Kommentar aus PROTECTOR 5/08, S. 68

Gastkommentar Was nun, Ebüs?

Von Heinz-Joachim Wilke, Inhaber der ES Consulting, seit 35 Jahren im Videomarkt aktiv, Moderator des PROTECTOR Forums Videoüberwachung

Heinz-Joachim Wilke: „Ebüs setzt man immer dann ein, wenn eine Leitstelle von ihren Aufschaltkunden Bilder von Videosystemen unterschiedlicher Fabrikate angeliefert bekommt.“ (Bild: HZ) 

Ebüs stellt keine neue Form der Verabschiedung im Rheinland dar, wie „Tschüss", und es handelt sich auch nicht um ein neues Modell für die in Solingen eingesetzten Oberleitungsbusse. Es bezeichnet ein Produkt in der Videoüberwachungstechnik, nämlich ein Bild-empfangssystem – eben das eines Einheitlichen Bild-Übertragungs-Systems = Ebüs. Wobei die Produktbezeichnung eigentlich nicht ganz richtig ist, denn es handelt sich in erster Linie um ein Produkt zum Empfang von Videobildern aus diversen im CCTV-Markt erhältlichen proprietären Bild-übertragungssystemen. Das Ebüs empfängt jede Art von komprimierten Bildern und Bildsequenzen (Denglisch: Videostreams) analoger oder IP-Kameras/Systeme. Erst bei der Weiterleitung aus einer NSL (Notruf- und Serviceleitstelle) oder Polizeieinsatzzentrale an eine andere Leitstelle wird daraus ein einheitliches Bildsignal. Ebüs lässt sich flexibel in Leitstellen der Polizei sowie NSL integrieren und ist kompatibel zu zahlreichen Bildübertragungssystemen.

Initiative der Polizei

Ein wenig zur Historie und Entstehung: Eine Initiative der Polizei im Jahr 2001 hatte zum Ziel, unterschiedliche Bildquellen auf einer einheitlichen Bildempfangseinheit zu verarbeiten. Durch die Arbeit des Koordinierungsausschusses Bildübertragung, bestehend aus Vertretern der Verbände BHE, BDWS, ZVEI und der Polizeiführungsakademie – die genannten Institutionen finanzierten auch den Start des Projektes – haben wir heute neben den etablierten Leitstellenmanagementsystemen einzelner Videohersteller ein universelles, einheitliches Videobild-Empfangssystem unter dem Namen Ebüs zur Verfügung.

Warum sollte jetzt das bereits in der Praxis bewährte Ebüs als Alternative zu proprietären Videomanagementsystemen eingesetzt werden? Immer dann, wenn eine Leitstelle von ihren Aufschaltkunden Bilder von Videosystemen unterschiedlicher Fabrikate über die bekannten Übertragungsmedien angeliefert bekommt. Es reduziert die Kosten in einer NSL in Bezug auf Schulung, Unterhalt, Wartung und Pflege unterschiedlicher Systeme. Nicht zu vergessen sind geringerer Platz- und Strombedarf. Es gibt den NSL-Mitarbeitern außerdem ein Werkzeug (Denglisch: Tool) an die Hand, das er in Stresssituationen und unter Zeitdruck sicher bedienen und womit er sachgerechte sowie angemessene Entscheidungen treffen kann. Und das sind nur die Vorteile für die Leitstelle.

Investitionssicherheit

Für den Endkunden liegen weitere Vorteile, wie die Investitionssicherheit und die Freiheit in der Auswahl des Fabrikats und Lieferanten seines Videoüberwachungssystems auf der Hand. Wo Vorteile sind, gibt es auch Nachteile. Ebüs kann zum Beispiel nicht in die Fernparametrierung, der Fernkonfiguration von wichtigen Einstellungen an den beim Nutzer installierten System, eingreifen. Dieser Nachteil kommt speziell dann zum Tragen, wenn die NSL immer mehr Aufgaben bei seinem Aufschaltkunden aus der Ferne übernimmt. Denn das Videobild ergänzt zunehmend den klassischen Alarm und sichert schnellstmögliche und gezielte Hilfe in jedem Notfall. Am besten betreibt man daher zwei Systeme nebeneinander, Ebüs für Standardaufgaben und ein etabliertes System für spezielle Aufgaben, Dienstleistungen und Kunden.

Die zu Beginn angesprochenen Institutionen, wie BDWS, BHE, ZVEI und PFA werden in den nächsten Wochen weitere Informationen verbreiten.