiseländern. Spitzt sich die Lage in einer Nation zu, kann diese kurz- oder sogar langfristig von der Liste der bereisbaren Länder verschwinden.

Auch Firmen ohne eigenen Travel Manager können indirekt die Warnhinweise nutzen. So arbeiten in Deutschland zum Beispiel die wichtigsten Geschäftsreiseketten mit A3M zusammen. Nach ähnlichem Vorbild wie die Unternehmen gleichen sie in aller Regel Reisedaten von Corporate-Kunden mit den Alarmmeldungen aus dem Sicherheitssystem ab.

Essentiell für die Information der Kunden ist wie in allen Fällen das Vorliegen von Kontaktdaten – genauer gesagt der Handynummer. Zum Teil nutzen die Ketten die Dienste auch als integrierte Lösung für deren jeweilige Kunden-Apps. Seit Kurzem verfügt A3M auch über eine eigene mobile Applikation für Endkunden, die in Kooperation mit dem Start-up Greenzone entwickelt wurde und die es in zwei unterschiedlichen Versionen für Urlauber und Business-Reisende gibt. Auf diese Weise können sich Geschäftsreisende doppelt absichern. Zum einen bekommen sie Warnhinweise durch den eigenen Arbeitgeber, zum anderen erhalten sie die entsprechenden Alarmmeldungen direkt per App auf ihr Smartphone.

Damit der User ausschließlich die Informationen erhält, die seinen jeweiligen Aufenthaltsort betreffen, nutzt die Applikation die Ortung über das GPS-Signal von Smartphones. Zudem wählt der User individuell den geografischen Radius aus, über den er auf dem Laufenden gehalten werden möchte. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Internetverbindung. Sollte diese einmal nicht bestehen, richtet sich die Alarmmeldung nach dem zuletzt registrierten Aufenthaltsort – so zum Beispiel dem jeweiligen Hotel.

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